ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 4291

Welcome to iPod City!

Oder: Wie hält's Apple mit der Ethik? Und wie wir?

Autor: roland - Datum: 14.06.2006

Ausgelöst durch einen leider nicht online befindlichen Artikel in der Sonntagsausgabe der britischen The Mail werden derzeit schwere Vorwürfe gegen Apple erhoben wegen der Arbeitsbedingungen in den chinesischen Fabriken, in denen iPods und Nano iPods gefertigt werden. In erster Linie stehen hierbei die Verhältnisse in den Produktionsstätten von Foxconn am Pranger, einem der großen OEM-Herstellern in Taiwan und der VR China. Der, soviel sei angemerkt, bei weitem nicht nur für Apple tätig ist. Und genau da liegt ein Teil des Problems... Es mag uns Westeuropäern mit unserer sehr ausgeprägten "Geiz ist geil" Mentalität und den damit eng verbundenen Verdrängungsmechanismen ja bisher nicht weiter aufgefallen sein, aber wer heutzutage ein Schnäppchen macht, sei es ein iPod, eine Playstation oder ein PC, der muss davon ausgehen, dass das Teil dort zusammengeschraubt worden ist, wo die Arbeitskosten am niedrigsten sind. Also in Thailand, Bangladesh oder in der VR China. Genau in dieser Reihenfolge absteigender Arbeitskosten und -bedingungen.

Und wer sich nun hier, hier oder hier lautstark zu Wort meldet, um die Arbeits- und Lebensbedingungen jener Menschen zu beklagen, die da 12 oder 15 Stunden täglich unter nach unserer Sicht menschenunwürdigen Bedingungen zusammengepfercht sind, der mag zwar einerseits moralisch Recht haben. Andererseits muss er sich aber auch den Vorwurf gefallen lassen, a) ein Heuchler zu sein oder b) die Realität der globalisierten Marktwirtschaft und eines zumindest in der VR China von allen sozialen Regulativen entfesselten Kapitalismus nicht verstanden zu haben. Wir alle, ja, wir alle sind uns offenbar nicht zu fein dazu, von diesen Effekten zu profitieren.

Liest man sich beispielsweise den von den wesentlichen Elektronikherstellern akzeptierten Electronic Industry Code of Conduct in seiner aktuellen Fassung vom Oktober 2005 (hier als PDF-Download) im Originaltext durch, dann trägt auch dies nicht zur moralischen Beruhigung bei. Vermutlich ebensowenig wie Apples in Reaktion auf die Vorwürfe veröffentlichtes Statement, das unter anderem auf die Apple-Version eben jenes Codes of Conduct hinweist und Nachforschungen ankündigt.

Langer Rede kurzer Sinn: Wir sollten uns alle nichts vormachen. Gut und schön und ehrenvoll, wenn Apple eine Verbesserung der anstößigen Arbeitsbedingungen durchzusetzen vermag. Aber wer wird wieder gequält aufschreien und jammern und kritikastern, wenn dann die iPod-Preise angehoben werden?

Und wenn jetzt jemand auf den glorreichen Gedanken kommt, einzuwenden, dass Apple gefälligst seine Margen niedriger ansetzen solle, um menschenwürdige Produktionsbedingungen zu erlauben – Apple steht hier wie gesagt stellvertretend für tausende anderer Elektronikunternehmen, die an den besagten Standorten produzieren lassen – dann zeugt auch das von anhaltenden Illusionen bezüglich der Folgen des real existierenden Kapitalismus diesseits und jenseits des längst nicht mehr existierenden eisernen Vorhangs.

Es muss sich also jeder Einzelne selbst an die Nase fassen, wie er's halten will beispielsweise mit Made in VR China. Wobei der Hinweis gestattet sei, dass die Volksrepublik seit 1994 ein vom Ständigen Ausschuss des Nationalen Volkskongresses verabschiedetes Arbeitsgesetz ihr eigen nennt. Text in deutsch als PDF hier herunterladbar. Ob das eingehalten wird, entscheiden vermutlich freie chinesische Unternehmer und willfährige Parteikader. Nicht nur bei iPod & Co. Sondern überall, wo massive Nachfrage herrscht nach billigsten Produktionsbedingungen und weit und breit kein gewerkschaftliches Gegengewicht existiert.

Traurig. Aber so ist das.

Kommentare

passend dazu...

Von: drBen | Datum: 14.06.2006 | #1
... kann ich nur folgenden artikel der Zeit empfehlen: [Link]

Keine Schnaeppchen

Von: Hans | Datum: 14.06.2006 | #2
ipod, Playstation sind keine Schnaeppchen. Hier stecken die Namensgeber wie Apple, Sony usw. den Grossteil des Ertrags ein.

Hier werden bewusst zu Lasten anderer Konzernergebnisse optimiert.

Und wenn es rauskommt tut man unschuldig.

Gegen die Exzesse der Globalisierung muss endlich etwas getan werden.

@Hans

Von: Stefan | Datum: 14.06.2006 | #3
>>>Gegen die Exzesse der Globalisierung muss endlich etwas getan werden.<<<

Ja, kauft den ganzen Quatsch nicht dann hört es von alleine auf!

das blatt heißt "daily mail",

Von: westernworld | Datum: 14.06.2006 | #4
das blatt heißt "daily mail", die sonntagsausgabe heißt "the mail on sunday".
in selbiger war der bewußte artikel zu finden. nur so für die akten.

inhaltlich kann ich mich dem autor nicht so ganz anschließen, das die mechanismen der plutokratie sind wie sie sind ist nicht zu bestreiten. aber dem markt die schuld zu geben, ist als ob man dem auto
die schuld daran gibt daß das kind überfahren wurde.
der markt ist ein mechanismus d.h. er reagiert in reproduzierbarer weise auf seine randbedingungen ebenso mechanistisch wie eine gleichung auf ihre variabeln .
der markt ist ein wunderbares managementwerkzeug für komplexität, aber mehr auch nicht.
märkte fordern nichts, märkte setzen nichts durch, märkte besitzen keine moral oder höheren einsichten.
märkte sind mechanismen die die bedingungen unter denen sie arbeiten widerspiegeln.
das unter den bedingungen der derzeitigen form der globalisierung die interessen der vielen ressourcen armen "marktteilnehmer" nur schwer gegen die hebelwirkung des geldes und seiner lobbyisten durchzusetzen sind ist traurig aber der fall.

