ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 382

HP und Compaq: Stimmenzählen bis St.Nimmerlein

Die Fusion darf nicht scheitern - tut sie es?

Autor: bh - Datum: 23.03.2002

Vergangenen Dienstag stimmten die Aktionäre von Hewlett-Packard und Compaq über die Fusion ab. Zwei erbitterte Parteien standen einander gegenüber: einerseits die HP-Chefin Carly Fiorina, die den Deal eingefädelt hatte und als die Krönung ihrer Karriere sieht - andererseits der Sohn von Firmengründer William, Walter Hewlett. Die Familien Hewlett und Packard stehen beide gegen den Zusammenschluß, für sie ist Compaq bloß ein abgewrackter Computerhersteller und HP ein lukrativer Druckerhersteller. Gemeinsam verfügen die Nachkommen der Gründer noch über 18% der Aktien, sie konnten aber viele Kleinaktionäre auf ihre Seite ziehen - das Match entscheiden aber wohl die institutionellen Anleger. Eine Menge Aktien liegt in Fonds, und so könnten einmal mehr die Banken das Zünglein an der Waage sein. (Genau die Banken teilweise, die Compaqs Kredite besichert haben und deshalb tendentiell eher für die größte Fusion der Computergeschichte sind.) Die Stimmen werden gezählt, ein Endergebnis ist aber erst in Wochen zu erwarten - offenbar kommt dieses lustige System zur Anwendung, das schon 2001 viel Konfetti erzeugt hat und George Walker Prezel Bush zum Präsidenten gemacht hat.
Es klingt wie eines der modernen Märchen: Sohn des Firmengründers kämpft gegen die Abzocker, die das Erbe seines Vaters zu Tode fusionieren wollen. Natürlich verkaufen sich solche Geschichten wunderbar, nicht umsonst sind auch über Steve Jobs fulminanten Abgang bei Apple Dutzende Bücher geschrieben worden - dann die triumphale Rückkehr, aber ohne "Gedenke - Du bist nichts als Staub"-Mahnung im Hintergrund. Es geht Fiorina und Hewlett vor allem um Macht und Geld, mehr nicht. Hewlett glaubt an die glorreiche Zukunft mit dem Kerngeschäft der Drucker - und man muß sagen, das Unternehmen stellt wirklich tadellose Dinger her. Fiorina sucht ihr Heil im aufkaufen eines "me too"-PC-Herstellers, und der Zeitpunkt war gut gewählt - Respekt, niemand hatte mit diesem Coup gerechnet. Warten ist nun angesagt, die Compaq-Aktionäre (die wissen, wieso sie für den Deal stimmen) haben Mittwoch ihre Versammlung abgehalten - mal sehen, ob Wahltag wirklich Zahltag ist. Rollt die zuletzt etwas ins Stocken geratene Fusionswelle weiter oder schwingt sich gar Verwaltungsratsmitglied Walter Hewlett zum Chef auf?

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