ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 835

Extreme Hubbing: ein iPod&ich

Digital Lifestyle mit iPod - ach ja, und einer Kamera

Autor: wp - Datum: 21.05.2002

Wer erinnert sich noch an die große iPod-Debatte, die hier bei den MacGuardians geführt wurde. Mitauslöser war damals die kräftige Kritik, die ein ganz bestimmtes Mitglied unserer Redaktion geäußert hatte. Nun ist einige Zeit ins Land gegangen, der Zauber der bösen Fee namens "digital breakthrough" hat vielleicht seine Wirkung verloren, die Dornhecken weichen zurück, der Prinz findet wie von allein in das Turmzimmer, in dem sie liegt, die schlafende Schönheit - ein iPod, zum Küssen schön, zierlich und weiß von Angesicht! Aber jeder muss schon selbst lesen, wie das Märchen ausgeht, nur eins darf ich schon verraten: Es gab jede Menge hugging - äh, hubbing natürlich. Ganz wunderbar - gleich zwei Testgeräte für ein paar Tage abgeholt: Einen 5 GB iPod und eine Olympus camedia c 220 zoom. Zur Kamera muss ich gleich mal festhalten - ein Produkt, das 2 Megapixel macht, 7,5 fachen Zoom hat, Quicktime unterstützt und MacOS X kompatibel ist, da muss man den Hut ziehen. Vom Design her hat die Kamera nicht viel zu bieten, ich zöge jede Canon ixus vor. Aber das ist nicht das Thema, ich wollte nur mal ein wenig "digital hub" spielen - "hubben" ausprobieren. Den iPod musste ich mir nach der seinerzeitigen Präsentation auch mal in Ruhe ansehen. Für meine Kritik, dass dieses Produkt mitnichten ein "breakthrough" ist, habe ich damals von der Leserschaft tüchtig Prügel bezogen. (Diesmal aber blieb selbst den Nörglern aus der Muppet Show der Mund offen...)

Waldorf and Statler

Schon die ausfaltbare Verpackung des iPod ist ein Fest. Da ist aussen auf der Packung gleich ansprechend Bob Marley drauf. "Get up - stand up" muss ich also als erstes draufspielen...

Get up - stand up

Wen wundert es, dass die harten Freaks "unwrap"-Parties in den USA machen, wenn sie Apple-Geräte neu gekauft haben? Kein Unternehmen verwendet so viel Sorgfalt auf Verpackung und Design. Wie man den iPod aus dem Karton/Styropor-Würfel schält, ist typisch Apple: sinnlos, aber wunderschön. Klobiges Netzteil, es lebe der proprietäre Apple-Spirit - und ein FireWire-Kabel fürs Synchronisieren und Aufladen. (Die Polymer-Batterie lädt sich in einer Stunde zu 80% wieder auf, hängen Sie den iPod einfach an ihren Rechner.) Jetzt einschalten und mal hören - klar, noch sind nur ein paar Demo-tracks drauf. Wüstes Allerlei, aber schon nach ein paar Minuten meine ganz persönlichen 3 GB MP3s. Nachdem ich iTunes 2 ohnehin auf dem Rechner habe, schlürft der iPod per FireWire alles rüber. "Der iPod kann jetzt abgeschlossen werden" und los geht es, eine Runde laufen mit dem Ding. Ich rüttle die singende Festplatte durch, aber der große Bufferspeicher macht sich bezahlt. Die Wiedergabe setzt nie aus, alles problemlos. Überspringt man ein paar Tracks nacheinander, kann es allerdings passieren, dass der iPod mal eine Sekunde lahm spielt. Nach einem Augenblick ist dann der gewünschte Titel da, aber man stutzt trotzdem kurz. Eine Prophezeiung wage ich: der iPod ist das Gerät, mit dem Sie im fahlen Morgenlicht durch die leeren Strassen laufen werden, elektrisiert und aufgeladen, weil Peggy Lee ihnen gerade "Fever" ins Ohr singt...

