ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3775

Apple und die Supercomputer

Aktuelle Top500-Liste veröffentlicht

Autor: wp - Datum: 23.06.2005

Für diejenigen, die in Sachen Computer schon immer etwas mehr Macho waren als andere, und natürlich für diejenigen, die wirklich echte Rechenleistung benötigen (oder zu benötigen glauben): Die Top500-Liste der Supercomputer in der Ausgabe für Juni 2005 ist veröffentlicht. Für Mac-User und -Enthusiasten waren Rechenboliden dieser Größenordnung eigentlich nie ein Thema - bis zum Herbst 2003, als Srinidhi Varadarajan so überraschend wie kurzzeitig zum Held der Szene wurde und es dann im November feststand: Mit Apple G5s kann man Supercomputer bauen.

Nun, das ist Äonen her (anderthalb Jahre, um es etwas präziser zu sagen), und zuletzt hat Number-Crunching und Ähnliches die Apfeljünger nicht mehr wirklich interessiert, nachdem die damalige MaGu-Headline zu Dr. Varadarajan ("DAS ist ein Switcher!") mittlerweile am besten zu Steve Jobs passt (wenn DAS nicht mal der größte Switcher aller Zeiten ist! ;-). Ganz berechtigt scheint mir dies Desinteresse allerdings nicht zu sein: Nach dem ersten Auftauchen des G5-Clusters und seinem Abtauchen in der folgenden Liste (Juni 2004), gab es dann im November 2004 zwei Xserve-Cluster (Virginia Tech hatte sinnvollerweise auf Xserves umgestellt), und nun sind in der aktuellen Liste schon vier solcher Apfelkisten vertreten. Ich will jetzt nicht hochrechnen, dass bei weiterer Verdopplung pro Liste schon auf der siebtnächsten Liste nur noch Xserve-Clusters vertreten sein werden - das wäre *etwas* gewagt. Aber ich finde diese Zunahme beachtenswert, auch wenn man sieht, dass die Xserve-Cluster die Plätze 14, 66, 162 und 166 belegen (also im vorderen Drittel der Liste mitspielen) und dass außer dem VirginiaTech-Cluster (aus dem letzten Jahr, mit 2200 Knoten) die drei anderen frische Konstruktionen dieses Jahres sind (mit 1024, 512 und 448 Knoten). Mit Apple-Hardware lässt sich also Rechenpower zaubern (und das aus der Anzahl der Knoten recht gut vorhersagbar), das dürfte spätestens mit dieser Liste keine Frage mehr sein.

Am Rande interessant: Ein weiterer Cluster mit PPC970-Knoten, 4800 an der Zahl, liegt auf Platz 5, nämlich der sogenannte "Mare Nostrum" aus Barcelona. IBM dominiert mit den POWER-Prozessoren bzw. mit ihren eServer Blue Genes leistungsmäßig (benötigt aber deutlich mehr Prozessoren für gleiche Leistung), Intel mit Xeons anzahlmäßig - wobei IBM auch Xeon-Cluster verkauft. Hat uns das etwas zu sagen für unser Apple-Prozessor-Switch-Dilemma? Isch weiß et nit.

Kommentare

switcher dimlemma bei IBM ...

Von: mcj | Datum: 23.06.2005 | #1
... denke mal, dass es Sinn macht für IBM verschiedene Prozessorarchitekturen im Programm zu haben um auch verschiedenen Anwendungen als Plattform dienen zu können.

Aber der PPC 440 scheint ja ein ganz furioser Prozessor zu sein: anscheinend verbraucht der bei 700Mhz (im BlueGene) irgendwas von einem bis zwei ganzen Watt (laut Datenblatt von IBM) Die Fläche mit 9.8mm^2 dürfte recht klein sein ... wie gross ist nochmal ein Xeon? Da kann man ja locker zehn in einen Desktop einbauen (oder nur fünf für das iBook ... haha) einbauen

gruss, m.

gastspiel

Von: chris | Datum: 23.06.2005 | #2
"Hat uns das etwas zu sagen für unser Apple-Prozessor-Switch-Dilemma?"

ja, das war ein kurzes gastspiel im supercomputing, denn mit dem umstieg ist das thema gegessen.

nix gastspiel

Von: flip | Datum: 23.06.2005 | #3
@ chris
wie kommst du darauf? weder stellt apple sofort alle linien um, noch verabschieden sie sich aus dem server-markt..

@flip

Von: chris | Datum: 23.06.2005 | #4
wegen der gflops.

Zustimmung für Chris

Von: Mac since 1994 | Datum: 23.06.2005 | #5
(siehe Überschrift)

Chris hat recht

Von: kisch | Datum: 23.06.2005 | #6
Server mit Intel-Chips kann man ja von jedem anderen außer zukünftig Apple auch kriegen und wird genau das auch tun.

