ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 467

Leo Kirch: wie versilbert man Familiensilber?

Es bröselt im Medienhimmel

Autor: bh - Datum: 06.03.2002

Leo Kirch und kein Ende der Finanzmisere: der alternde Medientycoon will sich zur Not auch von seiner Formel 1 Beteiligung trennen, berichtet der Media Guardian aus Großbritannien. Bisher war seitens der KirchMedia lediglich die Rede davon gewesen, den Sender "Premiere" abzugeben - nun geht es an Familiensilber. Die Anteile an der Formel 1 Vermarktungsgesellschaft SLEC (benannt nach der Mehrheitseigentümerin, der steuerschonenden Ehefrau SLavica ECclestone) könnten einiges wert sein - aber weil sie die Ausbeutung durch Kirch fürchten, haben die Automobilkonzerne mit dem Aufbau einer neuen Rennserie gedroht, wenn Formel 1 auf Pay-TV beschränkt werden sollte. Die KirchMedia hat Schulden (in realitätsverschleierndem Fachausdruck müßte man "Verbindlichkeit" sagen) von 6,5 Milliarden Euro. Durch den Verkauf von 25% des spanischen Fernsehsenders "Telecinco" könnte Kirch Zeit schinden - er bekäme dadurch in etwa so viel, wie der demnächst fällige Kredit der Dresdner Bank ausmacht. Der mittlerweile fast völlig erblindete Leo Kirch gilt als eine der Lichtgestalten der Medienszene - in den letzten Jahren ist ihm aber Rupert Murdoch zuehmend auf den Fersen. Durch Kanzler Schröders Unterstützung kann Kirch wieder Hoffnungs schöpfen - in der Tat käme der Politik eine ‹bernahme von Fernsehsendern durch den australischen Zampano nicht gerade gelegen. Ob es zu dieser extremen Situation kommen könnte, wird aber ohnedies bezweifelt - Leo Kirch wehrt sich mit Händen und Füssen dagegen, Anteile bei ProSiebenSat.1 abzugeben, selbst wenn die Schulden drohen. Insgesamt ist Kirch immerhin noch die Nummer 445 von FORBES Liste der reichsten Personen der Erde.

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