ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 829

Final Cut Pro - to update or not to update? (1)

Der Umstieg von FinalCut Pro 2.0 auf 3.0
Teil 1 einer 5teiligen Serie rund um Apples NLE-Flaggschiff

Autor: wp - Datum: 19.06.2002

Ein Artikel zu "Final Cut", also dem letzten Schnitt - kommt hier etwa doch noch der langersehnte Abschlussbericht von Dr. Macinstein über seinen radikalen iBook-Umbau, der kleinlaut davon erzählt, wie dem Gerät versehentlich der Gnadenschuss gegeben wurde? Oder gibt Dr. Frankenmac, der Chefchirurg der MacGuardians, gar seine Praxis auf? Nun, hier schreibt zwar Roland Müller, aber es geht ihm letztlich doch nicht um eine Stellungnahme zum 1995 erschienen Nature-Artikel von Prof. Moira Whyte, die seinerzeit titelte "Apoptosis: The Last Cut Is The Deepest". Was nicht wundert, denn Prof. Whyte beschäftigt sich zur Zeit mehr mit Lungenentzündung, und ich habe zumindest noch keinen Mac husten sehen, auch nicht nach einer Behandlung durch Dr. Frankenmac!
Nein, nein, schnöderweise geht es halt doch um Final Cut Pro, die Apple-Software für ("Pro" ist ja lateinisch und heißt gerade "für" - wer will da noch sagen, in Computerfirmen des Silicon Valley sei humanistische Bildung Mangelware) Filmprofis und solche, die es werden wollen. Aber von wegen "final", dies ist nur der Anfang. Es wird eine ganze Reihe geben zum Umstieg auf Final Cut Pro, und zwar bei MacReview. Happy movie-making! Eigentlich war ja bereits vor Monaten unser Einstieg in eine mehrteilige Serie über DV-Postproduction und nonlinearen Schnitt mit FinalCut Pro 2.0 vorgesehen. Das Projekt war auch schon recht weit gediehen, als Apple dann die 3. Stufe zündete. Dumm gelaufen, einerseits. Andererseits stellt FinalCut Pro 3.0 einen wesentlich größeren Schritt für uns DV-Dilettanten und Amateurfilmer dar, als der schlichte Zahlensprung von 2.0 auf 3.0 vermuten lässt. Zumal FCP 3.0 auch native unter OS X läuft (wenn auch nicht bei mir, aber darauf komme ich noch, weiter unten!). Eine doppelte Umstellung also. Und nicht nur deshalb einen doch recht umfänglichen Artikel wert. Denn für alle Amateur-Cutter, die bisher mit FCP 2.0 gearbeitet haben, wird es - so hoffe ich - hilfreich sein, die Tricks und Tipps zu beherzigen, die den Umstieg nahtlos und stressfrei machen. Beispielsweise, wenn es gilt, ein unter 2.0 begonnenes Videoprojekt auf 3.0 zu übertragen und weiterzubearbeiten.

Intro

Der Blick zurück...

...ist beileibe nicht im Zorn. Ganz im Gegenteil. FCP 2.0 war und ist ein mächtiges Tool für den nonlinearen Schnitt. - "Produktionsmittel in den Händen der Werktätigen", das galt schon einem Karl Marx, Gott hab' ihn selig, als Schlüssel zu einer besseren Welt. Nun gut, der Gang der Geschichte hat uns allen aufgezeigt, wie das so ist mit derlei Utopien. Aber egal, wenn je eine einzelne Software dieses Prädikat für sich in Anspruch nehmen konnte, dann ist das sicher Final Cut Pro, Apples nonlineares Schnittsystem für Analog- und Digital-Video.

Wer sollte sich das Upgrade von 2.0 auf 3.0 verkneifen?

Vor allem jeder, der noch auf einem G3 arbeitet, ganz gleich, ob es nun ein beiger G3/300 oder ein frisierter BlueWhite ist. Forget it! Das gilt auch für jeden, der weniger als 512MB RAM installiert hat. Weniger, weil FCP 3.0 selbst allzu RAM-hungrig ist. Aber schließlich gibt es da eine Menge zusätzlicher Programme rund um FCP, die sehr hilfreich sind und speicherhungrig. Wie auch die neuen Leckereien in der 3er-Version wie z.B. die VoiceOver Funktion - wer in der PostPro eine Offstimme einbauen will, sollte lieber sattes Extra-RAM für den Cache vorsehen. In Anbetracht der günstigen Preise kein Problem, oder? Wie auch immer, es gilt also vor dem Umstieg sehr genau zu überlegen. Denn wenn ein Videoprojekt erstmal unter 3.0 gesichert ist, gibt es keinen Weg zurück - unter 2.0 können die Projekt-Dateien dann nicht mehr bearbeitet werden!

