ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3810

Digitalfotographie

Jetzt am Anschlag?

Autor: thyl - Datum: 19.07.2005

Wie Luminous Landscape (eine lesenswerte Website) berichtet, möchte der Hersteller von Digitalrückteilen für Mittelformatkameras "Phase One" ein neues Spitzenmodell mit 39 Megapixeln auf den Markt bringen, für happige 30000 USD (derselbe Preis wie das derzeitige 22 MP Spitzenmodell).

Überschlagsmäßig erreicht der Sensor damit eine lineare Pixeldichte von etwa 140 Punkten pro Milllimeter, in etwa genausoviel wie die Canon EOS 1 D Mark II, oder das Konkurrenzmodell von Kodak. Wenn man mal ein bisschen in den hinteren Gehirnwindungen nach Auflösungen üblicher Objekte kramt, wird man feststellen, das die Linienauflösung vieler dieser Objekte auch bei einem Kontrast von 1:1000 kaum 100 Linien pro Millimeter übersteigt. Während bei analoger Photographie anscheinend bei verbesserten Filmemulsionen auch mit solchen Objektiven noch ein gradueller Qualitätsanstieg zu beobachten ist, scheinen sich Digitalsensoren anders zu verhalten. Wenn die Auflösung des Objekts nicht mithalten kann, macht der Sensor die Backen dick. Und dieser Auflösungswert scheint jetzt langsam aber sicher erreicht zu werden; auch wenn Carl Zeiss teils bis zu 200 Linien pro Millimeter vermeldet.

Damit haben Digitalsensoren jetzt oder sehr bald eine Abbildungsleistungsgrenze erreicht. Eine höhere Auflösung kann nur noch mit höher auflösenden Objektiven erreicht werden. Und die - kosten. Wenn die Preise für Digitalrückteile sinken, könnten die Mittelformatkamerahersteller ihre größere Bildfläche wieder als Argument einbringen, und vielleicht kommt der Tag, wo ein Mittelformatobjektiv nicht mehr kostet als ein Kleinbildobjektiv gleicher nutzbarer Bildinformation für Digitalspiegelreflexkameras.

Kommentare

die goesse macht eben doch

Von: nico | Datum: 19.07.2005 | #1
das format ist entscheidend. und bei dem preis einer digitalen hasselblad ist eben ein objektiv auch locker mit 30.000 zu bewerten. feinste schaerfeverlagerungen sind moeglich. fuer studio und spezialanwendungen sicherlich ne tolle sache.

allerdings gibt es auch einen gegen-trend. so hat man bei diesen aufloesungen auch mit unmengen an daten zu tun. oefter besinnen sich nun die meister aufs notwendige...

@nico

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 19.07.2005 | #2
Epson RD-1, oder?! ;-)

analog vs digital

Von: donfritzl | Datum: 19.07.2005 | #3
hier zwei nette Links zum Schärfen-Auflösungsproblem beim digitalen Fotografieren:

[Link]

[Link]

Scharf sind digitale Bilder schon, aber nur bis zu nem gewissen Auflösungsbereich - dann wirkt der Bildeindruck immer irgendwie seifig. Wenn man natürlich irre riesige Bilder (und die entsprechenden Dateimengen produziert) um kleine Bilder zu reproduzieren geht's irgendwann - vielleicht.

Außerdem hab ich mal gehört, daß die Wellenlänge der einzelnen Lichtfarben dafür sorgt daß das scharfe Bild z.B. des roten Lichts auf einer anderen Schärfenebene als das der anderen Farben liegt und der Chip quasi die unscharfen Bilder der verschiedenen Farben irgendwie interpoliert - au weia...

Fotografie!

Von: struffsky | Datum: 19.07.2005 | #4
Bittte schreibt es mit Doppel-PH oder Doppel-F.
Ansonsten ein interessanter Beitrag. Danke.

Das Problem ist doch…

Von: Dirk (MacGuardians) | Datum: 19.07.2005 | #5
, daß die derzeitigen Objektive jenseits der 22 MP gar nicht mehr die Auflösung abbilden können, die der Chip vielleicht anzeigen könnte. Daher können die Chips noch so doll sein. Solange es keine Linsen gibt, die auch die Abbildungsleistung dafür bringen, ist das rausgeschmissenes Geld… Und spätestens bei Großformat kann Digital gleich die Segel streichen…

Schau'n mer mal was das wird...

Von: donfritzl | Datum: 20.07.2005 | #7
denn ein weiteres Problem der digitalen Bilder ist wie da die Töne in Lichtern abreissen da geht's von nem Ockerton über Rosa ins Gelb - da ist oft keine Kontrastveränderung oder gar Farbveränderung mehr drin. Ich wünschte mir da manchmal 3 Bilder über- unter und "richtig"belichtet um flexibel zu sein.
Für die 30.000 Dollari bekommt man vermutlich ne Hasselblatt, eine kleine Entwicklungsmaschine und nen Diascanner mit dem man nahezu genausoschnell seine Bilder bekommt wie digital.
Und das Auflösungsproblem was auf der Schneider-Kreuznach Seite beschrieben wird hat ja nicht mit der Interpolation zu tun es ist ja mehr das Raster der Chips was die Unschärfen sorgt. Bei feinen Strukturen gibts ganz schnell Matsch. Als da wären Bäume, Gras, Stein, Wände, Haut, Holz usw. das wirkt wenn groß im Vordergrund Irre scharf aber sobald eine gewisse Feinheit unterschritten wird isses eine Fläche ohne Tiefe. Sowas fängt ein Film mit seiner unregelmässigen Kornstruktur scheinbar besser auf. Die Lösung wäre hier vielleicht eine Kornstruktur beim Bildsensor welche mehr Auflösung bei weniger Pixel bringt ...

