ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 59

David Coursey, Rächer der enterbten Webmaster

Apples MacWorld-Zensur ziemlich erfolglos

Autor: bh - Datum: 20.07.2002

Jene aus der Leserschaft, die auch den MacMarines (einer der besten Mail-Communities) angehören, werden es schon gelesen haben. Für alle anderen: das Kapitel rund um die ausgeladenen Webmaster hat eine Fortsetzung bekommen.

Die Geschichte begann ja damit, daß Scott McCarty der Pressepass für die MacWorld New York verweigert wurde, weil er eine "rumor site" betreiben würde. Einige andere Websites wurden ebenso behandelt, darunter MacFixit und AppleLust. Scott bekam seinen Presse-Button aber noch per Post, war wohl ein Versehen - er kam sich verarscht vor. Jedenfalls probierte er es mit diesem Button - doch die Zerberus an der Türe nahm ihm den Button weg und vertrat ihm den Weg. Des Schicksals gütige Fügung war es aber, daß hinter Scott ein gewisser David Coursey stand - ZDnet Anchordesk, und neugewonnener prominenter Mac-User. Coursey fand Apples/IDGs Verhalten ziemlich mies, und schrieb ja auch in einer Kolumne, daß Apple vermutlich ihn selbst auch aussperren würde, wenn nicht ZDnet so verdammt groß wäre. Alle sind gleich, ein paar sind gleicher. Coursey nahm Scott unter seine Fittiche und betrat das Gebäude erst, als auch Scott McCarty, der ungeliebte Webmaster von Graphics Power, mit einem Presseausweis hineingelassen wurde - registriert als Mitarbeiter von Coursey bei ZDnet. David, wir lüften den Hut und verneigen uns ehrerbietig.

Drinnen entfaltete Scott dann eine rege Tätigkeit, er bekam von einigen Ausstellern, die verschwörerisch blinzelten, noch ein paar Presseausweise - die er prompt hinausschmuggelte, um weitere unerwünschte Webmaster reinzuholen. Bei einigen klappte es, bei manchen nicht. Dean Browell von AppleLust beispielsweise hatte einen Pressepass von einer anderen Website, aber hier genügte wohl schon der Name, um ihm den Zutritt zu verweigern. Die Typen von MacNN sollten ja auch nicht rein, aber hier machte Apple einen schnellen Rückzieher. MacFixit wurde nicht zugelassen, schaffte es aber mit fremden Pressepässen einer Macintosh User Group, doch in die Pressezone reinzukommen.
Apple hat die Erfahrung gemacht, wie gut der Zusammenhalt in der community ist - und wie es sich anfühlt, mit nacktem Arsch in den Nesseln zu sitzen. Die meisten prominenten PC-Zeitschriften interessierten sich für diese Art von vorausblickender Zensur, und ein längst vergessener SPIEGEL-Bericht erinnert an die lange Tradition solcher Maßnahmen.
Wir haben die Erfahrung gemacht, daß Apple seine kleinen Freaks nicht mehr liebt - man bekommt eins auf die Nuß, wenn man klein genug ist. Die Redaktion der MacGuardians ist gespannt, wie die Situation im Jänner bei der MacWorld San Francisco ist: letztes Jahr hatten wir zwei Presseausweise für die rasenden Reporter Gila & Roland - 2003 sind wir vielleicht schon böse Sudelpresse und müssen nach den Rockschössen von David Coursey Ausschau halten.

Kommentare