so zu tun als sei dies unausweichlich, gottgewollt, der preis für wohlstand o.ä. ist aber feige und und einfallslos.
außerdem sind konzerne empfindlich was ihr image anlangt, meines erachtens der größte vorteil
von markenprodukten überhaupt.
laisser-faire führt auf die dauer nur zu ergebnissen wie 1789 und 1917, und ja es ist schön die köpfe
der korrupten auf spießen vor dem schloß zu haben, aber man kann davon so schlecht die miete bezahlen, aber ich schweife ab. aber global denken ,lokal lynchen hat schon seinen reitz.

auf jeden fall kann man apple motivieren sein möglichstes zu tun um seine zulieferer an die kandare
zu nehmen.

eine kampagne mit dem motto " pflück nicht die frucht der sklaverei" oder "der apfel hat würmer" , im weihnachtsgeschäft vielleicht, wär herrn jobs jedenfalls nicht so recht.
die globalisierung ist nicht vom himmel gefallen oder ein naturgesetz.
wer das glaubt der ist der wahre naive.
dieses thema sprengt aber den rahmen eines kommentars bei weitem.

zusammenfassend möchte ich den ungeschlagenen meister des links redens und am rechten fleck leben zitieren :" es geht auf anders doch so geht es auch."

hier noch ein paar links anderer Mac-seiten:

[Link]

[Link]

[Link]

[Link]

Wichtiger Artikel

Von: bowser | Datum: 14.06.2006 | #5
An einen Bericht und eine folgende Diskussion war ich seit längerem interssiert; Beiträge zu "Luxusproblem-Diskussionen" werden da schnell relativiert, möchte fast sagen bei 400 Beitragen zu einer Prozessor-Diskussion wäre ein mehrfaches zu diesem Thema angepasst. Es geht aber nicht um die Menge der Beiträge, sondern darum welchen Einfluss/ Lösung kann ein Internet-diskutierender Mac-Konsument zu diesem Thema haben bzw. die Gemeinde...

Gruss Bowser

Marktwirtschaft

Von: Hrusty | Datum: 14.06.2006 | #6
heißt oftmals aussaugen bis das Blut fast alle ist. Warum sollte Apple da die große Ausnahme sein? Weil sie Spannen von jenseits der 20% erwirtschaften?
Apple zahlt weder Dividende noch lässt sie mehr Dollars als nötig bei den Lieferanten.

Leider gehört so etwas auch zum Saubermann Image, weshalb Apple-Produkte teurer sind als andere. Im globalen Welthandel mit ebenso schnell fließenden Informationsflüssen kommt so etwas schneller ans Tageslicht als den Beteiligten recht ist.
Ich habe Apple nicht gesagt, dass sie ihre enorme Marge komplett einsacken sollen, nun können sie auch zusehen, wie sie da wieder rauskommen.

genannter Artikel

Von: Hrusty | Datum: 14.06.2006 | #7
".....Wir kaufen ein in Supermärkten, deren Preise angemessene Gewinne für die Produzenten ausschließen......."

wie man an Apple sehen kann, lassen andere Preise den umkehrschluss nicht zu. Daran krankt alles.

Mal Allgemein

Von: Marc Albrecht | Datum: 14.06.2006 | #8
Mag sein, daß UNS diese Verhältnisse menschenverachtend vorkommen.

Aber vielleicht würde es sich auch einmal lohnen zu sehen, wie ein Großteil der Bevölkerung in gerade DIESEN Ländern lebt und ob solche Bedingungen dann immer noch SOOOOOO schlimm sind.
Vor gar nicht allzulanger Zeit war das in Europa auch nicht viel anders (Kinderarbeit, Arbeiter zusammengepfercht auf engestem Raum).

Diese Staaten machen jetzt eben zeitversetzt diesen Wandel durch. Es wäre mehr als falsch von aussen nun den Moralprediger zu spielen (eben aus den genannten gründen des Hauptartikels). Eine Zivilisation erlangt ein besseres Selbstveständnis, wenn sie die Probleme selbst löst. Wir können allerdings alle die Mechanismen des Marktes nutzen um diese Dinge zu ändern. Letztenendes will aber wohl jeder lieber die Megapixelerrektion und den GB-Mp3 Player - Wahn.

Zudem ist auch zu bemerken, daß die größten sozialen Revolutionen von Firmen ausgingen und nicht von den Staaten und Ihren Regelungen.
Diese haben sich die Verbesserungen lediglich unter den Nagel gerissen.

Grüße

Marc™

" ... aber wer heutzutage ...

Von: johngo | Datum: 15.06.2006 | #9
... ein Schnäppchen macht, sei es ein iPod, eine Playstation oder ein PC, der muss davon ausgehen, dass das Teil dort zusammengeschraubt worden ist, wo die Arbeitskosten am niedrigsten sind. ..."

Meine beiden zuletzt gekauften Rechner
sind jeweils in Deutschland produziert
und ich gehe nicht davon aus, das man
von oben Gesagtem "ausgehen muss"!

Da sieht man

Von: MichaelK | Datum: 14.06.2006 | #10
wie geil Geiz wirklich ist.

Überall, wo man heute hinkommt, egal, in welcher Branche, immer finden sich Menschen, die meinen, den Preis noch tiefer drücken zu müssen. Und dieser Trend hat mit Slogans wie "Geiz ist geil" quasi sein Legitimation erhalten. An die Arbeiter/innen, auf deren Rücken dieser Preiskampf ausgetragen wird, denkt hierbei freilich niemand. Hauptsache billig. Auch, wenn es gar nicht benötigt wird. Aber wem wundert es? Dieses Verhalten ist Systemimmanent.

@marc albrecht

Von: westernworld | Datum: 14.06.2006 | #11
"Zudem ist auch zu bemerken, daß die größten sozialen Revolutionen von Firmen ausgingen und nicht von den Staaten und Ihren Regelungen.
Diese haben sich die Verbesserungen lediglich unter den Nagel gerissen."


spannende behauptung das, die quellen hierzu wären eine noch größere sensation als die
hitler-tagebücher.

es gab bosch und es gab noch einige andere die im rahmen einer strömung die paternalismus genannt wurde im austausch gegen politisches wohlverhalten und zur eindämmung der sozialdemokratie ihre leute halbwegs ordentlich behandelten.

aber den anteil der arbeiterbewegung , der arbeits- und sozialgesetzgebung und nicht zuletzt der klagen der militärs über schlechtes menschenmaterial durch kinderarbeit so kleinzureden halte ich für kontrafaktisch.

die behauptung die staaten hätten sich diese verbesserungen "unter den nagel gerissen " finde
ich unklar hinsichtlich des ablaufs und inhaltlich falsch.


[Link]

[Link]

[Link]

Mutig, dickes Plus!

