ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 830

Das iMac-Tagebuch

Autor: wp - Datum: 04.06.2002

Oh Happy Day! Nun ja, ob es gleich Gospel-Gesänge werden, will ich nicht beschwören. Gehobene Stimmung kommt aber sicherlich auf, wenn er dann endlich da ist, nach mehr oder weniger langem Warten, Hoffen und Flehen ... der neue iMac. Alle Besitzlosen, bitte jetzt vor Neid erblassen - oder von mir aus auch grün im Gesicht werden: Ingmar Wenz hat ihn - he's got the whole iMac in his hand (wo wir doch eben bei Gospel waren). Da muss sich der Rest der Welt nicht wundern, wenn dem quasi-religiös in Ehrfurcht und Freude erstarrten Neubesitzer einfällt, dass sieben Tage schon mal irgendwann der Ursprung allen Lebens gewesen sein sollen, dies jetzt genau genommen wieder so ist und man durchaus in würdiger Nachfolge steht, diese Genesis einer ganz neuen Welt, des Reichs der Schneekönigin nämlich, gründlich festzuhalten. Schade nur, dass die MacGuardians nicht auch Schriftrollen herausgeben - so wurde diesmal nur ein Bericht für MacReview daraus. Mein neuer iMac ist jetzt vor einer Woche gekommen (das "jetzt" ist leider schon gut zwei Wochen her - sorry! d.Red.) und ich habe die ersten 7 Tage dokumentiert, um einen Einblick in das Leben mit diesem wundervollen Computer zu geben.

Tag 1

Das Auspacken eines Macs ist wirklich wie Weihnachten. Freudig und ungeduldig erlöse ich den iMac von seinen Kunststofffesseln. Der erste Eindruck ist schon mal hervorragend, das Gerät sieht einfach perfekt und vollendet aus.

Der Monitor erscheint mir zu Anfang unheimlich groß. Das liegt aber vermutlich daran, dass ich bisher mit einem iBook mit 12"-Screen gearbeitet habe und da ist die Veränderung natürlich umso größer. Ebenfalls fällt am Monitor auf, dass er etwas schief hängt. In diversen Foren hatte ich bereits Ähnliches gelesen, es aber nie wirklich gelaubt. Etwas enttäuscht bin ich jetzt schon, dass Apple bei einem so teuren Produkt keine bessere Qualität abliefert.

Nach dem ersten Einschalten startet erstmal Mac OS 9, Verwirrung und Angst machen sich folglich bei mir breit. Dann wird mir aber plötzlich bewusst, dass das nur der Startassistent ist, der mich durch die Installation der beigelegten Programme sowie von Mac OS X und 9 führt. Innerhalb von knapp 10 Minuten installieren sich daraufhin die 3 CDs. Danach geht es wie erhofft weiter, Mac OS X startet also.

Jetzt sind knapp 38 GB frei und ich schließe mein iBook per Firewire/Target-Mode an, um ein paar von diesen zu füllen. Als Gamer bin ich gespannt, wie gut die Geforce 2 MX wirklich ist. Gerade weil sie heruntergetaktet wurde, um weniger Hitze abzugeben.

Eine sehr anspruchsvolle Engine hat das neue Spiel RealmWars, zu dem bereits eine kleine Preview-Version verfügbar ist. Auf dem iBook war es (unter Mac OS X) selbst mit niedrigsten Einstellungen nie wirklich spielbar. Der 10 MB-Ordner ist schnell rübergezogen. Alle Details auf Maximum, 1024x768 und das Spiel läuft fast flüssig. Bei manchen Stellen geht die Bildrate unter die nötigen 25, aber da weder RealmWars noch Mac OS X finalisiert ist, bin ich sehr zufrieden.

Nach RealmWars will ich erst mal ins Netz. Also Ethernet-Kabel eingesteckt und ... da kommt die erste große Überraschung! Es geht nicht rein, ohne Gewalt nicht und auch nicht mit. Nach einigem Rumprobieren rufe ich erstmal meinen Händler an und dann einen guten Freund, der bei Gravis arbeitet. Beide kennen das Problem nicht, mein Händler rät mir, ihn einfach vorbeizubringen. Also wieder ab ins Auto und zum Händler. Dort wird er aufgemacht. Da noch Ram nachgerüstet wurde, könnte sich das Board etwas verschoben haben, so die Aussage des dortigen Technikers. Nach einem Blick ins Innere zeigt sich aber, dass das nicht der Auslöser ist. Wie sich nach einiger Zeit herausstellt, liegt das Problem am Ethernet-Anschluss selbst. Die neuen iMacs haben auch einen neuen Anschluss, der an den beiden Seiten über metallische Klammern verfügt. Eine von diesen Klammern ließ sich nicht hineindrücken, wodurch auch der Ethernet-Stecker nicht in den Anschluss ging. Dadurch, dass der iMac nun doch noch sehr neu ist, war das Problem noch nicht bekannt.

