ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 4258

Auslagern oder inhäusig?

Ein geschichtlicher Abriss

Autor: thyl - Datum: 19.05.2006

Es ist fast wie in der Wirtschaft, wo zyklisch immer das Konzept des Outsourcing sich mit dem des inhäusigen Abarbeitens bestimmter Funktionen eines Unternehmens abwechselt. In der Datenverarbeitung ist die Frage, die sich stellt, dabei, ob eine bestimmte Funktion von der Haupt-CPU oder besser von spezialisierten Einheiten wie Altivec oder der GPU ausgeführt wird. Offensichtlich eine Frage, die die Gemüter bewegt, denn zuletzt ging es ja mal wieder um die Frage, ob das Macbook besser eine externe GPU (mehr Auslagerung) oder die integrierte GPU (mehr Last für die CPUs) bekommen hätte können.

Wie jeder Leser dieser grünen Site weiß, gibt es in unseren Reihen durchaus Vertreter der Auslagerungstheorie. Es lohnt sich aber, auch zur Beruhigung der Gemüter und der Sorgen, Apple könnte was verpassen, auch mal ein Blick in die Geschichte von MacOSX.

Geboren als NeXTSTEP, lief dieses Betriebssystem ursprünglich nur auf den NeXT eigenen Rechnern. Diese verfügen nicht nur über eine 68030 CPU, sondern auch noch über einen digitalen Signalprozessor und über spezielle ASICS zum Direktzugriff auf den Hauptspeicher durch z.B. die Festplatte (klar, das hatten auch PCs, aber nicht so ausgefeilt). Dieses Konzept war notwendig, da der Rechner sonst nicht leistungsfähig genug gewesen wäre. Mithin war der ursprüngliche NeXT ein klarer Vertreter der Auslagerungstheorie. Mit dem Portieren von NeXTSTEP auf intel-kompatible PCs war es natürlich um die schöne Architektur geschehen. NeXTSTEP intel kippte damit hin zur Integrationstheorie, denn es würde nunmehr alles auf der CPU gemacht; selbst die Graphikkarte wurde nur noch als dummer Framebuffer verwendet, obwohl es damals schon Karten mit 2D-Beschleunigung gab.

Mit dem Port auf PowerPC wurde dieses Konzept zunächst weitgehend beibehalten; als sich aber zeigte, dass immer mehr Multimedia-Daten zu berechnen waren, wurde Altivec mit dem G4 eingeführt. Später, als die G4-Architektur gegenüber der X86-Architektur etwas ins Hintertreffen geriet, entwickelte dann Apple Quartz Extreme, so dass sich damit MacOSX wieder hin zur Auslagerungstheorie entwickelte. Und nun kippt es gerade wieder einen Hauch zur Integrationstheorie, diesmal getrieben vom Preisdruck und auch von der ordentlichen Rechenleistung der Yonahs.

Bis auf die Einführung von Altivec hat Apple/NeXT also eigentlich nie proaktiv eine bestimmte Strategie gefördert, sondern ist reaktiv auf jeweilige Sachzwänge eingegangen. Und: Das Entwicklerteam hat genug Erfahrungen mit der einen wie mit der anderen Richtung.

Immer aber ist das Betreben zu erkennen, das Beste aus der Hardware herauszuholen, also vorhandene Komponenten auch auszunutzen. Und das finde ich auch beim Macbook.

Kommentare

Erster

Von: tonidigital | Datum: 19.05.2006 | #1
Wollte Vollted zuvorkommen

Interessante Überlegung

Von: jonez | Datum: 19.05.2006 | #2
Ich habe sowieso kein Problem mit der Chipsatz-Grafik. Vom praktischen Gesichtspunkt ist sie fü die meisten normalen Anwendungen völlig ausreichend - Aperture ist ein Gegenbeispiel, für das Apple aber getreten gehört.

Nur sind die Spieler über diese Entwicklung nicht sehr glücklich... die Spiele-Industrie wird sich auf dieses Konzept wohl kaum einstellen, d.h. selbst bei genügend CPU-Power wird sie weiterhin einen irsinnigen Grafikchip verlangen, auch wenn man die Aufgaben ganz gut auf die CPU outsourcen könnte. Schon allein wegen der Mehrarbeit, die das mit sich bringen würde.

Außerdem sind im PC-Bereich die Spieler diejenigen, die die fettesten, neusten Rechner kaufen. Im Mac-Bereich erwarten die Spieler da komischerweise was anderes von den 640-Euro-Desktops und 1000-Euro-Notebooks.

Thyl

Von: ut | Datum: 19.05.2006 | #3
< Später, als die G4-Architektur gegenüber der X86-Architektur etwas ins Hintertreffen geriet, entwickelte dann Apple Quartz Extreme, so dass sich damit MacOSX wieder hin zur Auslagerungstheorie entwickelte. >

Steve Jobs hat damals in seiner Keynote erklärt, dass die PowerPC-CPUs in den Macs eine Rechenleistung von 1-2 GFlops bringen und Intel-CPUs sogar weniger, als 1GFlop, dass GPUs aber 6 GFlops und mehr Rechenleistung bringen, diese aber völlig brach liege. Deshalb gehe Apple dazu über, die rechenintensiven grafischen Prozesse auf die GPU zu übertragen.

