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ARCHIV :: # 841

Xbox - Xflop oder Xhit?

Autor: wp - Datum: 22.04.2002

Ingmar Wenz von Macinplay veröffentlicht bei uns seine Einschätzung der Xbox von Microsoft (das sind die, deren Geld für einen Link bei den MacGuardians einfach nicht reichen will) Viel Diskussion gibt es über die neue Spielekonsole des von vielen verachteten Softwareherstellers Microsoft. Im Vorfeld der Markteinführung drangen interessante Details durch, angeblich soll Microsoft pro verkaufter Konsole 100$ verlieren - und das, obwohl die Xbox mit ihren 480 Euro ohnedies die teuerste Konsole ist. Mittlerweile wurde für den 26. April eine Preissenkung auf 299 Euro angekündigt. Angeblich spekuliert Microsoft darauf, dass jeder Käufer durchschnittlich 12 Spiele und Zubehör kauft, der break-even des Projekts ist für 2005 geplant.

Erste Verkaufszahlen zeigen den doch recht deutlichen Misserfolg. In Europa ist die von der teuersten Werbekampagne aller Zeiten begleitete Konsole gefloppt; ebenso in Japan und in den USA dauert das Desaster an. Konkurrenzprodukte wie der Gamecube werden in Europa zu einem Preis von 199 Euro auf den Markt kommen, also um ungefähr zwei Drittel. Der größte Konkurrent, die Playstation 2 von Sony wird bereits mit zweitem Controller für 299 Euro angeboten, für 40 Euro mehr wird sogar noch ein Spiel beigelegt. Allerdings kommt der Preis der Xbox nicht von ungefähr - die aufgebohrte Geforce 3 und die vielen PC-Komponenten ließen diesen höher steigen, als selbst den Produktmanagern bei Microsoft recht war.

Freundlicherweise stellte Microsoft mir die Xbox für zwei Wochen zur Verfügung. Für Macinplay wollte ich Halo testen. Für die Presse wurden aber auch noch die Rennspiele "Project Gotham" und "Ralli Sport Challenge" beigelegt, ebenso wie das Snowboard-Spektakel "Amped", das Schiffskriegspiel "Blood Wake", die Spielekollektion "Fuzion Frenzy", das Adventure "Oddworld Munch's Oddysee" und das Prügelspiel "Dead or Alive 3".

Keines dieser Spiele wurde von Microsoft entwickelt, sie haben sie bloß für die Entwicklungsfirmen auf den Markt gebracht. Durch diese breite Auswahl konnte ich mir allerdings einen guten Überblick über die grafischen Eigenschaften der Xbox, ebenso wie ihre anderen Vor- und Nachteile verschaffen.

Was bei der Xbox sofort auffällt, ist die Größe. 31cm breit, 27cm tief und 10cm hoch ist der in Realität eher einem Plastikamboss ähnelnde Brocken. Auch das Gewicht nährt den Spott der Microsoft-Gegner: wog die Playstation 1 noch 1,2 Kilo, hatte die PS 2 bereits 2,1 Kilo. Der im Mai erscheinende Gamecube wiegt gerade mal 1,37 kg, die Xbox bringt aber satte 4,2 kg auf die Wage. (Nun gut, für das Geld eben auch Bauteile aus Schwermetall...)

Nach dem Anschalten fällt das sehr dezente 3D-Menü auf. Hier hat sich Microsoft wirklich Mühe gegeben. Sobald ein Spiel eingeschoben wird, verschwindet das Menü aber schon wieder.

Sony und Microsoft werben beide mit den DVD-Möglichkeiten ihrer Konsolen. Allerdings ist nur die Playstation 2 direkt nach dem Aufbau fähig, DVDs abzuspielen. Mit dem Controller werkelt man (zugegeben etwas unkomfortabel) im DVD-Menü herum. Für die Xbox dagegen muss ein DVD-Kit, dass auch eine Fernbedienung enthält, gekauft werden. 50 Euro mehr an Microsoft, ein ähnliches Kit für die PS 2 kostet 30 Euro. Nintendo geht andere Wege - da man Raubkopien der eigenen Spiele verhindern will, setzt man zwar auf den Standard DVD-ROM, verwendet aber physisch kleinere Discs, auf die gerade mal 1,5 GB passen. Damit konnte der GameCube zwar kleiner und handlicher werden, aber Video-DVDs sind logischerweise nicht abspielbar.

Grafisch gesehen waren alle getesteten Spiele hervorragend. Tolle Lichteffekte, beim Fahren der Autos wird schön animierter Staub aufgewirbelt und ähnlicher Augenschmaus. Allerdings sind die praktischen Unterschiede zwischen Xbox und Playstation 2 meiner Meinung nach nicht herausragend. Schon auf der Playstation 2 sehen die Spiele toll aus, wieso Microsoft mit einer teureren Grafikkarte noch übertrumpfen wollte, ist mir nicht einsichtig. Auch wenn ich hier eigentlich nicht auf bestimmte Spiele eingehen soll, will ich noch etwas zu Halo loswerden. Es ist nicht das, was versprochen wurde, es ist nicht das, was sich alle erhofften und es lohnt sich nicht, auf eine Mac-Version zu warten. Warum, lesen Sie am besten in dem bald erscheinenden Artikel bei Macinplay.