Von: ichbindas | Datum: 14.06.2006 | #12
Ich finde dies einen mutigen Beitrag von euch, wirklich. Aber ich finde noch mehr, dass es gut ist, wird es so gesagt.

Meine Meinung!

Respekt!

Von: H. Richter | Datum: 14.06.2006 | #13
Guter, sorgfältig recherchierter Artikel und konstruktive Kommentare.

*schwelg* Man fühlt sich in der Zeit zurückversetzt...

@westernworld

Von: Marc Albrecht | Datum: 14.06.2006 | #14
Guten Abend,

wikipedia scheint in letzter Zeit immer mehr zur Anlaufstelle für "gewünschte" Wissensverbreitung zu sein. Eine zentrale Stelle für "Wissen", birgt aber gerade das Problem der "Korrektur". Das kann man sehr schön an den regen Diskussionen zu manchen Artikeln verfolgen. Öffentliche Universitäten sind auch nicht unbedingt der Quell der Wahrheit. Was würde wohl einem Prof. passieren, der nicht den üblichen Stoff vermittelt?

Ich empfehle daher die Suche nach folgenden Begriffen:

Krupp, Betriebskrankenkasse
GHH, Werkssparkasse, Werkssiedlung Eisenheim
Der Zigarrenfabrikant Waldorf war auch für die entsprechend gute Versorgung seiner Mitarbeiter bekannt.
Von den vielen kleinen Unternehmen, die es damals auch gab, wurden fähige Arbeiter weitergebildet, so daß sie später selbständig arbeiten konnten und wiederrum Firmen gründeten etc.pp.

So geschieht es jetzt z.B. in China, wo die Firmen Werksgebäude errichten, in denen die Arbeite und Angestellten wohnen können. Übrigens mit allen netten Dingen wie z.B. Hallenbad, Sportplatz.... (Ja, das ist auch nicht bei jeder Firma üblich...).

Natürlich gibt es ebenso Abzocker. Die hat es immer gegeben und wird es immer geben. Die Wahrheit liegt wie immer dazwischen.

Man könnte z.B. auch das Bsp. Atomkraftwerke nehmen: bei uns werden die "sicheren" Werke geschlossen und wir kaufen unseren Strom dann aus Temelin...

Ach ja, Sozialsysteme waren trotzdem weit vor der Umsetzung durch Gesetze vorhanden. Das ist sicherlich auch bei Wikipedia zu recherchieren.

Grüße

Marc™

bestätigung

Von: hellmachine | Datum: 15.06.2006 | #15
sowas hatte ich schon befürchtet. passt ja klasse zum nike deal, die ja gerne mit den gleichen vorwürfen in verbindung gebracht werden.
ich kann nur hoffen, das apple nun farbe bekennt. wenn apple so leicht auszutauschen wäre wie ein sportschuh, das wäre jetzt mein grund. aber leider sind die alternativen keine...

iPod und "Geiz ist Geil"?!?

Von: Yian | Datum: 15.06.2006 | #16
...nun mal langsam. Der iPod ist für den Endkunden nun wirklich nicht billig. Ursache ist doch wohl eher, das bei uns im feisten Westen nichts unter perversen 1.000 - 10.000% Aufschlag auf den Herstellungspreis verkauft werden kann, ohne das gleich Konkurs droht. Hätte mein iPod-Mini 50 EUR mehr gekostet, weil er in Europa zusammengesteckt wird, kein Problem. Nur: es würden aus diesen 50 (siehe oben) dann 500 - 5000 EUR VK-Preis. Tja.

Der "Geiz ist Geil"-Spruch ist auch so eine schöne Verunglimpfung. Denn Sparsamkeit ist in unserer Gegenwart (mit Euro und vielen steigenden Zwangsabgaben) für den größten Teil der Gesellschaft einfach nur Notwehr. Wer will und kann mag auf Aldi und Co. verzichten, ich nicht.

die Macht der Medien

Von: LadeSchale | Datum: 15.06.2006 | #17
Mich würde mal dringenst interessieren wer da grad auf Apples Blumenbeete pinkelt?

Die hier im Internet zur Schau gestellten Bilder sind ja spontan gesehen nicht wirklich verdächtig, oder beweisen diese Bilder irgendetwas hinsichtlich der dargestellten Vorwürfe?
Die Bilder sehen aus wie eine x-beliebige Kaserne, Plattenbauwohnsiedlung oder "DDR-Ferienlager" .


Wenn das also stimmt, dann hat dieses Lager aufgrund seiner Größe früher, vielleicht aber auch heut noch, auch für andere "Marken" Produktionsstraßen vermietet.


PS: Eyyyyy Herr Sommer!!! Kieke se ma da in China gönne se noch Mitglieder für ihre Plastetütenüberziehertrillerpfeifenanhängergewerkschaft bekommen, alle deutschen Großindustriellen sind schon da, wo bleiben se denn? hä? Ab Marsch nach China anstelle hier sinnlos rumzustreiken, nur an der Wurzel gönnse de Flitzpiepen aus der Industrie treffen. Hier in Deutschland wird doch nich mehr produziert, hier wird dienstgeleistet, wir bezahlen uns fürs gegenseitige Popoabwischen, nix mehr mit Lagerarbeit und Ausbeutung hier.

Mißstände müssen als solche benannt werden

Von: blabla | Datum: 15.06.2006 | #18
Es ist wichtig, auf Mißstände hinzuweisen. Der globalisierte Kapitalismus bringt sie leider alle Nase lang hervor. Dagegen muß etwas getan werden.

IMHO muß die Poltik den schwachsinnigen Wettlauf um niedrige Steuern, Löhne und schlechte Umweltstandards beenden. Das heißt: Schutzzölle gegen Steuer-, Lohn- und Umweltdumping.

Bis es soweit ist, kann aber auch gerne Druck auf Hersteller wie Apple gemacht werden, so sie die Behebung von Mißständen auch im Eigeninteresse als Imagepflege betrachten.

Yian

Von: nico | Datum: 15.06.2006 | #19
"Der "Geiz ist Geil"-Spruch ist auch so eine schöne Verunglimpfung. Denn Sparsamkeit ist in unserer Gegenwart (mit Euro und vielen steigenden Zwangsabgaben) für den größten Teil der Gesellschaft einfach nur Notwehr. Wer will und kann mag auf Aldi und Co. verzichten, ich nicht."

geiz ist nicht geil. moeglicherweise notwendig, aber keinesfalls "geil". ich wuerde gern mehr geld ausgeben wollen, auch wenn ich es derzeit nicht so kann. diese kampagne ist ultra daemlich. ich erfahre keine berauschende befriedigung, wenn ich um meine paar kroeten feilschen muss...