[Link]

Von: Pitt | Datum: 20.07.2005 | #8
Da gibt es auf der Hardwareseite die Fuji S20 pro(vermutlich ist die Technik auch in den neueren Fuji-Cams drin) die unterschiedlich große Pixel hat.

Die Großen Sensorpixel sind für die dunklen Bildbereiche und die Kleinen für die hellen.
Soll den Dynamikbereich gut aufwerten.

Du kannst das den Dynamikumfang aber auch mit Photomatix erhöhen. Das geht aber halt nur bei ruhigen Motiven und vom Stativ aus.

[Link]

natürlich auch "von Hand" machen.
Das geht sogar mit eingeskannten Vorlagen (in gewissen Rahmen natürlich! ;-)

Zu sehen auf dem "Hochzeitphoto" unter
[Link]

Schönen Gruß

sorry!

Von: Pitt | Datum: 20.07.2005 | #9
der Post ist mir etwas zu schnell abgeschossen.

Dafür weiß ich jetzt, wie ich funktionierende Links in Postings unterbringe.

;-)

PS: gibt es hier keine Korrekturoption?

@Pitt

Von: Dirk (MacGuardians) | Datum: 20.07.2005 | #10
Entschuldige, aber diese merkwürdige Software, die da verlinkt ist, liefert meiner Meinung nach Resultate, für die Fotodesignstudenten im ersten Semester die Hucke vollbekommen würden… Das sieht doch schlimm aus…

Photomatix

Von: Pitt | Datum: 20.07.2005 | #11
kein Wiederspruch von meiner Seite. ;-)

Die Bilder wirken wie gemalt.
Immerhin ist aber der Dynamikumfang gegenüber einem normalen Foto deutlich erhöht.

Natürlich übertreiben die es auf ihrer Site auch (wohl bewußt!) um die Wirkung zu verdeutlichen.

Aber wer sagt denn, daß man es so übertreiben muß?

Die weniger übertriebenen Außenmotive, z.B. das 7. von oben (Gewitterhimmel über Steinhaus) zeigen, wie ich finde, eine sehr interessante, wenn auch immer noch reichlich übertriebene, Dynamiksteigerung der Motive.

Die natürliche Wahrnehmung des menschlichen Auges wird durch den begangenen Weg jedenfalls über die aktuelle Technik hinaus besser nachbildbar.

Was also heute in Software schon existiert, könnte sich also bald in der camerainternen EBV wiederfinden.

Und wie die in der Vergangenheit z.B. beim Weißabgleich, die Moireé-Filterung von Beyersensoren oder auch der Entrauschung von Bulb-Aufnahmen bei hohem ISO-Wert, wird in künftigen Cameras wohl auch die Dynamiksteigerung (hoffendlich etwas dezenter!) realisiert werden.

Wenn das am Ende zu besseren Photos führt soll es mir jedenfalls recht sein, obwohl natürlich wichtig wäre, die Funktion auch abschalten zu können.

Schönen Gruß

Teilweise

Von: tambo | Datum: 21.07.2005 | #12
Teilweise stimmt Deine Argumentation; die Scherben - jedoch auch deren Kontrast sind mittlererweile der Flaschenhals.

Mit der Digitalisierung der Fotografie sind jedoch auch die Ansprüche stark gestiegen; Ein beispiel: allover-Schärfe ist normal, während früher kein Hahn danach krähte.

Denke schon auch, dass die 140 p/mm so ziemlich ne Schallgrenze darstellen; an der Pixelverkleinerung lässt sich auch nicht ewigs rumschrauben; werden die Pixel kleiner, besteht eine ziemliches noise-potential.

Diese Grenze wird jedoch auch die Forschung der Objektivhersteller beeinflussen; oder meinst Du dass Canon tatenlos zuschaut, wie Zeiss, Leica oder andere Hersteller auf dem Canon-Flagschiff immer mehr Verbreitung findet? - Die Preise dieser nicht mehr gebauten Scherben haben in den Staaten schon um 500 % angezogen....

Fahre selbst auf der 1Ds-2 nicht weniger als 5 dieser Fremdobjektive, die Aufnahmen lassen ein 6/7, 6/9 auf der Sinar schon stehen, auch mit nem Trommelscan. Und: - die meisten Grossformatobjektive lösen weniger auf als die Mittelformate, resp sehr guten KB-Scherben.

Photomatix:
Die gezeigten Beispiele sind ja nur Zwschenresultate; die lassen sich jedoch anpassen. HDR gibts ja auch in PS-CS-2, verwende es mit Erfolg.