ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 42

Händler: der Krug geht so lang zum Brunnen...

Grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr

Autor: bh - Datum: 27.07.2002


Vielen herzlichen Dank an die Leser, die nicht verstehen konnten, wieso auf MacGuardians noch nichts über die neuen Händlerverträge steht. Ganz einfach: Lassen wir doch mal allen Kollegen den Vorsprung, denn wo das Händler-Thema immer wieder aufgekocht wurde, wissen wir alle. Für manche sind es Headlines, für manche sind es Inhalte... aber manche sind auch Freaks, und manche wollen nur Geld verdienen. So oder ähnlich ist es nun einmal auch mit Apple.

Wir sollten uns tatsächlich abschminken, daß dort Leute sitzen, die was von uns normalen Anwendern halten. Wir sind gut, wenn wir in leicht lenkbaren Lemminghorden lechzend den AppleStore leerkaufen und "switch switch switch" brabbeln. Interessante Kundschaft sind wir ab einer bestimmten installierten Basis von Geräten, einer Anzahl von Lizenzen für sauteure Software und einem mit freiem Auge erkennbarem Masochismus. Apple pfeift seit geraumer Zeit auf seine Anwender - und kommt mir jetzt nicht mit "Aber Apple hat zugehört - in Jaguar sind viele Anregungen der User verwirklicht". NA UND? Wenn wir jetzt schon für Apple die Betatester spielen dürfen, dann soll man es dem Unternehmen noch hoch anrechnen, daß es gute Ratschläge NICHT in den Wind schlägt?

Ich schweife vom Thema ab. Es gibt also neue Verträge für die Händler - gut. Apple hat in der Vergangenheit - nach meiner Meinung - jene begünstigt, die den Markt abfischen. Jeder Versandhändler war Apple lieber als ein kleines AppleCenter. Schneller Umsatz, den man Paris oder Cupertino vorweisen kann, das zählt. Darunter hat leider der Marktanteil gelitten - relativ klar, mit einem Versandhauskatalog überzeugt man niemanden vom Mac, sonst gäbe es ihn längst bei Quelle & Otto. Wer in den kritischen Jahren (ach die beschissenen 90er) zum Mac gestanden hat, das hat Apple vergessen. Wer den Markt aufbaut und Kundenberatung macht, das hat Apple vergessen. "Macht doch euer Geld mit Support & Beratung", tönt es immer. Weiß Apple, wieviele Kunden sich beim Händler beraten lassen, um dann doch bei jenem Versender zu kaufen, der Gerüchten zufolge schon Distributorkonditionen hat? Weiß Apple, wieviele Geräte man verkaufen muß, um sich erstmal ein Demogerät leisten zu können?

Apple ist das Unternehmen, daß sich von seinen eigenen Händlern Werbematerial abkaufen läßt. Apple ist das Unternehmen, das von Demogeräten nichts wissen will - und daher selbst beim genialen Konzept von wireless classroom schon mit 30 verkauften Stück glücklich sein muß. Dieses herrliche Unternehmen hat also neue Händlerverträge vorgelegt.

Nur auf Englisch. (Zur Internationalisierung)
Unter eleganter Umgehung des deutschen Rechtes. (Zur Standardisierung)

Soll ich jetzt zum Inhalt noch etwas sagen? Zu der Möglichkeit, eine unangesagte Kontrolle jederzeit bei einem Händler durchzuführen und seine Bücher einzusehen? Einige verteidigen das Vertragswerk bereits damit, daß ja unsicher sei, ob diese Klauseln tatsächlich eine Auswirkung hätten und man nicht wisse, ob sie je zur Anwendung kämen. Verhenkerte Schoisse! (Zitat "Ubu roi, Alfred Jarry, lest Freunde, LEST)

Als ob es darauf ankommt, ob jetzt wirklich die spanische Inquisition einmarschiert - allein der Versuch so etwas einzuführen riecht nach Redmond. Beruhigen wir doch schnell die Lage, bevor es Wirbel gibt. Nur keine Wellen - so scheinen manche zu denken, und nicht nur die Apple Deutschland Führung. Ich habe noch nie in drei Jahren MacGuardians so viel Post bekommen - und ermunter die Leserschaft weiterhin, ihre Meinung kundzutun. Schreiben Sie uns ein Mail oder posten Sie einen Kommentar, nutzen Sie das Forum und schreiben Sie direkt an Apple. Weitere Berichte über die neuen Händlerverträge lesen Sie bei MacGadget und MacNews. Man kann garnicht so viel fressen, wie man KOTZEN möchte. Mit dieser Aktion will Apple den Marktanteil steigern? Wohl eher mehr Durchgriffsmöglichkeiten auf unbotmässige Händler, und das steigert sicher den Marktanteil. Mahlzeit!

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