Nachtrag

Von: Marc Albrecht | Datum: 15.06.2006 | #20
Guten Morgen,

noch ein kleinr Nachtrag:

weiter Suchbegriffe: Cadbury, Birmingham, Bournville

und noch ein link:

[Link]

Grüße

Marc™

Sozial

Von: Mark | Datum: 15.06.2006 | #21
---Zudem ist auch zu bemerken, daß die größten sozialen Revolutionen von Firmen ausgingen und nicht von den Staaten und Ihren Regelungen.---

Aber nicht von den Firmen, sondern von den deren Arbeitern.

@Mark

Von: Marc Albrecht | Datum: 15.06.2006 | #22
Servus,

eine Firma besteht aus Unternehmern und Mitarbeitern.

Ich habe nicht gesagt: Chefs oder Unternehmer. Obwohl es auch hier einige Ausnahmen gab.

Z.B. Robert Owen.

Grüße

Marc™

Gleiche Aufmerksamkeit bei "Futschikato, Inc."?

Von: Gast | Datum: 15.06.2006 | #23
Gar keine Frage:
Modernes Sklavenhaltertum geht nicht - globale Ökonomie bedeutet auch globale "Nutzung" der Menschenrechte.

Das (ökonomische) Interesse von The Mail nutzt aber hier die Popularität eines "hippen" Produkts.. kein Grund für uns Apple-fanboys, den anklagenswerten Zustand zu relativieren ("die anderen doch auch!"); umso spannender, ob Apple den Spagat schafft, wirtschaftliche und moralische codes of conduct unter einen Hut zu bringen...

Man beachte in dem Zusammenhang den Erfolg von American Apperal...-

Nachtrag für Marc

Von: Roland Mueller | Datum: 15.06.2006 | #24
Es geht in der Tat auch anders. Ich habe neulich ein längeres Gespräch mit dem Inhaber des lederwarenherstellers Picard gefuuhrt bzw. dessen Referat gehört. Picard produziert in Deutschland (Luxuskategorie), in Tunesien, in Bangladesh und in der VR China. Arbeitskosten pro Stunde 17 Euro, 2 Euro, 1 Euro, 0,70 Euro, wenn ich das richtig erinnere. In Bangladesh hat man nicht nur ein Werk gebaut, man managt es auch selbst, hat vernünftige Wohnquartiere nicht nur für die Arbeiter, sondern auch für deren Familien erstellt, dazu eine Schule und einen Kindergarten. Was dann durchaus in der Tradition der von Dir zitierten Pateriarchen früherer deutscher Industriegeschichte steht. Ein solches Konzept scheint aber derzeit am Standort VR China nur schwer oder gar nicht durchsetzbar zu sein...

"normal"

Von: neu | Datum: 15.06.2006 | #25
es ist eben stinknormaler kapitalismus (blümchenbezeichnung: marktwirtschaft, demokratie)

da es derzeit keine konkurrenzsysteme gibt (stalinismus im osten ist ja nicht mehr), gibt es auch keinen wettbewerb der systeme, welcher u.a. auch im westen zu sozialeren zuständen führte (neben anderen ursachen).

nun wird eben das rad zurückgedreht bis es wieder knallt (dauert noch etwas).

und machen wir uns nichts vor: selbst wenn wir nicht (schließe ich mich nicht aus) nach dem besten-preis-geier-prinzip leben würden, würde diese (geizistgeil-arbeitskosten-egal-wie-verbrecherisch-und-unmoralisch) kostensenkungsmethode der konzerne ebenso ablaufen.

grundprinzip kapitalismus: fressen oder gefressen werden.

Foxconn Fabrik in China: Augenzeugenbericht

Von: mitleser (das original) | Datum: 15.06.2006 | #26
Die Fabrik in Shenzhen, Suedchina ist riesig von denen. Produzieren dort alles moegliche. Hier ein Bericht eines sehr guten Freundes der dort geschaeftlich zu tun hat.
Also: erstmal kommt man in Foxconn nur mit Pass rein und mit Einladung. Dann wird man eskotiert und hat keine Chance, irgendetwas sich unbemerkt nebenbei anzuschauen. Zweitens sind die Unterkuenfte dort akzeptabel. Allerdings hat Foxconn unter seinen Managern schon den Ruf, nicht so gute Unterkuenfte zu bieten, wie andere (habe die mir erzaehlt). Das heisst, dass nicht unbedingt eine Sauna drin ist (wie bei Flextronics), und man die Wohnung eventuell auch mit anderen teilen muss. Auch ist die Bausubstanz ein wenig runtergekommen. Insgesamt duerfte dies auch fuer die Unterkuenfte der Arbeiter gelten. Schaebiger als andere, aber nicht unbedingt unertraeglich. Was die Arbeitsbedingungen angeht, so wird es durchaus sein, dass da mal 12-15 Stunden gearbeitet werden. Dies tun alle. Auch ist es so, dass momentan man sich als Arbeiter hier in Suedchina die Firma aussuchen kann. Zu anstrengend in der Mausfabrik? Gut gehe ich nach nebenan in die Schuhfabrik! Es herrscht Arbeitermangel. Foxconn wird bestimmt gut bezahlen sonst wuerden die hier wohl kaum an die 17000 Leute in Shenzhen beschaeftigen (einige meinen sogar mehr). Und je mehr Ueberstunden, desto mehr Geld. Dies gilt fuer beide Arbeiter und Firma. Gesetze helfen da wenig, es gibt viel Freiraum. Foxconn ist auch sehr ruppig zu ihren Lieferanten. Wer bei Foxconn als Einkauefer arbeitet, hat keine Freunde weil die halt jeden Lieferanten wie Mist behandeln. Dies wollen die aber aendern! haha.

Das deckt sich mit meinen Erfahrungen

Von: Jens | Datum: 15.06.2006 | #27
Aus meinen Erfahrungen mit China und Chinesen (meist aus Südchina, Guandong-Provinz, auch Shenzhen gehört zu dieser Provinz) ist das fast schon normal, das Unternehmen auch für Unterkünfte der Arbeiter und Angestellten sorgt. Meist sind die Unterkünfte Schlafsäle mit angeschlossener Küche oder Kantine, Wasch- und Aufenthaltsräumen. Das macht ja auch Sinn, da die größten und bedeutendsten Universitäten in der Nähe sind und die Absolventen meist weit weg von ihrem Heimatort liegen. Viele mieten dann aber auch eigene Apartments, die dann besser ausgestattet sind (Kosten ca. 30 €/Monat).