Nach einer Viertelstunde kommen wir dann zu dem Schluss, dass mein Händler ja noch einen iMac da hat (ebenfalls mit Combo-Drive) und ich ihn somit vor Ort austauschen könnte. Gesagt getan, bereits eine halbe Stunde später sitze ich wieder zu Hause und bin beim neuerlichen Installieren der CDs. Als erstes wird wieder mein iBook angeschlossen und per Firewire E-Mails und die wichtigsten Programme und Dokumente rübergezogen. Nach einer Stunde geht es dann erstmal ins Kino: Ice Age ist angesagt - schön, dass man mal nichts machen muss...

Um 10 Uhr bin ich dann wieder zu Hause. Noch insgesamt dreieinhalb Stunden habe ich danach damit verbracht, meinen iMac auszuprobieren und fast komplett einzurichten.

Mir ist übrigens noch aufgefallen, dass der Monitor beim Austauschgerät nicht schief hängt, insofern hat sich der kaputte Anschluss doch irgendwie gelohnt. :-)

Tag 2

Ich habe ja noch gar nicht meine Konfiguration angegeben. Also, mein iMac ist aus der Sorte derer mit 700 Mhz, Combo-Laufwerk und 40 GB Festplatte. Den internen 256 MB-Stick habe ich gegen 512 austauschen lassen (ist ja etwas mehr Friemelei) und dann noch in den anderen Slot 256 MB reingesteckt. Mit 768 MB sollte Mac OS X super laufen, aber auch mit allem anderen sollte ich somit eine ganze Menge Spaß haben. Die Maus von Apple erstrahlt in genialem Weiß, mir ist sie aber doch zu unfunktional. Als Gamer und als Mac OS X-Benutzer brauche ich mehr als eine Taste und ein Scrollrad. Also wurde die Apple-Maus gegen meine MS-Maus ausgetauscht. Außerdem habe ich noch einen Joystick von Saitek und eine Webcam von Philips angehängt. Damit sind die USB-Ports am iMac auch voll, an der Tastatur ist noch einer frei.

Da heute noch eine ganze Menge anderer Kram zu tun ist, habe ich nicht so viel gemacht. Für etwaige Entspannungs-Pausen habe ich aber mal UT und Elite Force installiert. Beide laufen freudigerweise komplett ohne Probleme und das unter OS X!

Abends war noch etwas Zeit, in der ich Myth 3, ein 3D-Strategiespiel, installiert habe. Myth war auf dem iBook fast unspielbar, auf unserem Cube ging es nur halbwegs. Auf meinem iMac dagegen ist es ein wirlicher Leckerbissen. Alle Features an, maximale Monitor-Auflösung und Myth läuft meist ruckelfrei und sieht sehr gut aus, wie aus dem Screenshot ersichtlich sein dürfte.

Myth Screenshot

Tag 3

Da ich manchmal für meine Eltern oder für andere Dinge Photoshop brauche, habe ich es einfach mal in der Classic-Umgebung ausprobiert. Erst einmal kommt von mir ein wirkliches WOW zum Starten. Gerade einmal 46 Sekunden messe ich. Später habe ich mal Mac OS 9 einzeln gestartet, dieses brauchte knapp 70 Sekunden, Mac OS X scheint langsam also wirklich seine Muskeln spielen zu lassen.

Photoshop an sich läuft sehr gut. In diversen Foren liest man öfter von Instabilitäten, Geschwindigkeitseinbußen oder anderen Problemen. Solche konnte ich nicht fesstellen, Photoshop startet aber auch schneller in der Classic-Umgebung als in Mac OS 9.

Um meinen Alltag noch zu verschönern, habe ich heute mal meine MP3-Sammlung vom iBook und vom Cube auf den iMac gezogen. Bei MP3s mit vielen Bässen zeigten sich die Pro Speaker deutlich stärker und voluminöser als erwartet. Durch die Soundsticks am Cube meiner Eltern bin ich natürlich sehr gute Qualität gewöhnt, aber für die Größe und Handlichkeit dieser kleinen Kugeln machen sie doch einiges her. Ich denke jetzt auch noch darüber nach, mir einen iSub dazuzukaufen, allerdings wird der wohl doch erst mal noch etwas warten müssen. Der iMac ist mir doch recht stark auf den Geldbeutel gefallen...

