ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 4063

Das Internet ist überall

Nachwuchs im iLeben

Autor: kawi - Datum: 11.01.2006

Was während Steves Keynote am wenigstens überrascht hat, dürfte die Vorstellung der neuen iLife'06 Suite gewesen sein. Allein die Namensgebung der letzten Version ließ drauf schließen, dass diese Programmsammlung wohl im Jahresrhytmus aktualisiert wird. Wie auf diversen Gerüchteseiten schon gemunkelt wurde, hat iLife Nachwuchs in Form von iWeb bekommen. Neben den neuen Versionen von iPhoto, iMovie, GarageBand und iDVD also ein WYSIWYG Editor, der es in der gewohnten Programmstruktur der iApps ab sofort jedem DAU ermöglicht, seine Bilder, Podcasts und Blogs oder sonstige Ergüsse im Web auf .mac zu veröffentlichen. Im Grunde erscheint iWeb nur logisch in der gesamten Suite, weil es die noch fehlende Lücke schließt, mit der man seine erstellten Inhalte auch publizieren kann. Und welches Medium ist anno 2006 zum publizieren verbreiteter als das Internet?
Allerdings scheint dieses iWeb komplett nutzlos zu sein, wenn man kein .mac hat. Die während der Keynote vorgestellten Funktionen setzen jedenfalls für eine Veröffentlichung offenbar zwingend .mac vorraus.
Zwar umschreibt Apple das auf seiner Produkt Seite geschickt mit "Umständliches Konfigurieren, Hosting-Gebühren und ähnliche Probleme können Sie getrost vergessen.", der Nachteil ist jedoch auch, dass man .mac ebenso bezahlen muß, um die Funktionalität vin iWeb zu nutzen. Zwar wäre jetzt das eine auch ein Kaufgrund für das andere, aber nicht für jeden macht .mac zwingend Sinn. Wer schon irgendwo ein kleines bisschen Webspace zur Verfügung hat, oder gar eine eigene Domain betreibt, wird kaum nur aus diesem Grund zu .mac greifen, zumal ein FTP Transfer von Daten auf eigenen Webspace nicht weniger kompliziert erscheint.
Vielleicht kommt es aus diesem Grund für Karelia Software nicht ganz so hart wie befürchtet. Der Entwickler des Tools Watson hatte nämlich schon einmal das nachsehen, als Apple seinerzeit mit Sherlock ein im Prinzip ähnliches Programm fest ins OS integriert hat. Diesmal, so scheint es, sollte sich die Geschichte wiederholen. Karelia tüftelt seit einiger Zeit an Sandvox, einem einfachen, an die iApps angelegten, Webeditor, der es mit wenigen klicks und einem Schwung eigener Templates ermöglicht, sich schnell eine eigene Website zu basteln. Offenbar etwas in Panik wegen der kreisenden iWeb Gerüchte hat Karelia Software nun gestern noch eine kostenfreie Vorabversion von Sandvox veröffentlicht, welche aber den kleinen Vorteil hat, das man damit jeden beliebigen Webspace "befüllen" kann.
Ich denke, sobald die ersten iLife'06 Pakete ausgeliefert sind, werden wir nochmal einen ausführlichen Blick auch auf iWeb werfen um einen besseren Einblick in das Konzept der Software zu bekommen. Wer weiß, vielleicht gibt's ja doch die ein oder andere Möglichkeit dem Programm .mac unabhängige HTML Dateien zu entlocken. Dieser sich androhende, extreme Zwangsverbindung lässt in mir jedoch vorerst starke Skepsis ob Sinn und Nutzen dieser neuen Software im iLife Paket aufkommen.


Anders als Garageband 3, welches mit einem integriertem Podcast Studio einen extremen Mehrwert erfährt und auch weitere neue Audiowerkzeuge enthält. Bisher eigentlich nur für Leute interessant, die sich zu Hause mit dem Musizieren beschäftigen, erschließt sich GarageBand nun eine weitere Klientel und wird sich, ob der neuen Funktionen, sicher bald (noch) mehr Aufmerksamkeit als bisher erfreuen dürfen.



Mit der einfachen Zusammenarbeit u.a. auch mit iWeb bleibt jedoch zu befürchten, dass in naher Zukunft mit einer neuen Schwemme von Podcasts zu rechnen ist. Schon jetzt fällt es schwer in der Masse der Podcasts den Überblick zu behalten, mal ganz abgesehen davon, in dem Übermaß an Angeboten auch noch wirklich qualitativ ansprechende, oder gar hochwertiges zu entdecken. Ich fürchte mit einer Qualitätssteigerung im einzelnen ist ob der Massenkompatiblen Erstellungsmöglichkeit, die iLife 06 bietet, kaum zu rechnen.


Auf iPhoto 6 liegen wohl (wiedermal) die größten Erwartungen der iLife Nutzerschaft. Zwar hat bereits die Vorjahresversion schon einen großen Sprung gemacht was die Nutzbarkeit betrifft, jedoch musste sich iPhoto immer wieder im direkten Praxisvergleich beispielsweise Tools wie iView Media geschlagen geben. Vor allem bei größeren Bildbeständen war es, vor allem auf älteren Rechnern schnell vorbei mit der geschmeidigen Performance. Da iPhoto 6 jetzt die Verwaltung von bis zu 250 000 Fotos unterstützen soll, liegt es nahe zu vermuten, dass hier Leistungsbezogen deutlich mehr zu erwarten ist, als nur eine neue Versionsnummer. Erste Ausblicke auf das Programm während der Keynote sind vielversprechend und der Vollbild Editor macht wirklich neugierig auf mehr.