Der G4 Cube von Apple hatte keinen Lüfter, die alten iMacs hatten keinen Lüfter - und warum nicht? Weil Lüfter laut sind und Steve das nicht mag. Da die Xbox aber normale PC-Bauteile enthält, hat Microsoft auch einen Lüfter verbaut, der mit einer lauten Festplatte um die Wette lärmt. Im Test war das sehr nervig, das gesamte Wohnzimmer wurde durch diese Geräusche sehr laut beschallt. Mangels Sounderfahrung im Wohnzimmer mit PS 2 oder Gamecube kann ich hier aber keine direkten Vergleiche ziehen.

Die Festplatte ist ja eigentlich zum Speichern von Spielständen gedacht. Insgesamt passen 50.000 Speicherblöcke auf diese, das macht 8 GB in uns bekannten Werten. Auf einen für 50 Euro zusätzlich erwerbbaren Memory Stick passen volle 50 Speicherblöcke, das entpricht 8 MB. Diese Speichereinheiten sind eine nette Idee, weil ich so meine Spielstände zu anderen Gamern mitnehmen kann. Für die PS 2 kostet eine 8 MB-Einheit 40 Euro, auch verfügbar ist eine 16 MB-Version für 50 Euro.

Um die Chancen von Microsoft abschätzen zu können, muss man einige Faktoren berücksichtigen, die mit den Spielen selbst zu tun haben. 80% des Marktes werden von Electronic Arts beherrscht (Die Sims, Sim City, FIFA 2002, Harry Potter, Need for Speed, etc.), eine Übernahme von EA würde vom Kartellamt unter keinen Umständen genehmigt werden. Firmen wie Blizzard oder id Software aufzukaufen, erscheint selbst für Microsoft unmöglich. Die Spielefront kann Microsoft also schwierig kontrollieren - auch wenn einige Spielehersteller aufgekauft wurden. Was Geld kostet, ist Hardware, denn eine CD zu pressen ist in großer Auflage schon fast geschenkt. Um die Xbox als bestausgestattete Konsole zu präsentieren, müsste Microsoft immer wieder weitere High-End Komponenten verbauen. Das wird teuer, und unbegrenzte Mittel hat selbst Microsoft nicht.

Ein interessanter Punkt ist in diesem Zusammenhang der Controller - mit dem Nintendo 64 wurde ein neuartiges Gerät eingeführt, was sich aber in vielen Fällen als unergonomisch und bei vielen Genres als unpassend erwies. Microsoft versucht sich mit den Xbox-Controllern ebenfalls an Neuschöpfungen. Der in schwarz gehaltene Controller hat 10 Tasten, zwei analoge Sticks, zwei analoge Knöpfen hinten und ein Steuerkreuz. Insgesamt wirkt dieses Gerät gewaltig, vor allem durch die Größe. Die Ergonomie ist nicht miserabel, aber er könnte besser in der Hand liegen. An manche Knöpfe kommt man erst durch Verrenkungen, und spätestens seit der ersten Playstation hätte doch auch Microsoft lernen können, dass hinten immer zwei Knöpfe je Seite sitzen sollten. Über Ergonomie lässt sich streiten, nicht aber über Simplizität. Dieser Controller enthält einfach zuviele Möglichkeiten. So mancher Entwickler wird sich über diese zwar freuen, wirklich nutzen wird sie keiner. Der Playstation-2-Controller ist da deutlich simpler, er ist mit dem Dual Shock Controller der PSX vergleichbar. Dem Gamecube wird jetzt ein ähnlicher Controller beigelegt, der sehr klein und ergonomisch ist. Alle Controller unterstützen Force Feedback, mangels GC oder PS 2 konnte ich hier keine Unterschiede feststellen, FF kommt aber bei Xbox-Spielen bisher sehr gut rüber.

Nach der Preissenkung der Xbox ist der einzige wirkliche Schwachpunkt die Spieleauswahl - vorausgesetzt, man erträgt die großen Platzbedürfnisse der Konsole von Microsoft und kommt auch mit deren Laustärke zurecht. Der GameCube ist sowohl die kleinste als auch die leichteste der aktuellen Konsolen. Die technischen Spezifikationen liegen zwischen Playstation 2 und Xbox, der Preis dagegen liegt unter dem der PS2. Falls Sie sich in nächster Zeit also eine Konsole zulegen wollen, lege ich Ihnen ans Herz: vergessen Sie die Xbox. Konzentrieren Sie sich auf Grund der großen Spieleauswahl und der Abwärtskompatibilität auf die Playstation 2 und geben Sie dem GameCube eine Chance.

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