ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 4171

Satellitennavigation bringt 36 Mrd Euro

Von der geschickten Mischung der Tatsachen

Autor: thyl - Datum: 15.03.2006

Wie de.internet berichtet, hat unser Verkehrsstaatssekretär Jörg Hennerkes eine Wachstumsprognose für die Satellitennavigation zitiert, die ein Marktvolumen von 36 Mrd. Euro für das Jahr 2014 erhofft. Der Staatssekretär sprach übrigens auch von Zukunftsperspektiven für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo, und von dessen Vorteilen.

Was der Staatssekretär vergaß zu erwähnen, ist, wie sich die Betreiber und die EU-Staaten vorstellen, auch nur einen Euro von diesen 36 Mrd. für Galileo zu erobern. Die Aussage erweckt nachgeradezu den Eindruck, als wenn man mit Galileo 2014 36 Mrd. Euro Umsatz generieren könnte. Derzeit liegt allerdings der Marktanteil von Galileo noch bei 0 %, der des amerikanischen GPS bei 100. Die zitierten Vorteile von Galileo wird GPS in einigen Jahren wohl auch bieten können, und es ist für alle Anwender kostenfrei, was bei Galileo nicht der Fall sein soll.

Kommentare

Na da bin ich ja gespannt...

Von: MacJunkie | Datum: 15.03.2006 | #1
... dass das Pentagon zentimetergenaue Positionierung für jedermann umsonst hergibt und das auch bei Kriegszeiten ... :-)

Ha

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 15.03.2006 | #2
Die amerikanische Wirtschaft (Luftfahrt, Transport) und die GPS-Hersteller sind mittlerweile so wichtig, dass das Pentagon genau die Genauigkeit liefern wird, die nötig ist, um Galileo Paroli zu bieten. Und Du glaubst nicht wirklich, dass die USA es akzeptieren würden, wenn zu Kriegszeiten das Navigationssystem der Verbündeten dem Feind genaue Positionsdaten liefern könnte. Das war doch vor einiger Zeit schon in der Diskussion.

soweit ich weiß

Von: neu | Datum: 15.03.2006 | #3
gibt es eben diese klausel, daß im "ölbefreiungsfall" eben genau wie bei gps auch galileo an plötzlicher unschärfe leidet.
ich hatte mich damals schon aufgeregt, daß die amis die kontrolle behalten.
aber das ist ja immer so bei kolonien(europa)

Sorry

Von: eribula | Datum: 15.03.2006 | #4
@thyl
Das ist doch Quatsch. Ich weiß beispielsweise von Unis die eben diese Genauigkeit für archäoligische Ausgrabungen extrem teuer einkaufen müssen und das nicht nur in Kriegszeiten. An der Uni Frankfurt (die ist es glaub ich ... aber egal) hat man sogar extra eine Methode entwickelt um den Verschlüsselungsmechanismus der Amis zu knacken ....
Also von dem was Du da sagst müsstest Du mich schon durch offizielle Regierungsstatements überzeugen. Anonsten nehm ich Dir das in Zeiten des Kriegs gegen den Terror etc. einfach nicht ab, sorry. Ich persönlich sehe eine klare Marktchance für Galileo, bin sogar überzeugt, dass wir hier neben der Luftfahrtindustrie einen neuen Bereich haben, in dem Europa zum Weltmarktführer aufsteigen könnte.

Potente Deppen

Von: exi | Datum: 15.03.2006 | #5
Sicher denkt Jörg Hennerkes an einen Lizenzverkauf. Für die UMTS-Lizenzen hat man seinerzeit ja auch potente Deppen gefunden. ; )

eribula

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 15.03.2006 | #6
Bezieht sich das teuer Einkaufen auf die Geräte, oder müssen Lizenzen an das Pentagon abgeführt werden?

Kann das Galileo-System ohne spezielle Maßnahmen eine Genauigkeit im Zentimeter-Bereich erreichen, oder muss man da auch friemeln? (ernste Fragen, ich weiß es nämlich nicht)

Ich würde mich ja auch freuen, wenn es klappen würde und sich ein eigener Markt um Galileo etablieren könnte. Aber selbst dann bin ich skeptisch, ob bei diesem europäische Firmen groß mitmischen würden, da US-Anbieter technisch einfach mehr Erfahrung haben.

Alles Falsch

Von: Bernhard Nahrgang | Datum: 15.03.2006 | #7
Der eigentliche Grund für die Entwicklung von Galileo ist der Verkauf von Waffen!

Heute kann man keine Waffen ohne Ortungsysteme mehr verkaufen, und eine Abhängigkeit des europäischen (und speziell des französischen) Waffenmarktes vom amerikanischen GPS war einfach nicht mehr hinnehmbar.

Und was die 36 Mrd Umsatz angeht... das ist nur ein Bruchteil dessen was im Waffenmarkt umgesetzt werden wird.

GPS

Von: dermattin | Datum: 15.03.2006 | #8
...dient den Amis dazu, uns auszuspionieren, andere Länder effektiver zu überfallen und als Druckmittel, jederzeit den Knopf drücken zu können.

Man sollte alles mögliche tun, um von diesem Staat unabhängig zu werden.

Lizenzgebühren

Von: eribula | Datum: 15.03.2006 | #9
Mein damaliger Prof (Kartographie) sprach von Lizenzgebühren. In GPS ist ein Ungenauigkeitsfaktor eingebaut, der sich zusammen mit der entsprechenden Verschlüsselung täglich ändert. Wissenschaftliche Arbeit (und das Navigieren von Raketen etc.) wird dadurch natürlich unmöglich. Für die normalen Heimanwender reicht die Genauigkeit von GPS gerade so aus. Meines Wissens soll sich das mit Galileo ändern, da das System auf den kommerziellen Betrieb ausgelegt ist. Natürlich werden dafür auch Lizenzgebühren fällig werden, aber ich gehe mal stark davon aus, dass man sich im Konsortium durchaus der Konkurrenz zu GPS bewusst ist und entsprechende Angebote machen wird ... ich bin jedenfalls überzeugt, dass das System Erfolg haben wird (und hoffe nach Ariane, Airbus und Galileo auf weitere derartige Investitionen des Staates die darauf abzielen Gewinne zu erwirtschaften).

paranoia everywhere

Von: Pik | Datum: 15.03.2006 | #10
der Meinung bin ich auch, dermattin.
hab da mal einen Bericht auf Galileo ( die Sendung) zum Thema GPS und Amerika gesehen. Muss man ja Paranoid werden.

Danke

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 15.03.2006 | #11
für die verschiedenen Argumente. Habe etwas dazu gelernt. Leider ist damit der Artikel ein bisschen ein Flop, wofür ich m ich bei den LEsern entschuldigen möchte.

Na, Hauptsache, wir haben darüber geredet...

Lizenzgebühren fallen m.W. auch für GPS an...

Von: Kabe | Datum: 16.03.2006 | #12
... das ist also nix Neues. Die Gerätehersteller haben nur Skrupel, jetzt doppelt zu zahlen, daher die Klagen...

Wer übrigens für Vermessungszwecke GPS verwenden will, erreicht heute schon mit Differential-GPS Genauigkeiten im cm-Bereich.

Kabe

Es ist auch immer eine Gratwanderung dem

Von: Hrusty | Datum: 18.03.2006 | #13
Lobbyismus auf die Spur zu kommen- oder eben auch nicht....