ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 535

UMTS-Aufbau: Politik hilft nicht mit?

Gesundheitsrisiken nicht abschätzbar, aber zählt das?

Autor: bh - Datum: 19.02.2002

Am 17. Februar war es bei Onkel Heinz Heise zu lesen: VIAG Interkom Chef Rudi Gröger griff die Bundesregierung harsch an. Man fühle sich alleingelassen, weil die Regierung nicht hinter dem UMTS-Ausbau stehe. Zuerst habe der Staat die Lizenzen teuer verkauft und nun müßten die Telekom-Unternehmen vielerorts gegen Bürgerinitiiativen und Gerüchte um Gesundheitsschädlichkeit kämpfen.
Erst heute, am 19. Februar, sind wir fähig, dazu etwas zu schreiben. Zu lange waren wir mit Weinen beschäftigt, nun aber sind die Tränen getrocknet und wir wollen Herrn Gröger und Konsorten Trost und Rat spenden. Wohlan! Ob UMTS oder auch GSM-Funknetz gesundheitsschädlich sind, ist ungewiß - Verdachtsmomente, daß die Strahlung Krebs verursache, gibt es aber. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat angegeben, daß mit seriösen Studien erst über einen Zeitraum von 10-15 Jahren zu rechnen ist. Vorher werden wir es wohl nicht wissen, und der Ausbau ist ein Risiko. Ein wirtschaftliches für die Telekom-Unternehmen und ein gesundheitliches für die Bevölkerung.
Ein Hausbesitzer verdiente sich ein wenig dazu, indem er der Telekom erlaubte, auf sein Haus einen Sendemast zu stellen. Ein Mieter hatte Angst um seine Gesundheit und klagte. Das Oberlandesgericht München (wenn ich mich recht erinnere) urteilte, daß allein wegen der Sorge um die eigene Gesundheit hier eine Minderung des Mietzinses um 25% gerechtfertigt sei. Es dürfte sich also somit nicht mehr auszahlen, dem UTMS-Ausbau weht ein unangenehmer Wind entgegen. Die Stadt München hat mittlerweile auf die Stimmung in der Bevölkerung reagiert und das Aufstellen von Sendemasten auf öffentlichen Gebäuden verboten.

So komisch und versponnen einige Bürgerinitiativen sich manchmal präsentieren - die Wehlklagen, man habe nun einmal investiert, sind lächerlich. Wirtschaftliches Risiko geht Herr Gröger oft ein, vor dem UMTS-Wahn haben einige kluge Kommentatoren gewarnt. Wenn schon bei der Vorgängergeneration die Diskussion um die Gefährlichkeit der Strahlung entbrennt, wieso wirft man sich dann völlig kritiklos auf den Nachfolger? Sollte sich die Politik gegen den Souverän (das Volk) stellen und der Wirtschaft in einer wissenschaftlich nicht geklärten Situation den Rücken stärken? UMTS hat keine Mehrheit, was bei einem erst grob umrissenen Produkt nicht verwunderlich. Mit Auftritten wie jenem des Herrn Gröger ist niemandem gedient. Um Investitionen zu weinen wird nix helfen, vielleicht sollte die Telekomindustrie einmal in tatsächlichen Dialog mit den Bürgern treten. Die Branche muß mit UMTS bis Ende 2003 mindestens 25% der Bevölkerung Deutschlands erreichen, sonst erlöschen die Lizenzen und sie können die Milliarden abschreiben. Bis zu diesem Zeitpunkt wird der unbekannte Faktor der möglichen Gesundheitsgefährdung nicht geklärt sein. Patt-Situation? Mein Mitleid mit den betroffenen Unternehmen hält sich in Grenzen! Es wird allerdings nicht mehr lange dauern, bis der erste entgrätete (rückgratlose) Vorstandschef aufsteht und droht "Deutschland wird Europas Schlußlicht in Sachen UMTS" und dann werden sich beim Kanzler (egal welcher) die Hemdsärmel von selbst aufkrempeln und es gibt Nägel mit Köpfen zum deutschen Mittagstisch.

Kommentare