@tonidigital

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 19.05.2006 | #4
Vollted ist glaube ich im Urlaub.

Hmm...

Von: ghme | Datum: 19.05.2006 | #5
"Das Entwicklerteam hat genug Erfahrungen mit der einen wie mit der anderen Richtung."

Nur leider nicht so viel Erfahrung wie die Techniker hier unter den Kommentatoren, die alles besser wissen, ausgiebig in der Praxis am Werk sind, sowieso alles optimaler lösen können und immer genau wissen was die Apple-Kunden wollen (deshalb verkauft Apple zur Zeit auch keine Rechner mehr, muss einen Store nach dem anderen schliessen und der Aktienkurs ist auch schlecht wie nie)!

;-)

@jonez

Von: KnoblauchTraubeNuss | Datum: 19.05.2006 | #6
Aperture ist wirklich mies programmiert, nicht mal Adobe liefert so einen Dreck ab.

Die Grundidee des Programms ist fantastisch und es passt perfekt zu meinem Workflow. Leider gibt es derzeit keine Hardware, auf der dieses Programm wirklich fliegt. Weder auf den Core Duos, noch auf einem Quad.

Ich hoffe die vielen Köche die jetzt dran arbeiten, können es endlich richtig machen.

Zum Thema: Für das MB ist die GMA950 optimal. Verbraucht kaum Strom und man kann, abgesehen von Pro-Daddeln fast alles damit machen. Für die Pro-Daddler gibt es ja die Pro-Geräte.

NextStep

Von: Hrusty | Datum: 19.05.2006 | #7
zum thema NS, kann man sich das irgendwie besorgen und mittels VM Ware oder so auf einem Rechner installieren. Würde nämlich gerne mal meine Erfahrung damit machen.
bzw. gibt es eine freie Version zum Download?

Na ja

Von: cochrane | Datum: 19.05.2006 | #8
Stimmt alles, aber im konkreten Fall MacBook-Grafik trifft das wenig zu. Das Auslagern von Grafik auf eine spezielle Beschleunigerkarte ist eine sehr gut bewährte und eingeführte Technik. Ich denke, hier ging es Apple nicht um die Diskussion "Auslagern oder inhäusig?", sondernd "Hohe Marge oder sehr hohe Marge?".

Zum Thema der MacBook-Grafik: Sicher ist das für viele ausreichend. Aber es gibt einen Gruppe von Leuten, die auf bessere Grafik viel Wert legen, aber deswegen nicht gleich ein MacBook Pro kaufen wollen, zu der ich auch gehöre. flos Missing Book [Link] wäre da wirklich die ideale Lösung.

guter artikel

Von: ctopfel | Datum: 19.05.2006 | #9
Guter Artikel..

aber mal ehrlich.. jetzt ist der mac 3 mal shcenller als zuvor.. und noch immer motzen die Leute...

braucht ihr die leistung überhaupt?

pfui

@Hrusty

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 19.05.2006 | #10
NeXTSETP bzw. OPENSTEP läuft unter Parallels auf den intel-Macs. bei PCs ist es etwas schwieriger, da es kaum aktuellere Treiber gibt (irgendjemand halt mal mit USB angefangen, ich weiß aber nicht, wie weit das Projekt ist. Die Standardfunktionen sollten aber gehen.

Ich würde es nicht testen, Du wärst nur frustriert von MacOSX. NeXTSTEP ist irgendwie geschmeidiger, seriöser, auch europäischer in seiner Designstrenge. Und der Finder funktioniert. Und der Installer funktioniert auch, seufz.

Ich kenn auch leider keine Quelle. Der Code ist nicht freigegeben worden, und vertrieben wrid es auch nicht mehr so richtig. Kaufen kann man es noch bei [Link]

OT : Auslagern oder inhäusig? ...

Von: kohlenstofff | Datum: 19.05.2006 | #11
... das sit symbolisch für diese Seite.
mactechnews wird zu macnews, macguardians wird zu mactechnews und ich geh jetzt zu mac e...
Früher gabs mal noch was grünes Zwischendurch.
Heute? PPC <=> Intel, GPU <=> CPU.
Zu heiß, zu Laut, zu schwarz, zu weiss, zu glänzend, zu metallisch.

Hey girls and boys! Back to the roots.
Denn sonst seid Ihr weiter den je von dem entfernt, was euch am Herzen liegt.