Der Verdienst liegt in den großen Städten wie Guangzhou, Shanghai, etc. durchgehend bei 100 € für Arbeiter, 200 - 300 € für Angestellte. Höher wirds dann bei den Managern und Chefs. Generell ist es so, das Filialen großer Konzerne, wie z. B. Siemens besser zahlen, da sind dann schon mal 300 - 1000 € auch für Angestellte drin. Schon von 200 € lässt sich eigentlich gut leben, Unterkunft ist kostenlos, Essen selbst im Restaurant nicht wirklich teuer, das teuerste, was ich bezahlen musste war beim Thailänder für drei Personen, ca. 15 €. Wobei dieser Thailänder in einem für Ausländer eingerichteten Einkaufszentrum lag und dementsprechend höhere Preise normal sind.

Fast jedes Unternehmen in China beschäftigt einen Wachmann, den man gerne mit der Polizei verwechselt. In jedem Hotel, Restaurant und sonst fast überall. Ich wurde auch erst von meiner Begleitung darüber aufgeklärt, das das private Wachleute sind, keine Polizisten. Allgemein sind diese Leute aber hilfsbereit und friedlich. Die richtigen Polizisten kann man an der dunkelblauen Uniform erkennen oder an einer grauen Uniform mit Stahlhelm (für Verkehrspolizisten).

günstige Waren / Was nicht im Artikel steht

Von: miniMe | Datum: 15.06.2006 | #28
wir gehen zu ALDI, wir gehen zu MediaMarkt/Saturn, freuen uns über tolle Preise und stehen am Ende auf der Straße.

Was nämlich nicht im Artikel steht ist die Tatsache dass auch bei uns dadurch vieles schlechter wird.

Beispiel: MediaMarkt kämpft gegen Saturn, gehören aber beide zusammen.

Dadurch machen die deren Konkurrenz, kleine Fachhändler bis mittelständische Unternehmen kaputt. -> Arbeitsplätze

Das fehlt mir im Artikel, ansonsten großes Lob!!

Günstige preise bei Mediamarkt?

Von: Prach | Datum: 15.06.2006 | #29
Der Witz ist, daß sowohl Saturn als auch Mediamarkt zu den teuren Anbietern auf dem Markt zählen - abgesehen von den sprichwörtlichen und ausgiebig beworbenen "Schnäppchen". Ich habe schon bei einigen Produkten festgestellt, daß ein sogenannter "Supertiefpreis" über der unverbindlichen Preisempfehlung lag - bei einem tragbaren Fernseher mal satte 25 %.

wenn dann noch die primärenergie zu Ende geht

Von: Hrusty | Datum: 15.06.2006 | #30
[Link]

und angemerkt:

Von: Hrusty | Datum: 15.06.2006 | #31
unsere schöne Marktwirtschaft:

Eines müsst ihr Euch bewust sein: das Öl, welches heute noch 65 $ pro Barrel kostet ist am Montag vielleicht für 73$ zu haben.

Weder ist bis dahin das Öl merklich knapper geworden, noch hat der Verbrauch innerhalb dieser 4 Tage astronomische Höhen erreicht.
Wir werden einfach nur verarscht. und weil vielleicht im Iran jemand ne MP auf den US Grenzposten gerichtet hat, wird auch kein neuer Weltkrieg ausbrechen. Nein Märkte bzw. deren instabilitäten werden einfach Missbraucht um:

siehe Exxon:

40 Milliarden USD Profit pro Quartal (Quelle: MBA Thesis
Jochen Hagen, 2005/2006)

Riesen Profite einzufahren.

Vergleicht das einmal mit Gas und Stromkonzernen, wie zB RWE. Die können doch vor Geld kaum noch aus den Augen schauen! Aber die nächste Preiserhöhung kommt bestimmt.....

@ Roland Müller

Von: johngo | Datum: 15.06.2006 | #32
Für wen wäre das jetzt ein positives
Beispiel? Doch nicht für den deutschen
Unternehmer, der jetzt Produkte fertigt,
die sich die eigenen Landsleute nicht
mehr leisten könnten!?

Hat Herr Picard auch darüber reveriert, wo
er mittlerweile die Masse seiner Produkte
absetzt? Früher konnten sich die Mit-
arbeiter dieser Branche die selbst
erstellten Lederwaren (obwohl in der
Überzahl ganz normale Arbeiter) noch
leisten. Heute sind es Luxusgüter, die
vorrangig bei den Scheichs (und Anderen!)
über die Theke gehen.

So ist denn die Internationalisierung
des Geschäfts eigentlich nichts anderes
als eine Ausbeutung von "beiden Seiten".
Solche Produkte (hier die genannten
Lederwaren) werden immer billiger pro-
duziert und trotzdem nicht billig,
sondern immer teurer verkauft.

Das geht natürlich dann am besten, wenn
Erstellung und Vermarktung möglichst
weit voneinander trennt.

Der weltweite Markt schädigt denn auch
die Länder, in denen zu Hungerlöhnen
produziert wird, sowie die Länder, die
deswegen kein Wirtschaftswachstum mehr
haben (Thema Arbeitslosigkeit etc.).

Gewinner sind die Konzerne und die
Reichen, die durch diese Struckturen
die Konkurrenz der Kleinen umschiffen.

China vs. Indien vs. Tschechien

Von: Chrischle | Datum: 15.06.2006 | #33
Ich denke doch, dass auch in China die Menschen nur arbeiten gehen, wenn es ihnen dadurch besser geht, als ohne bezahlte Beschäftigung. Vielleicht sollte nicht vergessen werden, dass die Schlafräume für den Europäer zunächst abschreckend wirken, aber von einem landgeflüchteten Chinesen mag dies vielleicht ganz anders empfunden werden. Es ist auch klar, dass die Stundenlöhne in China durch Arbeits- und Lebensbedingungen entstehen, die uns befremdlich erscheinen. Wenn die Bedingungen sich verbessern, dann steigen auch die Preise (für die Arbeit/Arbeiter und damit auch für die gefertigten Produkte).

Kann sich noch jemand an letzte Woche und die Apple-Nachricht aus Indien erinnern? Indien ist mittlerweile zu teuer, denn wo ordentliche Arbeit gemacht wird, kostet sie nach kurzer Zeit auch ordentlich. In kleinem Maßstab sieht man das auch in Europa. Ein Skoda Octavia war vor einigen Jahren ein Topauto zu einem Toppreis, gebaut in Tschechien. Heute wird der Octavia in Rumänien gefertigt. Die Skodawerke in Tschechien baut jetzt VW. Man emanzipiert sich an seiner Arbeit.