Tag 4

Kurz nach dem Aufstehen habe ich erstmal noch eine CD für Rüdiger gebrannt. Das Brennen ging überraschend fix. Dabei sagten doch alle, dass das Brennen mit den Mac OS X beigelegten Tools so lahm wäre... Nun ja, ich habe damit auf jeden Fall keine Probleme.

Am Nachmittag waren dann zwei Freunde da und wir haben uns Mr. Nice Guy auf DVD angeschaut. Erst wollten wir das auf dem neuen iMac tun. Das Anschauen der DVD unter Mac OS X hat aber nicht wirklich Spaß gemacht. Bei komplexen Szenen wurde die DVD langsamer, und insgesamt schien das Bild nicht so scharf wie auf dem Cube oder iBook. Schließlich habe ich mein iBook wie sonst auch an den Fernseher angeschlossen und wir haben uns den Film so angesehen. Seltsamerweise gibt es so keine Probleme.

Meinem Besuch ist interessanterweise aufgefallen, wie leise der iMac doch ist. Auch wenn ein Lüfter drin ist, ist dieser fast geräuschlos, und auch die integrierte Festplatte macht kaum Geräusche. Falls jemand also auf einen Cube-Nachfolger gehofft hat, der liegt mit seiner Hoffnung keinesfalls daneben.

Tag 5

Heute war richtig tolles Wetter, sodass der iMac recht kurz kam.

Abends habe ich mir aber noch Strike Force für Mac OS X heruntergeladen. Obwohl Strike Force sehr anspruchsvoll ist und UT unter Mac OS X noch zwischen Alpha- und Beta-Stadium rumdümpelt ist die Performance gut bis sehr gut. Auf meinem alten iBook war UT unter Mac OS X allein unspielbar.

Tag 6

Heute habe ich mich mal hingesetzt, um ein paar Vergleiche mit meinem iBook 500 zu machen. Der iMac rippt die komplette CD "Blood on the Dancefloor" von Michael Jackson in 8 min und 45 sec. Das macht einen Durchschnittswert von 9x. Das iBook benötigt dazu volle 20 Minuten und 32 sec. Hier liegt der Durchschnittswert beim Rippen bei 3,8x. Ein Test in Cinebench (Matrox) war nicht minder interessant. Knapp 30% ist der iMac durchschnittlich schneller.

Vor allem der langsame Bus scheint beim iBook die Performance sehr stark einzuschränken. Beim iMac dagegen wird die Altivec-Engine des G4-Prozessors zu dem guten Ergebnis beitragen. Jetzt frage ich mich aber doch, was gewesen wäre, wenn Apple den iMac mit 133 Mhz Bus ausliefern würde...

Tag 7

Da heute der letzte Tag ist, fasse ich meine Erfahrungen kurz zusammen.

Die Grafikleistung ist die Beste, die man bisher auf einem iMac erleben konnte. Aber nicht nur das, sondern das erste Mal fühle ich mich mit einem Mac für die Spiele der nächsten Monate gerüstet, anstatt schon jetzt befürchten zu müssen, die visuelle Darstellung zu vermindern, nur um keine Diashows mehr erleben zu müssen.

Auf der anderen Seite ist es sehr schade, dass Apple endlich gute Grafikkarten mitliefert, diese aber immer noch nicht ausreizt, indem schlechte Treiber programmiert werden, die noch nicht einmal alle Funktionen unterstützen (z.B. kein Full Scene Anti-Aliasing) und deren Geschwindigkeitspotenzial noch immer nicht bis ans Limit getrieben wurde.

Ein weiterer Pluspunkt ist natürlich der Monitor und der Schwenkarm. Besucher waren immer wieder verwundert, wie ausgeglichen und perfekt die "Schneekönigin" doch aussieht.

Der Kauf der Combo-Version hat sich meiner Meinung nach schon gelohnt. Einen 24x-Brenner brauche ich nicht, und andere DVDs als Mr. Nice Guy funktionieren seltsamerweise sehr gut. Auch die Pro Speaker sollte man in seine Überlegungen zur Modellwahl einbeziehen, der Einzelpreis liegt schließlich bei 80 Euro.

Beim Arbeiten ist mir schließlich noch aufgefallen, dass man eigentlich nur noch auf den Monitor achtet. Da meistens MP3s laufen, hört man den eigentlichen Computer weder, noch sieht man ihn wirklich. Apple hat es also geschafft, das wichtigste Element eines Computers in den Vordergrund zu rücken und den Rest verschwinden zu lassen. So ein Design soll man ihnen erstmal nachmachen - oder besser doch nicht.

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