Spätestens beim Number-Crunching ist das Case-Design kein wirkliches Verkaufsargument mehr... ;-)

gruß kisch

Ein Schelm...

Von: dieter | Datum: 23.06.2005 | #7
...wer Arges dabei denkt. IBM hätte sich angesichts solcher Schnäppchenpreise für Teraflops eine schöne Laus (Konkurrenz) in den Pelz gesetzt, wenn die Xserves mit mehr Leistung und weniger Abwärme zu kaufen wären. Da macht man doch lieber Apple ein Angebot, das diese nicht annehmen können ("Ihr kriegt weiterentwickelte Chips. Aber nur, wenn ihr die Entwicklung selber bezahlt."), und läßt sich das Supercomputing-Geschäft nicht vermasseln.

@wp

Von: grady | Datum: 23.06.2005 | #8
Das Geschreibe vom "Switcher" ist doch hier völlig daneben gelangt. Mit diesem (durchaus kontrovers zu sehenden anglizistischen) Begriff wird doch eher der Wechsel des Systems (Software) assoziiert. Damit herumzualbern, weil nun eine andere Hardware-Basis geschaffen wird, ist mehr als lächerlich. Der Switcher an sich ist ja schon zum Wegrollen... Da könntet Ihr einfach drüber hinwegsehen und bei der Sache bleiben.

@grady

Von: mcj | Datum: 23.06.2005 | #9
ooch naja, ich finde das kann man machen und weit entfernt von "lächerlich" und "völlig daneben" ist das auch. Man kann ja ein wenig auf die TOP 500 Liste schauen und welche Prozessoren dort landen, weil das ein guter Indikator für das ist, was sich gerade so im Bereich Server-Computing im Gelände bewegt.

PowerPC 440 werden es wohl aber trotzdem nicht für den Mac werden und ich würde mich über Xeons von Apple als XServe wundern. also wenn's so unklar ist - warum nicht ein wenig ratschen?

Gruss, m.

also ich weiß nicht...

Von: edi | Datum: 23.06.2005 | #10
immerhin scheint Intel jetzt mal ordentlich nachzulegen im Serverbereich:

[Link]

Also erst mal abwarten Jungs!

Re: also ich weiß nicht...

Von: chris | Datum: 23.06.2005 | #11
im bericht gehts um itanium. - wo ist der bezug zum mac?

PS: Re: also ich weiß nicht...

Von: chris | Datum: 23.06.2005 | #12
Es sollte heißen: "In dem von Dir verlinkten Bericht geht es um Itanium-CPUs. Da diese nicht in Macs verbaut werden, fehlt der Bezug."

Man könnte sich schon vorstellen

Von: Carlo | Datum: 23.06.2005 | #13
daß Tukwila und/oder Montvale in den zukünftigen Power Mactels zum schlagen kommen. Da könnte ich auch die Aussage von Jobs verstehen, als er sagte, daß weder IBM noch Motorola oder AMD was in ihrer Road Map haben, was er für die nächsten Jahre braucht. Intel aber!

Carlo

@chris

Von: edi | Datum: 23.06.2005 | #14
wie carlo schon sagt, woher willst du wissen, dass diese Prozis nicht in den Mac kommen. Ich meine die vollmundigen Ankündigungen, die Jobs gemacht hat werden kaum darauf gründen, dass nächstes Jahr irgendsoein alter P4 eingebaut wird...
- Ist es bei Euch auch so heiß? Ich zerfließ gleich...
Gruß

Edi

Re: Man könnte sich schon vorstellen...

Von: chris | Datum: 23.06.2005 | #15
Wohl kaum. iA64 ist nicht x86.

@edi (PS)

Von: chris | Datum: 23.06.2005 | #16
* ich meinte Satz 4.

* "laptop"-grund 2: die baugröße.

* witrschaftsgrund 2: der preis.

who cares?

Von: ninjaturkey | Datum: 24.06.2005 | #17
Es war ganz nett, Apple-Cluster auch bei den Supercomputern vertreten zu sehen, aber was sagt das aus? Ihr kauft doch auch nicht nur die Reifen, mit denen in der Formel 1 der Sieger fährt - oder?

@ninjaturkey

Von: mcj | Datum: 24.06.2005 | #18
ich nicht, aber Leute die Auto-Rennenfahren vielleicht schon. Nee aber mal im Ernst, wenn eine Organisation sich einen XServe Cluster zulegen möchte, ist das nett, dass es ein Beispielprojekt gibt, welches im grossen Rahmen die Machbarkeit gezeigt hat.

