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ARCHIV :: # 836

SmartBook AppleScript

Autor: wp - Datum: 17.05.2002

Kaum hat Apple mit dem Xserve einen "echten" Computer präsentiert, sollen wir auch schon programmieren lernen? Ist das hier ne globale Trendwende, oder was? Gemach, gemach, Macs und Mac OS X sind immer noch zuallererst schön und produktiv zu benutzen. Aber a propos produktiv: Bei dem einen oder anderen Routinevorgang wäre es ja manchmal schon ganz nett, wenn die Geschichte einfach so automatisch ablaufen könnte. Der Mutige weiß da schon lange Rat: AppleScript, Freund und Helfer in Automatisierungsfragen. Und neuerdings Vorlagengeber für AppleScript Studio, dem neuen Entwicklungstool für Mac OS X Software. Es gibt also gute Gründe, AppleScript zu lernen. Paul Reisenauer stellt ein dafür möglicherweise geeignetes Buch vor. In letzter Zeit ist AppleScript aus guten Gründen im Aufwind. Hauptsächlich ist AppleScript Studio daran schuld, das zwar die Syntax mit dem "normalen" AppleScript gleich hat, aber sonst weit aus umfangreicher ist. Einfache Anwendungsprogrammierung für Mac OS X - wunderbar. Aber sei es diese schöne neue Welt des Programmierens oder das klassische AppleScripting "fremder" Programme - wer unter Mac OS X ohne große Vorkenntnisse individuell Abläufe automatisieren will, kommt an AppleScript nicht vorbei. Wie das geht? Lies ein Buch!

Smartes Apple Script?

"Das Grundlagenbuch zu AppleScript" von Olaf Neumann aus dem Verlag Smart Books zielt auf Leute ab, die kaum bis gar keine Erfahrung mit Programmieren gemacht haben. Es beginnt mit einer kurzen Einleitung über AppleScript in der erklärt wird, was man alles mit dieser Sprache machen kann und was diese Sprache eigentlich nur ist (AppleEvents). Der Autor übertreibt leicht "Mit der Einführung von MacOS 9 bietet Ihnen AppleScript ab der Version 1.4 über das lokale Netzwerk hinaus fast unbegrenzte Fähigkeiten" - davon kann nach meiner Meinung keine Rede sein. Zwar bieten Apples hauseigene Produkte meist einen umfassenden AppleScript Support, aber bei Drittanbietern ist dieser häufig schlecht bis gar nicht vorhanden.

Klein aber fein!

Das Buch führt einem schrittweise mit kleinen Beispielen, die hauptsächlich mit Finder und Text Edit funktionieren, die Programmiersprache näher. Erst in dem Kapitel "AppleScript in der Praxis" bekommt man dickere Brocken vor die Nase gesetzt. Ich fand die vielen kleinen Beispiele angenehm, es ist oft schwierig den Autoren von solchen Büchern bei komplexeren Beispielen zu folgen, das umgeht der Autor damit und hält so die Frustgrenze für Neulinge niedrig. Zwar versucht Olaf Neumann alles zu erklären und nicht mit Fachbegriffen herum zu werfen, trotzdem passieren ihm kleine Flüchtigkeitsfehler - die wahrscheinlich den meisten Programmierern passieren - so erklärt er z.B. den Begriff des "rekursiven Programmierens" nicht.

Beilagen sind alles!

Dass sich das Buch eher mit Programmen beschäftigt, die eine einfach zu verstehende Script-Architektur haben, ist sinnvoll und bei einem Anfängerbuch wünschenswert. Nur stehe ich auf dem Standpunkt, dass weiterführende Verweise auf Bücher und Webseiten dann ein Muss sind. Daran fehlt es in Neumanns Buch: ein Verweis auf die Apple Homepage und die Besprechung diverser Scripteditoren reicht nicht aus. Gerade als Anfänger steht man vor Problemen, die einen zur Weißglut treiben können, und ab einem gewissen Frustfaktor geben die meisten Leute auf. Verweise auf ein, zwei Webseiten - heut zu Tage kommt jeder irgendwie zum Internet - mit guten Foren wären da extrem sinnvoll. Ich bin außerdem kein Fan von langen Suchen in Büchern, ein paar Merkzettel, auf denen z.B. alle Operatoren für Strings, Listen etc. und Schleifenarten aufgelistet sind, wären hilfreich.

Anforderungen zurückschrauben!

Damit keine Missverständnisse entstehen, dieses Buch beschäftigt sich nicht mit AppleScript Studio, dazu ist AppleScript Studio zu neu. Für wen dann dieses Buch geeignet ist? Nun, wer jeden Tag dieselben Prozeduren durchführen muss, egal ob jetzt in Photoshop oder Word, der wird schnell merken, wie mächtig diese Sprache ist. Wer aber wie ich den Mac als Spielzeug sieht, also nicht wirklich darauf arbeitet, wird selten ein AppleScript programmieren, da er selten Routine-Arbeiten macht.

Insgesamt kann ich jedem Interessierten dieses Buch empfehlen; ich gebe aber - bevor man unnötig suchen muss - noch einen kleinen Link für Probleme mit.

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