ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 831

Mac OS 10 und Illustrator 10 - ein Dream-Team?

Der Altmeister der Vektorprogramme macht die Zehn voll

Autor: wp - Datum: 24.05.2002

Adobe: ein luftgetrockneter Ziegel aus Lehm und Stroh, oder auch der Lehm, aus dem ebensolche Ziegel gemacht sind - das verraten uns einschlägige Wörterbücher der englischen Sprache. Sollte man bei Adobe also weniger das gängige Wort von der Software-Schmiede nutzen, sondern eher von einer Ziegelei sprechen? Na ja, ob geziegelt oder geschmiedet, für einen großen Prozentsatz der Mac-User ist Adobe-Software durchaus der Lehm, der einiges an Ziegeln in die Hütte bringt - wenn ich mich mal zu einer neuen Umschreibung des Geldverdienens versteigen darf. Aber auch Apple interessiert sich für Steine, Kies und Schotter und musste einige Zeit ganz gebannt zusehen, wie die Software-Gringos aus San Jose die Portierung ihrer Produkte nach Mac OS X eher im mexikanischen Stil betrieben (Mañana!). Aber mittlerweile ist es soweit, die wichtigsten Applikationen laufen auch unter Apples mit viel Aqua weichgespültem UNIX. Auch Illustrator liegt in Version 10 für Mac OS X vor. Aber nur wegen Mac OS X eine neue Version kaufen? Oder gibt es wirklich Neues? Gila Müller hat sich die neue Version und ihre neuen Features für MacReview gründlich angesehen. Teil 1

Zugegeben, Illustrator 10 ist bereits seit Jahresbeginn auf dem Markt. Trotzdem habe ich mir ein wenig Zeit gelassen mit der Beurteilung. Denn wie es sich für die 10. Version eines Grafik-Standardprogramms gehört, ist die Komplexität der Funktionen nicht gerade geringer geworden. Frage also: Lohnt sich ein Update, nachdem auch Version 9 schon wenig zu wünschen übrig ließ?

Stark bei krummen Sachen

Zunächst ein Blick auf entscheidende neue Features meines - ja, ich gebe es zu! - heiß geliebten Vektor-Programms. Da wären als erstes mal die Funktionen bzw. Tools zum Verzerren und Verformen verschiedenster Objekte. Es gibt zwei Optionen:

1.) Indem ein Verzerrungsgitter erstellt wird. Per Eingabe in ein entsprechendes Dialogfeld läßt sich die Anzahl der Felder bestimmen. Wer bisher oft mit dem Verlaufsgitter-Tool gearbeitet hat, wird sich schnell zurechtfinden, da die Mechanik auf dem selben Prinzip basiert.

Verzerrungsgitter

2.) Über das Sub-Menü "Verkrümmen" im Menüpunkt "Effekt", was den Warp-Funktionen, die im Typo-Bereich von Photoshop 6 auf Text angewendet werden können, ein wenig ähnelt. Hierbei lassen sich im Dialogfeld die Parameter exakt festlegen. Wichtig: Text beispielsweise muss nicht zuvor in Pfade umgewandelt werden. Es sei denn, man möchte dem Text noch einen bestimmten Stil zuweisen wie Muster, Verlauf etc.

Verkruemmung

Die neuen Verzerrungs- bzw. Verkrümmungs-Tools sind sehr gut zu handhaben, da man sie direkt in der Toolleiste anklicken und herauslösen kann. Prima. Und was geht alles damit? Nun, eine Menge: Objekte verkrümmen , zusammenziehen, aufblasen, kristallisieren, zerknittern und mit Wirbeln versehen. Das alles in Echtzeit, versteht sich!

Zerr-Kruemm-Tools

Typisch Adobe - zahlreiche Funktionen fürs Web

Wie Macromedia bei Freehand, so betreibt auch Adobe schon eine ganze Weile die Webdesign-Tauglichkeit seiner Grafikprogramme. Deshalb bietet natürlich auch Illustrator 10 unter "Ablage" den bereits bei Photoshop bewährten Menüpunkt "Für Web sichern" an. Hier lassen sich recht bequem SWF- (Flash) und SVG-Files produzieren. Wobei letztere auch nach dem Abspeichern editierbar bleiben! Cascading Style Sheets (CSS) werden unterstützt. Und durch Illustrators Ebenen-Funktion umgesetzt. Slicing ist mindestens so einfach wie mit Photoshop/ImageReady. Davon abgesehen haben skalierbare Vektorgrafiken auf Grund ihrer geringen Datenmenge ja eh eine Menge Vorzüge für den Einsatz auf der Website. Und wie erwartet ist die Integration und der Datenfluss von und zu den anderen Programmen aus dem Hause Adobe nahezu perfekt. Adobe weiß natürlich, dass sie gerade hier einen echten "Familienbonus" ausspielen können. Da ich aber "klassischer" Illustrator bin, will ich mich hier nicht in den Webdesign-Möglichkeiten von Illustrator 10 verlieren. Zurück also zu den anderen neuen Funktionen.

Ein erstes Highlight

Eine der interessantesten und zugleich wirklich neuen Funktionen ist meiner (wie immer ganz subjektiven) Meinung nach der Einsatz von Symbolen und der dazugehörigen Werkzeuge, um diese auf die unterschiedlichsten Arten zu bearbeiten und zu modifizieren. Ein ziemlich spannendes Tool gerade, wenn man wie ich auch Painter-User ist. In seiner Funktionsweise ähnelt dieses Feature ein wenig dem sogenannten Bilderstrahl in Painter (seit Version 3) mit seinen Strahldateien. Nur mit dem gravierenden Unterschied, dass es sich hierbei um Vektor-Grafiken handelt (nicht um Bitmaps wie in Painter) und diese sich deshalb höchst exakt und individuell bearbeiten lassen. Welchem Illustrator geht da nicht das Herz auf? Denn die Zeitersparnis ist enorm: Man erstellt eine Basisgrafik (hier "Instanz" genannt), sichert diese in der Symbol-Bibliothek und kann sofort die gesamte Arbeitsfläche mit dem Symbol bemalen. Klar, auch das wieder in Echtzeit. Ach ja, es gibt dabei noch einen erfreulichen Nebeneffekt: die Datenreduktion! Die Dateien werden so überaus kompakt.

Symbole

Weiter zu Teil 2

Kommentare