Zudem wurde das Programm um die Möglichkeit zum erstellen von Kalendern und Karten aufgewertet. Auch bei den Möglichkeiten zum optimieren und bearbeiten von Bildern scheint iPhoto zugelegt zu haben und verfügt zudem mit Photocasting über eine gänzlich neue Funktion, die es ermöglicht seine Fotosammlung mit anderen zu teilen und sie über .mac zugänglich zu machen.


Auch iMovie 6 überrascht mit neuen Möglichkeiten. Nach der HD Implementierung im Vorjahr, hat Apple das Programm jetzt um diverse Themes erweitert. Diese erlauben es, schicke Titelanimationen und Sequenzen samt neuen Effekten in seine Projekte zu integrieren. Auch hier gab's eine kurze aber viel versprechende Preview. Zudem kann man in iMovie 6 jetzt auch mehrere Projekte gleichzeitig geöffnet halten und das Programm scheint in Sachen Audio Optimierung (Rauschunterdrückung, Equalizer) ebenfalls gänzlich neue Möglichkeiten hin zu gewonnen zu haben. Zusammen mit iPhoto wahrscheinlich das Programm, das den größten Sprung nach vorn gemacht hat. Jedenfalls den ersten Eindrücken nach zu urteilen. Natürlich ist auch hier die Einbindung in die neuen Apps inkl. iWeb gegeben, so das man Filme bequem an iWeb zum erstellen von Videopodcasts übergeben kann.


iDVD, als letztes der nicht frei downloadbaren Programme im Bundle, schließt hier an. Zwar muss ich beim lesen, der von Apple angepriesenen Erstellung von "kinoreifen Heimvideos" immer noch schmunzeln, aber Marketing ist eben alles. Natürlich ist iDVD ein schickes Programm für den Heimanwender. In Version 6 ist nun auch die Erstellung von Breitformat DVDs möglich, neue Themes gibt's ebenso wie mit "Magic iDVD" eine neue Funktion, die einen ähnlichen Automatismus zum erstellen von DVDs bereitstellt, wie schon Magic iMovie in der Version 5 von iMovie. Eine essentielle, von Steve nur nebenbei erwähnte, Funktion erntete allerdings während der iDVD Vorstellung im Moscone-Center den größten Applaus und dürfte auch die Anwenderschaft am meisten erfreuen: iDVD unterstützt jetzt auch per default DVD-Brenner von Drittanbietern. Die Bindung an Mac Produkte, die mit der Schlinge um iWeb & .mac zwar einerseits etwas fester gezogen wurde, wurde hier erfreulicherweise gelockert. So kann man in Zukunft wohl bedenkenlos auch mit Macs ohne Superdrive direkt aus iDVD heraus brennen, ohne den Umweg über das Sichern von Disk Images gehen zu müssen.



Bleibt abzuwarten wie sich iLife 06 in der Praxis präsentiert. Dann wird es hier auch sicher genaueres und detaillierteres zu lesen geben. Die Systemvorraussetzungen sind jedenfalls auf den ersten Blick nicht gestiegen und so reicht für iDVD nach wie vor ein 733Mhz G4, was die Hoffnung auf diverse Performanceverbesserungen nährt.
Alles in allem ist iLife wohl ein Paket, welches mit all seinen Neuerungen einen größeren Sprung zu seinen Vorgängerversionen verspricht, als in der Vergangenheit der Fall. Eine größere Runderneuerung in Details hat den ersten Previews zu Folge auch die Oberfläche erfahren.
Nun ist also wiedermal das ungeduldige Warten auf den DHL Mann angesagt.

iLife 06 ist für 79 € einzeln erhältlich und liegt, wie gehabt, jedem neuen Mac gratis bei.

Kommentare

Der Joe-Cartoon Video-Podcast

Von: FuckinNick | Datum: 12.01.2006 | #1
ist sehenswert

Ich habe mir bisher weder

Von: MichaelK | Datum: 11.01.2006 | #2
einen Podcast noch einen Blog angesehen. Wer braucht so etwas? Oder ist das was für Leute, die selbst mit Big Brother noch nicht genug Einblicke in andere Privatsphären haben? Gibt es nichts wichtigeres, vielleicht ein gutes Buch? Und damit meine ich hier mal kein iBook!

Steht auch im Kleingedruckten

Von: Pt | Datum: 11.01.2006 | #3
Auf Apples iLife-Seiten steht bei iWeb unter 1-Click-Publishing to .Mac:

iWeb publishing requires Internet and webserver access (.Mac recommended).

geht wirklich auch ohne .mac

Von: Mario Berluti | Datum: 11.01.2006 | #4
... ja so ist es ... iWeb funktioniert auch ohne .mac ... .mac wird nur empfohlen ... siehe Originaltext auf der Apple-Seite

".Mac ist für die Veröffentlichung von iPhoto Photocasts erforderlich und wird für iWeb empfohlen, hierfür fallen Gebühren an. Es gelten die Nutzungsbestimmungen."

ciao
mario

Photocasting.....

Von: LoCal | Datum: 11.01.2006 | #5
.... ist eigentlich auch ne Konkurenz zu flickr...

Ein Glück!

Von: RA | Datum: 11.01.2006 | #6
Ansonsten wäre es echt etwas unfair, wenn man sich für 80€ iLife kauft und zur vollständigen Funktionalität jedes Jahr 100 draufsetzen müsste

iWeb auch ohne .mac

Von: jan303 | Datum: 11.01.2006 | #7
auch ich habe das glück bei dieser macworld dabei zu sein. habe heute nachmittag mal einen der netten leute am apple stand gefragt und siehe da: iweb bietet sowohl "publish to .mac" als auch "publish to folder" an, damit steht einer veröffentlichung auf den eigenen webspace wohl nichts im wege... eben mit einem freeware ftp prog hochgeladen und fertig.