ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 825

Ausblick für Apple

Was nach der MWNY2002 möglich erscheint

Autor: wp - Datum: 25.08.2002

Wieder ist eine MacWorld-Keynote mit einem etwas schalen Nachgeschmack an uns vorübergegangen. Kleine Detailverbesserungen, ein paar Wiederholungsankündigungen und das wars. Nicht die erste Macworld, die enttäuschend war in Hinsicht auf Apple-Innovation. Trotzdem bin ich eigentlich ganz optimistisch, denn wenn ich alle verfügbaren Informationen und Gerüchte zusammensetze,... Wieder ist eine MacWorld-Keynote mit einem etwas schalen Nachgeschmack an uns vorübergegangen. Kleine Detailverbesserungen, ein paar Wiederholungsankündigungen und das wars. Nicht die erste Macworld, die enttäuschend war in Hinsicht auf Apple-Innovation. Trotzdem bin ich eigentlich ganz optimistisch, denn wenn ich alle verfügbaren Informationen und Gerüchte zusammensetze, finde ich zwei ganz interessante Trends.

Trends

Das ist zum einen der Trend von der Hardware zur Software. Apple hat in letzter Zeit mehr Software-Produkte entwickelt als Hardware. Nach der Einführung von MacOS X, die meiner Meinung nach noch nicht besonders innovativ war, da hauptsächlich eine Verschmelzung von OPENSTEP und MacOS 9 (mühsam genug, aber noch nicht der Killer, zumindest nicht für einen alten OPENSTEP-Hasen wie mich), hat Apple jetzt anscheinend eine Plattform zur Verfügung, auf der sie schnell neue Produkte entwickeln können. An dieser Front kann ich mir vorstellen, dass Apple ein weiterhin hohes Tempo vorlegt und eine Menge neuer Produkte und auch Basistechnologien anbieten kann.

Der andere Trend ist der zum Hardware-Entwicklungsstau. Eine Hardware-Plattform lebt von ihrer ständigen Weiterentwicklung, da die Kunden sonst nichts Neues kaufen müssen. Die neuen Kundenkreise in der Wissenschaft, bei Webservern und im Bereich der UNIX Geeks, die Apple offenbar ansprechen möchte, brauchen außerdem hohe Rechenleistung oder wollen diese zumindest haben. Auch Apple weiß natürlich, dass sie derzeit nicht mit den leistungsfähigsten Systemen auf dem Markt konkurrieren können, wie dem Power4 von IBM, dem alpha, Intels Pentium4 oder AMDs CPUs.

Trotzdem hat es in letzter Zeit nur kleine Verbesserungen im technischen Bereich gegeben, (nicht beim kleveren Packaging, vgl. iPod, neuen iMac oder eMac, sondern im rein technischen Segment). Da waren wohl nur:
- Taktrate des Speicher auf 133 MHz (Quicksilver)
- größerer DDR SRAM Cache (Dual-GHz G4s)
- DDR Speicherzugriff der Festplattenkontroller (XServe)
Alles kleinere intelligente Verbesserungen, aber keine Durchbrüche. Und jetzt hat es in New York nicht mal eine Taktsteigerung bei den G4s auf 1.2 GHz gegeben.

Beobachtungen

Auf der anderen Seite stehen folgende Beobachtungen:

- Apple ist angeblich an der Entwicklung des G5 selbst beteiligt.

- Die erste CPU mit G5-Technologie steht für embedded Systeme in Kürze (oder jetzt schon?) zur Verfügung.

- Apple hat vor einem Jahr das Hypertransport Consortium mitgegründet (ein Standard zur schnellen Verbindung von Komponenten auf Mainboards).

- Apple hat Raycer gekauft, eine Firma, die Graphikchips entwickelt.

- Apple hat Milliarden auf der hohen Kante, die sie für CPU-Entwicklung ausgeben könnten und vielleicht auch müssen, um nicht unterzugehen.

- Es ist möglich (vgl. IBMs Power4) auch bei niedrigeren Takten schnelle CPUs zu bauen, also auch bei den Taktraten, die Motorola derzeit hinkriegt.

All dies sieht eigentlich sehr vielversprechend aus. Was also ist los, und wieso kommen keine neuen Produkte, basierend auf den obigen Aktivitäten, insbesondere keine grundlegend neu entworfenen Systeme?

Wann bricht der Damm?

Und hier sehe ich den Entwicklungsstau. Wann wird der Damm brechen? Vielleicht nie, es kann ja durchaus sein, dass die Entwicklungen nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht haben und leise eingestellt worden sind. Mir erscheint es aber wahrscheinlicher, dass Steve Jobs einen großen Coup plant, das würde auch besser zu ihm passen. Möglicherweise entwickelt Apple an einem neuen System, das einfach die eine oder andere Generation überspringt und mit dem sie richtig klotzen statt kleckern wollen.

Wie könnte ein solches System aussehen, basierend auf den obigen Überlegungen? Die CPU würde vermutlich auf Book E (G5) Technologie basieren, wobei für die wissenschaftlichen Kunden eine stärkere Fliesskomma-Einheit rein müsste, vielleicht von IBM lizensiert. Auch der Trend zu größeren L1/L2-Caches würde sich sicher widerspiegeln. Die Taktrate dürfte keine besondere Überraschung bringen, da diese u.a. von den dann zur Verfügung stehenden Prozessen abhängt und Motorola nicht zaubern kann. Die CPU(s) könnte mittels einer Hypertransport-Brücke mit dem Rest des Systems verbunden sein. Dies würde es Apple ermöglichen, die anderen Komponenten (PCI Bridge, Firewire, AGP Bridge, Gigabit Ethernet) dazuzukaufen, was die Entwicklungskosten senken könnte.

Ein Graphikprozessor aus Eigenentwicklung, der ebenfalls per Hypertransport angebunden ist, könnte das Board vervollständigen, wobei dieser eine OpenGL Hardware-Unterstützung haben könnte, um Quartz kräftig zu beschleunigen. Hier wird Apple vielleicht noch auf die nächste Version von OpenGL warten wollen, die gerade in der Entwicklung ist. Auch würde eine Hypertransport-Anbindung mittels eines Steckers sicher besser sein als eine Integration auf dem Mainboard. Auch ein solcher Stecker ist erst in der Entwicklung (durch Apple?).

Diese Kombination: schnellere CPU - Hypertransport - OpenGL HW-Graphikchip könnte ein sehr leistungsfähiges System ergeben. Ein solches System macht wohl erst dann Sinn, wenn die Komponenten zusammenpassen, somit wäre es witzlos und aufwendig, jetzt einzelne Teile des Konzepts in existierende Systeme einzubauen.

Apple scheint die Resourcen und Kompetenzen zu haben, wir werden uns aber wohl noch etwas gedulden müssen.

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