Wovon auch abzuraten ist - aus eigener leidvoller Erfahrung - ist ein Update von 2.0 unter OS 9 auf 3.0 unter OS X. Apples Upgrade-Paket setzt nämlich voraus, dass auf dem Rechner die gemischte Umgebung (OS X plus Classicumgebung plus OS 9) installiert ist. Ist stattdessen ein reines OS X System installiert, verweigert die OS X Version des FCP 3.0 Updates den Dienst mit der Meldung, dass „kein Systemordner“ gefunden worden sei! Pech für den, der konsequent mit einem reinen OS X System arbeiten will! Weshalb sich meine Kommentare im folgenden auch nur auf die OS 9 Version von FCP 3.0 beziehen. Ich war nicht in der Lage, auf meinem ausschließlich unter OS X laufenden TiBook zu updaten. :-( Und eine Vollversion hat uns Apple leider nicht zur Verfügung gestellt.

Dann wollen wir mal... auf Nummer Sicher gehen

Also, wir haben uns zum Update entschieden. Was gilt es zu beachten? Zuallererst sollte man ein komplettes Back-up des Projekte-Folders machen, den man unter FCP 2.0 angelegt hat. Einfach, um im Notfall in der Lage zu sein, weiter unter FCP 2.0 arbeiten zu können, wenn aus irgendwelchen Gründen beim Update etwas schiefgeht. Sicher ist sicher. Außerdem wird im Rahmen des Updates der "alte" Projektfolder samt Inhalt auf 3.0 gebracht. Und kann deshalb nicht mehr unter der Vorversion benutzt werden. Aus dem gleichen Grund (und weil 3.0 nicht die Preferences von 2.0 übernimmt) empfiehlt sich ein Back-up des aktuellen OS 9 Systemordners! Das mag jetzt manchem ein wenig übertrieben vorkommen. Aber in einem Videoprojekt stecken normalerweise dermaßen viel Arbeitsstunden, dass jedes noch so geringe Risiko eines Datenverlusts ausgeschaltet werden muss.

Back-up gemacht? Gut. Dann sollte als nächstes das aktuelle System auf Version 9.2.2 gebracht werden. Denn drunter tut's FCP 3.0 nicht. Clean Install wäre empfehlenswert. Faul wie ich bin, habe ich mir das aber verkniffen. Nichtdestotrotz: Wer die Zeit hat und auf Nummer Sicher gehen will, sollte die jungfräuliche Installation machen. Gleiches gilt bei Installation unter OS X: neueste Version bitte! Und falls der Rechner mit einer RTMac Karte ausgestattet ist, unbedingt von der Matrox-Seite die neuesten Treiber, Firmware-Updater und Enabler runterladen und installieren. Sonst ist ein Kernel Panic vorprogrammiert!

QuickTime 5.0.4 will nicht erkannt werden

FCP 3.0 setzt eine installierte QuickTime Version 5.0.4 voraus. QuickTime 5.0.4? Das gibt es doch laut Apples Support-Seite gar nicht! Ja, das hat mich auch gewundert. Denn nachdem ich wie vorgeschrieben, von der Update-CD (!!!und nur von der!!!) QuickTime 5 neu installiert habe, identifiziert es sich im Info-Panel ganz normal als 5.0.2.

QuickTime 5.0.2

Wenn man aber zuvor "Custom Installation" und dann "Alles auswählen" angeklickt hat, wird offenbar tatsächlich eine 5.0.4 Version installiert! Die sich vor allem gegenüber 5.0.2 dadurch auszeichnet, dass zwei zusätzliche (und später wichtige!) Codecs mit integriert sind. Den Hinweis darauf habe ich übrigens auf Ken Stones genialer FCP-Infoseite gefunden, deren intensive Nutzung ich nur jedem FCP-User ans Herz legen kann!

Alles wird gut

Ist das alles getan, kann endlich, endlich FCP 3.0 von der Update-CD installiert werden. Das sollte nach unseren umfänglichen Vorsorgemaßnahmen auch problemlos über die Bühne gehen. Dann kann man 3.0 starten und erstmal in Ruhe alle Funktionen testen. Und da gibt es ja durchaus ein paar neue Spielzeuge, auf die ich im Teil 2 unserer FCP 3.0 Serie ausführlicher eingehen werde. Ebenso wie auf ein paar grundsätzliche Tricks, wie man die bewegten Bilderchen elegant in FCP bringt und sich dazu eines Features von iMovie 2 bedient ;-). Bis dahin: Stay tuned!

Kommentare