Gruss, m.

dieter:

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 24.06.2005 | #19
Ja, der Verschwörungsgedanke kam mir auch schon! ;-)

@jonez

Von: chris | Datum: 24.06.2005 | #20
Deiner These widerspricht die Realität.

Bei Rmax kommt der PPC970@2.3GHz auf etwa 5.56 GFlop/s und der P4-Xeon@3.06GHz rund 3.92 GFlops/s.

Bei Rpeak:
Pentium 4 Xeon 3060 MHz = 6.12 GFlop/s (Rpeak) [Link]
PowerPC 970 2300 MHz = 9.2 GFlop/s (Rpeak) [Link]

Chris:

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 25.06.2005 | #21
Noch besser: Rechne mal die Leistung bei "Mare Nostrum" durch, dem Cluster auf Platz 5!
Da kommst du auf 5.8 GFLOPS pro G5 Rmax - und das sogar bei nur 2.2 GHz!
Linux bzw. IBMs Interconnects sind halt doch effizienter bzw. IBM hat im Supercomputerbau einfach die größere Erfahrung! ;-)

Xeon 3.4 GHz hat übrigens 4.1 GFLOPS Rmax, Opteron 2.2 GHz nur 3.1 GFLOPS und selbst die ach-so-tolle Itanic kommt bei 1.5 GHz nur auf 5.1 GFLOPS!

@ Kai (MacGuardians), Verschwörungstheoretiker

Von: Mac since 1994 | Datum: 27.06.2005 | #22
Dein "Verschwörungsgedanke" ist reichlich albern, wenn man bedenkt, daß IBM ein sehr berechtigtes Interesse hätte, nicht allein die Entwicklungskosten für den PowerPC zu tragen, während andere die Früchte dieser Arbeit auf dem sehr begrenzten Markt der Supercomputer abernten.

Richtig ...

Von: johngo | Datum: 27.06.2005 | #23
... jede Anwendung hat ihre speziellen
Vorteile. Ich dachte aber, es ging hier
mehr um die Tests von Apple. Die
hatten einen immer höheren Anteil
von spezifischen PPC-Vorteilen, die
aber "praxisfremd" waren (z. B. einen
exorbitant hohen AltiVec-Anteil) oder
gar die eigene Plattform in das ge-
wünschte Format drückten (z. B.
Vergleiche zwischen dem G4 und dem
G5). Ich fand das oft sehr peinlich und
habe mich ja deshalb z. B. über das anstehende
Ende des G5 nicht gewundert.

Gruss


johngo

@johngo

Von: chris | Datum: 27.06.2005 | #24
"Ich dachte aber, es ging hier mehr um die Tests von Apple."

es ging hier um die platzierung in der top500.

@ chris

Von: johngo | Datum: 27.06.2005 | #25
Also ich habe auf die Aussage
"Benchmarks bei Keynotes" geantwortet.

Meines Wissens hat Apple dort immer
Anwendungsbenchs vorgetragen und
keine Super-Computingbenchs!?!?

Gruss

johngo

@johngo

Von: chris | Datum: 27.06.2005 | #26
"Die Überlegenheit der PPCs* war immer nur sehr spezifisch und somit auch in vielen Bereichen nur theoretisch."

das von dir ausgemachte problem produzieren aber die softwarehersteller, da diese ihre gemeinsame codebasis nur einseitig optimieren . das resultat dieser einseitigen und sehr architekturspezifischen (pipelinestufen, cachegrößen, etc.) softwareoptimierungen ist, dass diese auf anderen architekturen zwangsläufig suboptimal laufen, also dort gerade das gegenteil bewirken.

frag' doch mal bei maxon wieviele entwickler die mac-version entwickeln...

@johngo - wg. keynotebenchmarks

Von: chris | Datum: 27.06.2005 | #27
ich dachte dein beitrag bezieht sich auf den artikel. :-)

ps: die keynotebenchmarks betrachte ich nur als lustige showeinlage.

@ chris

Von: johngo | Datum: 28.06.2005 | #28
Nein, nein! Ich rede nicht, von den
technischen Spezifikationen der
Systeme, sondern von den angewandten
Vergleichtest von Apple.

Vielleicht habe ich es nicht deutlich
genug ausgedrückt. Steve Jobs schaut,
wo Apple-Systeme gut abschneiden und
strickt sich daraus einen eigenen
Benchtest oder nimmt vorrangig diese,
die der Rechnerplattform besonders
liegen.

Im Prinzip ist dies zwar legitim, aber
als Fachmann muss man da schon
manchmal "schmunzeln". Zum Beispiel
kann ich als EBVler nicht einfach
meine Bildbearbeitung darauf abstimmen,
das ich vorrangig (oder gar nur)
altivecfähige-Filter einsetze. Das ist
halt praxisfremd.


Gruss

johngo