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ARCHIV :: # 40

Neuer Apple-Vertrag wohl doch nicht der Weltuntergang

Hat Bert aus der Hüfte geschossen?

Autor: kai - Datum: 31.07.2002

Ich spiel jetzt mal den Advocatus Diaboli für Bert, denn ich finde, die mittlerweile neu erschienenen Artikel, die Apples neuen Händlervertrag zum Thema haben müssen auch berücksichtigt werden. So ist z.B. bei Heise folgendes zu lesen: "Insgesamt begrüßen die von uns befragten Händler mehrheitlich die neuen Margen-Bestimmungen und sehen sie auch als Chance für kleinere und kompetente Apple-Händler.". Die MacWelt geht sogar noch einen Schritt weiter und titelt gleich "Apple-Händler wertet neue Verträge positiv"...
Mir fehlt zugegebenermassen Berts sehr umfangreiches Hintergrundwissen zum Thema, deshalb kann ich nur damit arbeiten, was ich selbst hier zu lesen habe, aber eines scheint klar: Kein Händler scheint die Verträge jedenfalls als so extrem schlimm anzusehen. Im Gegenteil: Wenn man genau liest, sind u.a. Passagen enthalten, die genau dem entsprechen, was wir (und v.a. Händlerspezialist Bert! ;-) wollten. Nehmen wir's uns mal anhand des Heise-Artikels konkret Punkt für Punkt zur Brust:
1) Das Punktesystem halte ich z.B. für eine tolle Sache: Händler können Punkte sammeln, wenn sie gewisse Kriterien erfüllen, und diese Punkte werden zu Preisnachlässen beim Einkauf von Macs umgemünzt! Die Händler, die sich ins Zeug legen werden belohnt, ich wüsste jetzt echt nicht, was man daran jetzt kritisieren sollte.
2) Ab 4 Mio Euro Umsatz sinkt der Schlüssel, d.h. nur kleinere Händler werden von dieser Regelung begünstigt. Find ich gut!
3) Subventionierung über Marketinggelder ist in Zukunft nicht mehr umsatzabhängig, sondern wird auf der Qualitätsbewertung des Händlers basieren. D.h. soweit ich das verstehe, dass der kleine Händler genausoviel Zuschüsse in Marketinggeldern (gemeint ist hier wohl Werbung, Promo-Aktionen u.ä.) kriegen kann wie ein Cancom oder Gravis! Absolut okay würde ich sagen!

Sicherlich sind ein paar Kritikpunkte noch geblieben, v.a. der schwerwiegendste: Wie's aussieht bleibt die Situation mit Cancom und ihren Sonder-EKs bleibt weiterhin bestehen. Aber hier ist auch Vorsicht angesagt, so wurde mir z.B. von einem Fall berichtet, bei dem einem Händler, der sich lautstark über die Sonderkonditionen für Cancom und darüber, dass diese die Margen kaputtmachen würden beschwert hat Cancom-ähnliche Konditionen eingeräumt wurden. Er hat die besseren EKs dann aber daraufhin dazu genutzt, seine Macs auch zu Cancom-ähnlichen Preisen zu verkaufen! Und das kann ja wohl nicht Sinn der Sache sein und riecht ganz übel nach "Wasser predigen - Wein trinken"!

Der Passus, der Bert besonders übel aufgestossen ist mit den unangekündigten Ladeninspektionen und dem Einblick in die Buchhaltung ist auch sicherlich einer, den man sicherlich sehr misstrauisch beäugen muss. Jedoch gebe ich auch hier ein paar Dinge zu bedenken:
1) Apple-Händler sind ja schon per Definition nie von Apple unabhängig. Somit finde ich es nicht so schockierend, dass Apple sich Sonderrechte rausnehmen will. Berts Vergleich mit Redmond zieht meiner Meinung nach nicht, denn die Razzien, die Redmond so durchführt oder die netten Briefchen mit der Aufforderung zum Lizenznachweis, die sie in der Welt herumschicken beziehen sich alle auf normale Endkunden, nicht auf Firmen, die sich freiwillig bereitentschlossen haben, zertifizierter Teil des M$-Imperiums zu werden! Was M$ seinen MSDN-Mitgliedern, MCSE-Solutionprovidern etc. für Post schickt und ob die da unangekündigt auf der Matte stehen interessiert unterm Strich wirklich keinen (nichtmal mich, und das will was heissen! ;-)
2) Im Franchise-Bereich (z.B. McDonalds) ist es durchaus üblich, unangekündigte ‹berprüfungen zu machen, um einen gewissen Qualitätslevel halten zu können. Die strikt rechtliche Definition mag eine andere sein, aber zertifizierte Apple-Händler sind für mich nicht so arg weit von Franchise-Konzepten entfernt!
3) Wenn Apple dies wirklich dazu missbrauchen sollte, um die Händler als Mittelsmänner auszuschalten und direkt auf die Endkunden zuzugehen, dann wäre die grüne Seite hier die erste, die laut Zeter und Mordio schreien würde, da könnt ihr euch aber todsicher sein! ;-) Und wir wären da wohl nicht alleine! Bei diesem Thema fällt mir ein: Ist eigentlich überhaupt ein Fall bekannt, bei dem Apple Deutschland direkt an Endkunden Lösungen verkauft hat? Ihr wisst schon: Lösungen, z.B. komplett installierte Klassenräume u.ä., also alles, womit die Händler so ihr Geld verdienen (Macs alleine kann man ja schon seit geraumer Zeit direkt bei Apple im Applestore kaufen!). Mir fällt da nämlich nichts ein, und deshalb frage ich mich, worauf sich diese Angst denn nun gründet?! Mal ganz nüchtern betrachtet hat Apple Deutschland alleine doch auch gar nicht die Ressourcen um da den nötigen Support zu gewährleisten.
Eine ähnliche Aussage macht übrigens auch der Topmedia-Manager im oben erwähnten MacWelt-Interview...

Fazit: Ich finde, Bert hat sich nur die negativen Dinge rausgepickt und darauf seinen ganzen Artikel aufgebaut! Dies wird der ganzen Sache jedoch nicht gerecht! Siehe Pro-Argumentation oben!

P.S.: Wie gut, das nachts keine Sonne scheint und die Bäder geschlossen sind! ;-)

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