Es ist schon erschreckend, wie es doch immer wieder klappt, dass man Arbeit nicht als Chance, sondern als Notstandssituation ansieht. Natürlich gibt es hier und da Probleme mit unfairen Bedingungen. Dennoch werden auch in China durch den wirtschaftlichen Aufschwung die Wünsche der Arbeiter steigen und man wird Geld verdienen um diese auch zu realisieren. Das dauert etwas, keine Frage! Aber Etagenbetten und Morgenappell als unmenschlich zu beschimpfen geht vielleicht doch etwas zu weit.

Grundlegendes Problem:

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 16.06.2006 | #34
Als Konsument hat man die Wahl und kann durch sein Konsumverhalten Dinge beeinflussen. So greife ich beim ALDI auch zu den dreimal so teuren Bio-Eiern aus ökologischer Bodenhaltung statt zu den dahinter schon fast versteckten viel billigeren Käfig-Eiern.
Der Euro mehr bringt mich nicht um.

Schlimmer wird's doch bei teureren Dingen die ein paarhundert oder sogar -tausend Euro kosten. Hier gelten andere Regeln: Nehmen wir nur mal einen vollkommen hypothetischen in Deutschland produzierten Computer an, der doppelt bis dreimal soviel kostet wie der Rest.
Durch den Kauf solcher Rechner für den eigenen Betrieb wäre man nicht konkurrenzfähig, da die Konkurrenz natürlich zumeist deutlich weniger Skrupel hat und billig produzierte Fernostware kauft.
Ähnliches gilt für Großküchen, die sich die Bioeier auch nicht leisten könnten!

D.h. je teurer die Produktkategorie, umso schwieriger wird's für den Einzelnen, die politisch korrekte Alternative zu nutzen!

Darüberhinaus sei noch anzumerken, dass der Kapitalismus NUR noch mit Billiglohnländern überhaupt funktioniert. Wäre das Zeug zwei- bis dreimal so teuer, würden die Leute hierzulande einfach nix kaufen (neue Megapixel-Digicam ist reiner Luxus, nicht lebensnotwendig!) und damit würde der Geldfluss stagnieren, was ja bekanntlich Gift ist für den Kapitalismus...

Mitleser:
"Foxconn ist auch sehr ruppig zu ihren Lieferanten. Wer bei Foxconn als Einkauefer arbeitet, hat keine Freunde weil die halt jeden Lieferanten wie Mist behandeln. Dies wollen die aber aendern! haha."

Hört sich stark danach an, als hätten sie als Lieferant diese "feinen" Verhaltensweisen wiederum von Apple gelernt! <:-)

Drauf gepfiffen!

Von: Der Dietäh | Datum: 16.06.2006 | #35
Liebe Freunde, einmal ehrlich, wenn morgen Kai einen Artikel auftut wie unethisch die Intel CPUs produziert werden wird dann irgendwer sich seinem Ruf 'Back to PPC' anschliessen? Neee. Nichteinmal wenn er die ganze Ataq-Clicque ins Booot bekommt.

Ich bin mal ganz ehrlich - mir ist es schnurzpiep, solange ich die geilen Teile zum aktuellen Preis oder besser noch billiger bekomme. Da bin ich - und offensichtlich die überwiegende Mehrheit -ganz Heuschrecke, sorry, Münte.

Dann aber Mal nachgedacht, liegt es vor allem an zwei Gruppen:
1. Die Konsumenten, denn wenn die statt nach geilem Geiz nach Ethikk kaufen bleiben solche Billigprodukte eben im Regal und die Firmen werden blittzschnell auf viel teurere Ethiklines umsteigen und - da die prozentuelle Marge ja gleich bleibt oder grösser wird, noch mehr Knete kassieren. Der Markt regiert und die Nachfrage (im Rahmen des Angebotes) steuert die Industrie..

2. die chinesischen Gesetzesmacher und Regierung, denn wenn die eerst einmal so einen dicken Sozialfilz und Kollektivverträge einführen wie bei uns sit es gleich wieder billiger in good old Germany zu fertigen. Wollen die aber nicht weil das chinesische Wirtschaftswunder ja auf Billigstarbeit (auf Kosten von Lebensqualität, Gesundheit, ja sogar Leben) der Arbeitnehmer dort basiert. Und wenn's darum geht sind die genauso stur und zielbewusst wie darin, gegenüber Dollar und Euro nicht aufzuwerten.

Wer im Gymnasium vielleicht 'die Weber' gelesen hat kriegt eine ganz grobe Vorstellung, wie's dort in den Fabriken zugeht. Und von dem Monatslohn dort kann man hierzulande kaum einmal essen gehn.

Die rote Volksrepublik China muss man dabei übrigens fein säuberlich aussondern, denn auf Taiwan geht's ganz anders zu. Zwar immer noch mit langen Arbeitszeiten und wenigen Sozialleistungen, aber doch mit einem Lebensstandard der überaus nah am Westen liegt. Und deutlich mehr freien Tagen als bei uns oder sogar den Ösis (z.B. 1 Woche Neujahr, 1 Woche Mondfest, immer wieder einige Tage sturmfrei in der Hurricansaison,...)

Neu: Quatsch

Von: Der Dietäh | Datum: 16.06.2006 | #36
Tja - das mit dem Mangel an Konkurrenzsystemen ist schlichtwegs Quatsch.

Der (kommunistische) Marxismus ist zwar ausserhalb von Nordkorea, Cuba und da-war-doch-noch-was tot - zum Glück - aber der Sozialismus in verschiedensten Ausprägungen lebt und gewinnt laufend an politischem Einfluss. Musterbeispiele ausserhalb der glorreichen (Nord)Westen: Lateinamerika, wo die Söhne und Töchter von Che und Bolivar die Macht nehmen, etwa Lulla.

Das Islamische System findet zunehmend Anhänger im Nordafrikanischen und Süd/Südwestasiatischen Raum - mit eigenem, wenn uns auch fremden, Wertesystem

Und dann gibt's im reichen Westen, wo man sich Fadesse und Sozialempörung bei vollen Mägen und Banana Republic Couture im Kasten ja wohlfeil leisten kann, bald soviele Subversive Gegenbewegungen wie Fastfoodangebote in einer US-Mall.

