ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 424

ICANN: Wahl im Herbst abgewürgt

Vielleicht ist das Web demokratisch, die ICANN ist es nicht

Autor: bh - Datum: 15.03.2002

Wie wir von Onkel Heinz erfahren müssen, hat der Vorstand der ICANN bei seiner Sitzung mit 14 gegen 1 bei 2 Enthaltungen die Beseitigung der geplanten Online-Wahlen beschlossen. Für Herbst 2002 war eine zweite Runde der Wahlen für ebendiesen ICANN-Vorstand geplant gewesen - die aktuellen Amtsinhaber haben aber diesen Weg nun versperrt. Wörtlich hießt es: "bezweifeln wir Fairness, Repräsentativität, Aussagekraft und Finanzierbarkeit globaler Online-Wahlen durch eine leicht manipulierbare Menge selbsterklärter und kaum verifizierbarer Wähler". Finanzierbar war es wohl, jeder mit einer Mailadresse konnte sich registrieren und später wählen. Natürlich geht es aber auch weiterhin um "sinnvolle und informierte Beteiligung der Nutzer". Das entsprechende Komitee der ICANN wird bis Mai ausarbeiten, wie die Führung der Organisation künftig aussehen soll, entschieden wird auf der Sitzung im Sommer in Bukarest. Die ICANN ist die Organisation, die über die Regulierung der DNS entscheidet, top-level domains einrichtet usw. Eine Entmachtung der Benutzer war zu erwarten bei einem Umfeld, daß schon über die Wahl des CCC-Chefs Andy Müller-Maguhn nicht erfreut war. Wirklich enttäuschend ist aber, daß nicht einmal die fünf von den Benutzern gewählten Direktoren geschlossen gegen die Beseitigung der Wahlen gestimmt haben. Ob für diese schon gewählten Direktoren in "ICANN 2.0" noch Platz sein wird, bleibt abzuwarten - aber die Qualität ihrer Vertretungsarbeit muß angesichts dieser Entscheidung wohl angezweifelt werden.

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