iGuggemol: Book and Pod

Nichts passt so fein zu einem iBook wie ein iPod - muss ich leider zugeben. Die singende Festplatte von Apple ist ja eigentlich keine Peripherie, nichts zum dranhängen - sondern eher eine Ergänzung, füllt die Lücke, die uns bisher nicht aufgefallen war. Wenn im Chatroom zwischen Apple-Freaks die Phrase *habenwill* fällt, dann ist vom iPod die Rede. Der iPod hat die Eleganz eines Ansteckers, und brüllt trotzdem laut "kommt aus euren Höhlen, ihr armen DOS-Fraggles, digital hub is coming to town". Wer das iBook Modell Maggie Thatcher gekauft hat, um aufzufallen (oder vielleicht, um renitente Mitmenschen etwas massiver als normal zu handbaggen, d. Red.), wird seinen iPod lieben - und jeder mit aktuellem iceBook wird ihm auf Grund des abgestimmten Designs mit Haut und Haaren verfallen.

Die Rückseite sieht poliert irgendwie nach Südstaaten aus, aber das ist mehr ein dumpfes Gefühl in meinem Bauch. (Wo viel Platz ist für derartiges...) Die Fingerabdrücke nerven, man poliert beständig daran herum, weil man den Glanz nicht beeinträchtigen will. Der Metallteil lässt den iPod noch solider wirken - wie ein Datenwurfgeschoss... Datentransfer ist wunderbar, und von so einem Kästchen zu booten ist einfach ein Hammer. Nie wieder ekelige ZIPs herumtragen, Disketten sind schon längst weg - aber nun nur mehr iPod auspacken und einmal "Donaudampfschifffahrtsgesellschaft" sagen, schon ist alles kopiert. Was Apple mit dem DIGITAL HUB meint, konnte ich erleben: Telefonkabel, Netzwerkkabel, FireWire und zwei USB-Geräte hingen an meinem iBook. Hubben - sozusagen unser aller Zukunft.

extreme hubbing

Bei allem Zauber, den der iPod versprüht: I'm still standing - ich halte meine Aussage aufrecht, dass der iPod kein "breakthrough" ist. Das eigentliche Wunder, eine FireWire-Festplatte so zu schrumpfen, ist ja nicht Apple gelungen. (Matsushita? Toshiba? Jedenfalls Asien, wo alles klein sein muss, weil kein Platz mehr ist.) Doch will ich bereitwillig einräumen, dass der iPod eines der geilsten Geräte ist, die ich je in der Hand hatte. Wunderbares Design, phänomenales jogdial (so heißt das Rad in der Mitte) und gute Verarbeitung. Die Benutzung des iPod ist das Intuitivste, was Apple je zustande gebracht hat. Alles schön logisch für jemanden, der zumindest mal einen Kassettenrekorder bedient hat. Ausschalten - unten drücken. Einschalten - oben drücken. Bestätigen - Knopf in der mitte. Menu - na dort wo Menu draufsteht...

Leider ist der Preis des iPod stolz - wenn auch gerechtfertigt durch die Preise von FireWire-Platten dieser Größe. Da kann man nichts machen, ich werde wohl nach einem gebrauchten iPod Ausschau halten müssen. 5 GB sind genug für jedermann...

Ach ja, da war doch noch was: Bei der Olympus hatte ich ernste Probleme, sie wieder auszuschalten. Man muss die Klappe vorne ein wenig zuschieben, dann fährt sich das Objektiv ein und man kann ganz schliessen. Einfach rauszufinden am Anfang ist das nicht, intuitiv ist es auch nicht - ein eigener Knopf hätte nicht weh getan. Mit einem iPod kann das Ding nicht mithalten, weder von der Funktionalität noch von der Bedienung her. Kleine Knubbeltasten und Hebel sind es nicht, auch große Schaltflächen können sehr elegant wirken, wie der iPod mit seiner Steuerung beweist.

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