Dass es erfreulicher Weise auch in Schwellen- und Entwicklungsländern anders geht sieht man in manchen lateinamerikanischen Staaten, wo es mittlerweile sehr hohe Umweltauflagen für Industrieprojekte gibt. Zunehmend kommen Sozialauflagen dazu - da kann China nur von träumen. Drum fliesst ja auch mehr und mehr an Produktion und Wirtschaft in die 'Volksrepublik' ab. Dort schei$$t man auf die ArbeiterInnen, ihre Rechte und ihr Wohlergehen - da nutzt auch ein Herr Sommer mit seiner Plastetütenüberziehertrillerpfeifenanhängergewerkschaft nix. Übrigens unter dem Jubel der Aktionäre und noch mehr der Konsumenten, die sich zur überwiegenden Mehrheit wie blöde über jedes vermeintliche Schnäppchen freuen.

Jetzt sagt mal bloss dass ihr alle nicht so seid und auch in eurem Bekanntenkreis niemand... Denn wenn das wirklich so wäre, dann hätte sich das schon selbst überholt und wir würden alle mit der Gutmenschenmedaille um den Hals rumlaufen.

@ Kai

Von: johngo | Datum: 16.06.2006 | #37
Was heisst denn (für Dich) "in Deutsch-
land" produziert?

Wenn es um die Komponentenmontage
geht, dann habe ich schon darauf
hingewiesen, das meine beiden Rechner
"made in Germany" günstiger waren, als
die chinesischen Macs und ich wüsste
nicht, wieso dann Deine angenommener
zwei- bis dreifacher Preis nicht nur
einfach Deiner blühenden Phantasie ent-
springt.

Da eine Montagestunde einer festen
Klakulation unterliegt (nehmen wir
einmal für einen Rechner 2 Stunden an),
dann kann das ganze Produkt auch nicht
mehr, als diese 2 Stunden teurer
werden (sogar in Bezug zu einem nord-
koreaanischen Null-Euro-Stundenpreis).

Also wären vielleicht 80.- Euro im
Grosshandelspreis der mögliche
Unterschied. Alles darüber ist reine
Phantasie.

Und im Einkauf von grossen Kunden,
die relevante Mengen von Rechnern er-
werben, sieht die Rechnung dann ganz
anders aus. Die kaufen sehr häufig hier
produzierte Rechner, weil sie deshalb
auch nur hier passende Rabatte, Support und
Ersatzteile in Mengen bekommen.

Warum wohl ist Apple in den Firmen
in Deutschland so wenig vertreten? ;)


----


Und würden die DidCams in Deutschland
produziert, dann würden sie auch in
Deutschland gekauft werden. Nur, wenn
man sie im billigsten Ausland produziert,
dann müssen sie automatisch so billig
sein, das sich die Arbeitslosen hier
noch ne Digicam leisten können. So wird
ein Schuh draus.

Und das unser Kapitalismus nur noch mit
den Billiglohnländern funktioniert, sehe
ich auch genau anders herum. Denn warum
sonst funktioniert er dort, wo produziert
wird? Und warum sagts Du, das er bei uns
funktioniert, wo er doch beweisbar nicht
funktioniert, weil der Geldfluss so
ziemlich am erliegen ist. Oder berufst
Du Dich auf die künstliche Verlagerung
von Wachstum durch die Vorzieheffekte
der kommenden neuen MWSt. ?

Würde der Staat nicht andauernd Arbeits-
plätze exportieren (z. B. durch EU-Gesetze),
dann würde hier beides boomen: der Arbeits-
markt sowie die Märkte der Produkte, die
dieser Markt erarbeiten würde.

Vielleicht liegt die Ursache des Problems …

Von: Besucher | Datum: 17.06.2006 | #38
… viel tiefer. Ich bin irgendwann einmal auf diese Seite gestoßen:

[Link]

Anfang hielt ich es für eine der üblichen Paranoia Seiten. Sicherlich liest man sowas gerne und vergisst es dann wieder. Nur hier war es anders … Kapitalismus ist lediglich die Manifestation eines grundlegenden Problems, dem sich die Welt irgendwann stellen muss.

@Besucher

Von: Marc Albrecht | Datum: 17.06.2006 | #39
Guten Morgen,

Zins ist aber nicht zwingend mit Geld verbunden.
Ich z.B pflanze jede Jahr diverse Gemüse auf meinem Balkon an.
Aus einem Samen entsteht eine Pflanze die wiederum Früchte trägt, die Samen enthalten.

hm....

Ebenso läßt sich dies auf Joghurt anwenden etc. pp.

Da Zins heute ein unglaublich kompliziertes Gewerk ist, das zudem durch Inflation und Subvention extrem verzerrt wird, kann man nicht pauschal den Zins als schlecht anführen.

Hier mal ein paar links:

[Link]

[Link]

[Link]

Grüße

Marc™

@Kai: O-Ton Foxconn

Von: mitleser (das original) | Datum: 17.06.2006 | #40
Einkaeufer zum Lieferanten: "Verdammte Scheisse! Warum ist Euch das nicht eher aufgefallen!" (*tiefes durchatmen*)"....Oh Entschuldigung! Das war ein bisschen zu hart. Lasst mich das nochmal ein wenig anders formulieren. So. Ihr hattet also diese Probleme in der Produktion. Na, bitte sagt uns naechstes Mal frueher bescheid und wir koennen uns ein paar Massnahmen ueberlegen.."
jaja, die alten Gewohnheiten...netter zu Lieferanten sein ist seeeehr schwer ;-)

@ Marc Albrecht und andere Schicksalsergebene

Von: wolfgang | Datum: 17.06.2006 | #41
>Vor gar nicht allzulanger Zeit war das in Europa >auch nicht viel anders (Kinderarbeit, Arbeiter >zusammengepfercht auf engestem Raum).

Die Folge waren. Hitler, Stalin, Mussolini ...
Und "solche Typern" sollen jetzt in China, Indien Südamerika und Afrika wiederkommmen? Weil wir eh nix machen können, oder wie meinst du das?

Ich finde gerade Apple User, der Mac ist das demokratische USA, sollten Druck auf "ihre Firma" machen, gegen so was zu vorzugehen.

Ein Bangl Desh arbeiterin bekommt 3% am Sportschuh den sie näht. Das MArketing 30% um Backham 250 Millionen vbezahlen zu können?
Findest du das ok?
Ist das notwendig?
Kann man das nicht ändern?
Hast du schon einmal von Transfair Produkten gehört?

@ wolfgang

Von: johngo | Datum: 17.06.2006 | #42
" ... Arbeiterin bekommt 3% am Sportschuh
den sie näht. Das Marketing 30% um Backham
250 Millionen bezahlen zu können?
Findest du das ok?
Ist das notwendig? ..."

So sieht's aus. Das ist nicht o. k.
und ist nicht notwendig!

