ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 39

Freiheit für den Explorer! Abmahn-Abzockerei erleidet herben Rückschlag

Günni hat wie's aussieht verloren...

Autor: kai - Datum: 31.07.2002

Wie hier (oder hier vom Meister (rechts im Bild) selbst!) zu lesen ist, hat der Alptraum eines jeden Webmasters und die juristische Farce um die Marken-Abmahnerei offensichtlich endlich ein Ende: Das Deutsche Marken- und Patentamt hat heute die deutsche Marke 'Explorer' wegen "Bösgläubigkeit" gelöscht, die baldige Löschung der gleichnamigen EU-Gemeinschaftsmarke ist so gut wie sicher (Vorsicht! Noch ist die Löschung noch nicht rechtskräftig!). Für alle, die die letzen paar Jahre in irgendwelchen Bergdörfern verbracht haben: Dank des netten Herrn Günther Dörr (besser bekannt unter seinem Künstlernamen Günther Freiherr von Gravenreuth) und seinem lustigen Kasperleverein Symicron (einer sehr mysteriösen Firma, deren Webseite kaputte Bilder hat, illegalerweise kein Impressum und von deren Softwareprodukten scheint's auf der ganzen Welt kein einziger User zu finden ist!) war es in den letzten Jahren unmöglich, auf irgendeine Seite zu verlinken die mit irgendeinem Softwareprodukt zu tun hat, das den Namen "Explorer" -oder eine Abwandlung dessen- trägt (ausgenommen der Windows- und Internet Explorer, angeblich "Lizenznehmer"!). Leute, die dies unwissenderweise getan haben (wie z.B. Stefan Münz, der Autor des beliebten SelfHTML, das in seinem Anhang über geeignete Tools u.a. auf den FTP-Explorer der Firma FTPx verlinkt!), sahen sich mit Abmahnschreiben konfrontiert, die die Zahlung eines saftigen Betrags wegen des Links forderten, andernfalls würde man vor Gericht seine "Namensrechte" einfordern! Eine grosse Angst machte sich im deutschen Web breit wegen beliebigen Links abgemahnt zu werden, denn Gravenreuth zog Nachahmer nach sich, z.B. in der Sache "webspace", daraufhin wurde die Initiative "Freedom for Links" gegründet, die diesem hinterlistigen Missbrauch von Rechtslücken einen Riegel vorschieben sollte.
Der nicht-ganz-so-adlige Herr aus München ist kein unbeschriebenes Blatt: Anfang der 90er verschickte er Briefe an alle Adressen, denen er in Kleinanzeigen habhaft werden konnte unter dem Pseudonym "Tanja Nolte-Berndel" (und viele Alternativnamen), in denen ein vermeintlich junges naives unschuldiges Mädel (mit Foto & Schreibfehler!) darum bat, ihr doch ein paar raubkopierte Spiele (bevorzugt von Electronic Arts, der damaligen Mandantin von Günni!) zum Tauschen zuzuschicken. Die Zielgruppe dieser rechtlich und v.a. moralisch mehr als zweifelhaften Aktion waren vornehmlich Kinder im Schulalter, deren Eltern mangels besserem Wissen die ca. 4000 Mark Abmahngebühr, die dafür fällig waren fast immer bereitwillig zahlten!
Tja, er ist eben ein echtes Aushängeschild für den Berufsstand des Anwalts! Angesichts solcher Leute sieht man die Vorurteile gegenüber dem Anwaltsberuf leider auf deutliche Art bestätigt... Wie gut, dass der Alptraum jetzt wohl ein Ende hat und dass es manchmal eben doch noch Gerechtigkeit gibt...

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