ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 4262

Wie du mir, so ich dir

Patent-Geschachere

Autor: flo - Datum: 21.05.2006

Wenn man, vielleicht gerade vor einer gemunkelten Produtankündigung des Mutterschiffs, so vor dem Bildschirm sitzt und sich denkt, man wolle nur mal einen Tag bei Apple Mäuschen spielen und sehen, was dort wirklich vor sich geht, hat man wahrscheinlich eine stark verklärte Vorstellung. Zumindest ein Teil des Alltags, nicht nur bei Apple freilich, scheint -- wenn man die Newsticker so verfolgt, darin zu bestehen, Patente einzureichen, abzugleichen, auszutauschen oder einzuklagen. Oder im Notfall Patente heraussuchen, mit denen man jemanden verklagen kann, der einen wegen anderer Patente selbst verklagt. So dürfte Creativs Klage Mitte der Woche gegen Apple und Apples Gegenklage -- eingereicht just am selben Tag -- zu werten sein. Creative sieht sein Patent zur "automatischen hierarchischen Unterteilung von Musik mittels Metadaten" von Apple verletzt, Apple wiederum will vier Patente gefunden haben, gegen die Creative verstößt. Interessanterweise hatte Apple 2002 einen sehr ähnlich klingenden Patentantrag eingereicht wie Creative schon 2001, während letzterer aber als "Zen-Patent" Ende August 2005 gewährt wurde, wurde Apples Antrag einige Wochen zuvor abgelehnt -- damals hieß es noch, ausgerechnet Microsoft sei Apple zuvor gekommen.

Die Börse reagierte recht empfindlich auf Creatives Kage und Forderung nach einem Verkaufsverbot. Dies dürfte aber, auch wenn laienhaft beurteilt, überzogen sein. Dass der Marktführer und Marktbeherrscher (beinahe 80% Marktanteil) von kleinen Mitbewerbern verklagt wird, daran hat man sich gewöhnt, und wie oft gab es schon wirklich drastische Konsequenzen? Die Gegenklage am selben Tag deutet eher darauf hin, dass keiner der beiden Kontrahenten besonders überrascht sein dürfte, eher wird es das Ergebnis einiger fruchtloser Verhandlungen (oder Drohungen, wie dramatisch man es auch immer sehen möchte) sein. Nun klagt man ein wenig, wird einen Vergleich finden und zum Alltag zurückkehren. Verkaufsverbot wegen dieses Patents? Thyl wird mich steinigen für diese Aussage, aber man streiche "portable music player" aus dem Patenttext, und Creative beschreibt nichts anderes, als es vorher in MP3-Software doch eh schon gab. Wenn es ahrt auf hart käme, würde ich zumindest eher Creatives Aktien verkaufen (wenn ich welche hätte) als Apples.

Kommentare

auch mal erster

Von: nico | Datum: 21.05.2006 | #1
so!

@nico

Von: wolfgang | Datum: 21.05.2006 | #2
hat aber genauso eine wertigkeit wie diese patentstreitereien +g*

@ wolfgang

Von: nico | Datum: 21.05.2006 | #3
wo man sich so alles rumtreibt wenn das lieblingsforum down ist...

Softwarepatente...

Von: Gast2 | Datum: 21.05.2006 | #4
...sind irgendwie müll. Da sieht man, wie unsinnig solche Patente sind. Nahezu jeder verstößt gegen inrgendwelche Softwarepatente von jemand anderes, dann verklagt die eine Firma die andere usw. Irgendwie einfach nur unsinnig...

@FLo: Ich kaufe ein "E"

Von: miniMe | Datum: 21.05.2006 | #5
für die Firma Creative, oder heißen die jetzt etwa wirklich Creativ?

;-)

Sackgasse

Von: Hari | Datum: 22.05.2006 | #6
Meiner Meinung nach sind Softwarepatente absolut sinnlos. Was sich hier wieder zeigt. Ich bin in der Softwareentwichlung tätig und kann nicht den ganzen Tag überprüfen ob die paar Zeilen Code den ich geschrieben habe gegen irgendein Patent verletzt. Wenn also Softwarepatente in dere EU anerkannt werden kann ich zusperren.
Welcher MP3 Player kann nicht die Titel sortieren? Somit verstößt jeder auf dem Markt erhältlicher Player gegen dieses Patent?

Viel wichtiger wäre es mal ein einheitliches Urheberrecht in der EU durchzusetzen. Dazu eine kleine Geschichte:
Eines schönen Sommertages im letzten Jahr erhielt ich ein Mail von einem Kunden der mir bereichtete eine meiner Software wird bei eBay verkauft. Reingeschaut und echt, 30 Stück meiner Software wird von irgendeinem Typen in England verkauft. Natürlich Raubkopien. Anwalt angerufen und mir mal die Sachlage erklären lassen. Der Typ ist in England, ich in Österreich. Da es sich nicht um einen abgeschlossenen Lizenzvertrag handelt ist Gerichtsstand der Heimatort des Typen, also England. Sprich ich muss die Botschaft in England anrufen, die besorgt mir einen Anwalt der dann die Klage einreicht. Kosten 7000 - 8000 Euro. Chancen auf irgendeinen Schadenserstaz = 0. Wie denn auch, verkauft ja ein Privater und keine Firma. Das Ganze Problem nur weil die Urheberrechte in Österrecih und England nicht gleicht sind. Wie wäre es also wenn die EU Politiker ausser Software Patente und Winkelangaben wir krumm eine Banane seien muss/darf endlich mal ein einheitliches Urheberrecht durchsetzen. Und die Softwarepatente auf Rücksicht der Klein - und Mittelbetriebe fallen lassen. Viele der eingereichten Patente sind so trivial dass sie in nur wenigen Minuten arbeit ohne absicht verletzt werden.

Wenn Softwarepatente abgeschafft werden...

Von: Maxipeg | Datum: 22.05.2006 | #7
...werden plötzlich Scharen von Anwälten arbeitslos und stürzen sich dann womöglich mit noch grösserem Eifer auf "medizinische Haftpflichtfälle"... ;-)

In diesem Fall wären mir Streitereien um Softwarepatenten tausenmal lieber.

@MiniMe

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 22.05.2006 | #8
Ach, ich wollte nur nicht, dass mich Creative verklagt... ;)

@flo

Von: neu | Datum: 22.05.2006 | #9
vielleicht kannst du ja in dem fall bei apple um hilfe fragen, schließlich haben die sicher ein patent auf das e (im emac)

.... ;-)

@neu

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 22.05.2006 | #10
Nää, Apple mag vielleicht Schutz auf "Apple" und "Mac" beanspruchen, aber das sind ja immerhin noch ganze Wörter.

Ansprüche auf einzelne Buchstaben ist mehr rosa Business... ;)

da fällt mir ein altes versäumnis ein

Von: neu | Datum: 22.05.2006 | #11
ich hatte vergessen, mir allgemein VOKALE in wörtern patentieren zu lassen.

ws mnst d w bld d t-cm d s d wsch ggckt htte :-)