Ob jeder Einzelne die entsprechende
Entscheidung trifft, um in seinem
(Kauf-)Verhalten dies zu berücksichtigen
oder ob er es nicht tut, ist immer ihm
überlassen.

Die Erkenntnis aber, das man selbst
diese Schieflage produziert, sollte man
nicht verdrängen. Gerade deshalb nicht,
weil die klassischen Apple-Produkte
auf der einen Seite einen Teil des
Geldes mit dem Anspruch des Besonderen
erlösen, aber auf der anderen Seite
es kaum notwendig ist, das Steve Jobs
zu seinen Milliarden an Privatvermögen
immer noch weitere Milliarden hinzu-
stellt. Oder ist das Besondere nur noch
finanzieller Erfolg des Erfolges wegen?

Wieviel Euro eines (z.B.) iMacs gehen
direkt an Steve? Wer weis da was?

@Wolfgang

Von: Marc Albrecht | Datum: 17.06.2006 | #43
Guten Tag,

niemand hindert Dich daran Transfair Produkte zu kaufen. Letzenendes mußt Du das glauben was die Marketungabteilung von Transfair Dir sagt. Überprüft hast Du es wohl selbst noch nicht.

Mit Deiner Argumentation:

"findest Du das okay, ist das notwendig und kann man das nicht ändern", implizierst Du schon den Weg Macht auszuüben und befindest Dich auf dem selben Weg, den auch die von Dir angeführten Personen angefangen haben zu beschreiten.

Und wie gesagt: Beurteile ein Land nicht von unserer Sicht. In anderen Ländern können 50 Cent reichen eine Woche rumzubringen.

Es ist definitv falsch aus unserem Geldwertniveau zu argumentieren.

Zudem halte ich es für deutlich angemessener, wenn sich die entsprechend Betroffenen selbst wehren. Diese Menschen haben ebenso ein Gehirn, welches Sie zum nachdenken benutzen können. Wenn Du von aussen meinst eingreifen zu müssen, gehst Du den Weg des Beherrschenden.

Grüße

Marc™

Es gibt ja durchaus Computer...

Von: Jens | Datum: 17.06.2006 | #44
die in D assembliert werden, z.b. bei Manufaktum.

[Link]

Der einzige Nachteil dabei ist: Das Ding läuft mit dem System von der "Dunklen Seite der Macht" und auch da finden sich Teile von Foxconn. Bislang ist das Fair-Trade Projekt ja nur auf Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte beschränkt, bislang habe ich noch keinen fair gehandelten MP3-Player, Computer und sonstige High-TechProdukte deiner Wahl gesehen.

Davon mal abgesehen: China ist bereits im Wandel, weg von den konfuzianischen Werten. Und da waren auch bei uns die Städte die Vorangänger. Ich kenne genügend Chinesinnen und Chinesen aus den Städten, die eben nicht so leben, wie man sich das hier so vorstellt.

Und bei uns sah es auch noch nach dem 2. WK so aus. Es gibt hier genügend Industriemuseen, die zeigen, das auch in den 50ern und 60ern viele Arbeiter in großen Gemeinschaftsschlafsälen mit gemeinsamer Dusche leben mussten.

@Wolfgang: transfair

Von: Laughing Buddah | Datum: 17.06.2006 | #45
Tja - super Ansatz, klar doch, ebenso wie andere Ansätze, besonders im Lebensmittelbereich.

Nu sag mir jetzt ma flott, wo ich denn den Transfair PC bekomme, der mit meinem MacOS X kompatibel ist? (Dank Intel-Transition kann das ja wohl kein Problem sein!) Und dann hätt ich gern einen Transfair-Nachfolger für meinen 18 Jahre alten Diesl-Franzosen, muss leider schon beruflich individual-verkehrbar sein.

Und dann würde ich WAHNSINNIG gerne, wenn ich in der Freizeit und Umweltkompatibel unterwegs bin, mit Transfair-Öffis fahren. Gibts nicht? Wieso, wenn das Konzept so toll ist und alle Leute, wie ich staunenden Auges hier lese, vom internationalen Grosskapital so abgeturnt sind. Grund genug zu Linux zu switchen und zu leiden? Neee!

Is eben was anderes, ob ich für'n Kafee 10% mehr zahle, der eigentlich Scheisse schmeckt, weil mit Robusta verschnitte, denn m ir treibt das wohlig-Warme ums Herz die Kullertränchen vor Rührung über meine Eigene Güte ins Auge und der maue Geschmack ist für mich Beweis und urkatholisch auch gleich Selbstbestrafung als Pfad ins Himmelreich.

Vielleiht kommt ja vom bösen Gott-sei-bei-uns Billy was in der Richtung. Der hat ja nicht nur mit seinem ollen Kleinweich ein Konzept realisiert, um in Entwicklungsländern günstig ('doze)PCs herzugeben (natürlich nur um dem Pinguin das Wasser abzugraben) und ist mit seiner Stiftung einer der grössten Finanziers bei Malaria- und Tuberkulose Forschung, er will sich ja jetzt fürderhin mit seinem Vermögen ganz wohltuatigen Zwecken widmen. Und das während der iStiff, der übrigens von den einzelnen billig im Unrecht produzierten Macs, die viel zu teuer verkauft werden, direkt wenig bis garnix sieht - fröhlich mit seinem Firmenjet durch die Weltgeschichte braust und (siehe Beispiel Indien) Turbokapitalismus pur lebt.

Aber wir haben ja wichtigeres zu tun, wir bringen erst mal unsere kleine Welt hier in Ordnung und geben - und das ist ECHT wichtig - den Kailibans Contra bis zum abwinken. Denn schliesslich, frei nach Brecht, erst kommt mein Intel™Mac™, dann kommt die Moral...

Problem: Wechselkurse der Devisen

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 18.06.2006 | #46
Das wirkliche Problem sind die Wechselkurse. Deren Beliebigkeit ermöglicht erst die Nutzung der Globalisierung. Wenn der Wechselkurs zB mit China so angepasst wäre, dass eine vergleichbare Arbeitsleistung in beiden Währungen vergleichbar viel kosten würde, gäbe es das Problem nicht mehr. Wenn zB für einen Hamburger ein Münchner 15 Min arbeiten müsste und ein Shangaier 30 Min, wäre ein "Wechselkurs" angemessen, bei dem dieser Shangaier sich für die Bezahlung von 30 min einen Hamburger aus München importieren könnte (ohne Versand ;-)).

Statt dessen müsste er aber für einen solchen Hamburger (3 Euro?) einen ganzen Tag arbeiten. Versteht Ihr? Der Rest ist ein ungleichgewichtiger Wechselkurs.