Bis denn ..

ctopfel

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 19.05.2006 | #12
Vielleicht gibt es tiefere Gründe:
Die Leute erwarten vielleicht, dass Apples Innovationsfreude sich irgendwie noch Bahn bricht, wenn schon die Elektronik großteils von intel kommt. Irgendeine Sehnsucht, dass das Highlight nicht nur ein Magnetstecker ist. Irgendetwas, das zeigt, dass Apple in der HW nicht nur einfach zum geschickten Integrator verkommen ist. Das liegt vielleicht auch daran, dass sich Software nicht anfassen lässt. Aber das ist heute halt der differenzierende Faktor.

MacBook Pro beginnt wo?

Von: jonez | Datum: 19.05.2006 | #13
@@cochrane
Stimmt: "Hohe Marge oder sehr hohe Marge?". Isr ja auch normal bei einem Unternehmen. Aber die 160 Euro für die schwarze Farbe sind doch einigermaßen frech. Wenigstens 1 weiteres Profi-Feature hätte es dafür sein können (ATI-/Nvidia-Grafikchip?) Doch dann hätte man nicht einfach die gleichen Mainboards einbauen können...

Interessant ist doch aber die Feststellung, dass Apple bisher das Segment "kleines Profi-Notebook" in den letzten Jahren NOCH NIE richtig bedient hat. Das Powerbook 12-Zoll war doch mehr ein iBook mit Alu-Hülle. Am Anfang fehlte sogar DVI, und bis zum Ende gab es keinen PC-Card-Slot, nur 1 wechselbares RAM-Modul und einen in jeder Hinsicht bescheidenen Bildschirm.

Insofern ist das MacBook selbst in seiner billigsten Variante ein großer Fortschritt. Erkauft eben mit dem Grafikchip, der nur für 80% der Käufer passt.

@kohlenstoffffff @ghme

Von: jonez | Datum: 19.05.2006 | #14
Dieser Artikel ist nun gerade eine Beispiel für eine differenziertere Sichtweise, wie sie früher mal auf dieser Seite üblig war...

Volle Zustimmung

Von: Carlo | Datum: 20.05.2006 | #15
zu diesem Artikel, Thyl.

Du bist einfach gelassen und was Du hier schreibst, beweißt, daß Du dich anscheinend nicht nur mit der Computergeschichte und der damit zusammenhängenden Technologie gut befaßt oder sie sogar vielleicht jahrzehnte selbst gelebt hast, sondern auch, im Gegensatz zu manch anderen Journalisten in der Lage bist, unternehmerische Entscheidungen nachzuvollziehen, wenn wohl auch so einige Entscheidungen davon Dir persönlich nicht so gefallen.

Das hebst Dich deutlich von solchen Schreibern ab, die sich in ihrer persönlichen Kritik verfangen und dann dort im Kreis laufen.

Apple bietet auch nach dem Intelumstieg Macs beider Richtungen an; Mit Graka und mit GMA 950.
So ist doch für jeden Wunsch schonmal was da.
Die Nachfolger der G5 Duo und Quad kommen erst noch. Und den bisher erschienenen Geräten steht Apple erst am Anfang nach der Herztransplantation und obwohl sie bekannterweise im anpassen an die Kundenwünsche etwas langsam sind, haben sie besonders seit erscheinen von OSX verstärkt gezeigt, daß sie sich bemühen. Und mal ehrlich, im letzten Jahr sind sie darin doch auch schon etwas schneller geworden.

Das MacBook betreffend hat mitlerweile doch wohl jeder die bereits reichlich vorhandenen ersten Tests gelesen. Da braucht man ja wohl jetzt sich nicht mehr über GMA 950 die Köpfe heiß zu diskutieren.

Carlo

Alle intel Mac kommen doch mit einem …

Von: tomvos | Datum: 20.05.2006 | #16
… ausgelagertem Chip. Dieser übernimmt sehr schnelle SHA Berechnungen.
Zitat:

• Hardware accelerator for SHA-1 hash algorithm

Zitatende

Wo kann man den eigentlich das TCM eigentlich sehen?

Von: Marcus | Datum: 20.05.2006 | #17
Das lese ich jetzt ja schon seit Beginn der Intel-Ära, daß da welche drin sein sollen, aber z.B. bei Kodawarisan hab ich die nie auf den Bildern gesehen. Gibt es da Quellen, auf denen das anders ist?

TCM = Tchibo

Von: tomvos | Datum: 20.05.2006 | #18
TPM = Trusted Platform Module

:-)

[Link]

@Marcus

Von: tomvos | Datum: 20.05.2006 | #19
Hier steht noch mehr:

[Link]

TCM, TPM, ...

Von: Marcus | Datum: 20.05.2006 | #20
hätte mir halt auch Trusted Computing Module vorstellen können, aber die haben den Namen ja auch 1000x geändert.

OK, das bei heise wußte ich nicht mehr. Trotzdem schade, daß die nicht auch genau zeigen, wo das Ding zu sehen ist, ich kann mir auf Kodawarisans Bildern vorstellen, wo es liegt, aber erkennen kann man da ja leider nix drauf, weil das Bild von der Southbridge nicht zoombar ist.