ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 842

Mein neuer iMac

Oder: Das Schönste, was man je mit einem Chromputztuch zusammen kaufen konnte.

Autor: wp - Datum: 22.04.2002

Ian Banfield, ebenfalls Gastautor, aber diesmal von themac.de, hat einen iMac und macht allen unglücklich Wartenden eine lange Nase. Sie tun mir leid, die armen Mac-Journalisten dieser Welt. Die Welt ist grausam und zwei Wochen sind manchmal viel zu kurz. Zwei Wochen, so lange/kurz dürfen Journalisten Apples Rechner testen. (Das müsste man mal rausfinden, wieviele dieser Pressevertreter anschließend ihr Konto überzogen und ...)

Ich habe es da schon leichter: Mein Konto ist geplündert, und vor mir steht ein neuer iMac samt den Pro Speakern, das Combo Modell. Allen nicht Größenwahnsinnigen sei dieses Modell ans Herz gelegt, schließlich braucht nicht jeder (eigentlich niemand) einen DVD Brenner, die 20 GB größere Festplatte rechtfertigt ebenfalls den Aufpreis nicht. Wohl aber lohnt sich der Vorzug des Combo Modells vor dem mit CD Brenner: Die 128 Megabyte Arbeitsspeicher dort sind einfach zuwenig, die DVD löst langsam die CD ab und die Pro Speaker klingen einfach gut und passen zum iMac.

Der neue iMac ist im Vergleich zum letzten ein Quantensprung, so wie der erste iMac im Vergleich zu seinem beigen Vorgängermodell. Man könnte auch sagen, Apple hat seine Kunden erhört. Ehrlich gesagt, der alte 15'' Röhrenmonitor war ein Witz. Vor zwei Jahren ging das ja noch, aber heutzutage ist damit kein Blumentopf zu gewinnen. Die Qualität war mehr schlecht als recht, und die Augen wurden auch nicht gerade geschont, zumindest bei höheren Auflösungen. Das neue TFT Display muss man in den höchsten Tönen loben: Vor allem für Menschen, die viel im Büro arbeiten und auf den alten Monitor schauen mussten, ist das Display wohl eine riesige Erleichterung: Die Bildschärfe unglaublich, der Kontrast extrem hoch (wenn auch die heutigen absolut neuesten Displays einen noch höheren Kontrast schaffen), DVDs ziehen keinen Schatten. Lediglich die Spielefreaks unter uns werden mal wieder meckern, denn - prinzipbedingt - brauchen flache Displays etwas länger, um das Bild zu wechseln. A propos Spielefreaks - (das haben jetzt sicher schon sämtliche Redakteure vor mir gesagt, trotzdem kann man das nur wiederholen): Kauft euch eine Xbox (pardon, hier wird ja nicht zu Microsoft gelinkt: Ein Gamecube tut es auch, zur Not auch eine PS2) und keinen PC, egal wie groß und schnell euer Computer & Monitor ist: Die booten alle schneller, das BIOS stresst auch nicht rum und ihr findet immer einen größeren Fernseher. Trotzdem lässt sich auf dem iMac gut spielen, aktuelle Spiele wie Red Faction oder Black&White laufen schön flüssig, und in Quake 3 darf man sich unter Mac OS 9.2 durchaus auf Frameraten über 100 fps einstellen, bei 1024*768 und 32.768 Farben, wenn auch ab und zu "nur" 60 Bilder zu sehen sind, es ruckelt ganz sicher nicht - auch nicht unter Mac OS X, selbst wenn dort der Open GL Treiber nicht gerade eine Sternstunde der Entwickler war.

Doch Spiele interessieren den iMac Käufer wohl nur am Rande, viel wichtiger sind die Anwendungen und das Betriebssystem. Fangen wir mit Mac OS X an. Ich glaube, ein Satz reicht dafür vollkommen aus: Es macht Spaß, genauso wie der restliche iMac. (Jetzt werden es doch mehr Sätze, iMac G4 Besitzer sollten diesen Absatz überspringen.) Die Geschwindigkeit unter 10.1.3 ist inzwischen wirklich alltagstauglich, Aqua ist wunderschön und 10 Programme gleichzeitig beeindrucken das System auch nicht. Trotzdem gibt es einige Kritikpunkte: Das Verbinden mit Netzwerkservern legt den Rechner für zwei Minuten lahm und den Passwortschutz beim Bildschoner sollten auch nur Menschen mit sehr viel Zeit, Geduld und Spaß an drehenden, bunten Rädchen aktivieren.

Mitgeliefert werden Apple Works, iTunes, iMovie, iPhoto (auf einer eigenen CD), Otto Matic (ein Spiel von den Machern von Bugdom), der Internet Explorer und Mail, dazu natürlich die üblichen Programme. Außer dem Internet Explorer stürzt eigentlich nie etwas ab und selbst der nur ziemlich selten. Zu den anderen Programmen ist wohl nur zu sagen: Es gibt keine einfacheren Lösungen und zugleich besseren Programme für den "normalen iMac Käufer".

Doch der iMac ist mehr als nur ein Macintosh: Er fasziniert die Massen und niemand kann sich ihm so richtig entziehen. Das Auspacken ist eine eigene Kultur für sich, dazu sollte man sich wirklich Zeit nehmen. (Manche Leute veranstalten eigene Parties rund um diesen kultigen Akt.) Ausgepackt und angeschlossen müsste man eigentlich die Software von drei CDs installieren, was an und für sich keine 15 Minuten dauern sollten - wäre da nicht diese Faszination. Sollten Sie sich dabei ertappen, das Display und den Schwenkarm 20 Minuten am Tag zu putzen, den Schwenkarm nur mit Chromputztuch anzufassen oder - wie es sich gehört! - sich die Hände vor dem Anfassen von Maus und Tastatur gründlich zu waschen, dann sind auch Sie seinem Zauber erlegen. Und Sie werden das Display und den wunderschönen, leichtgängigen und stabilen (schließlich trägt man ihn daran) Schwenkarm mit dem Chromputztuch streich ... ähhh, putzen.

Doch Journalisten meckern über alles: Da wäre der zwar leise Lüfter, aber die Story vom "Geht nur beim DVD Brennen an" ist wohl nichts anderes als ein schönes Märchen: Der Lüfter läuft immer, außer im Ruhezustand und ausgeschaltet. Aber Ausschalten ist eigentlich Blödsinn, der Rechner verbraucht ausgeschaltet kaum weniger Strom, und leiser als im Ruhezustand geht kaum. Man hört ihn dann nicht, kein bisschen, selbst wenn sie das Ohr direkt an die Halbkugel halten. Der zweite Kritikpunkt ist der hohe Preis: Obwohl Apple von geringer Marge spricht, so richtig mag das der Durschnittskäufer nicht verstehen: 2000¤ selbst für das kleinste Modell, so richtig günstig und nachvollziehbar ist das nicht. Das wird wohl auch der einzige Grund sein, sich keinen iMac zu kaufen. Vielleicht wäre Apple doch besser beraten, den Rechner deutlich billiger anzubieten, wenn irgendwann einmal genug gebaut werden. (Wenn Sie einen kaufen, stellen Sie sich schonmal innerlich auf eine längere Wartephase ein.)

Ein abschließender Tipp für iMac Käufer, die zusammen mit dem Rechner schlafen (nicht mit, sondern im selben Zimmer, versteht sich): Die Leuchtdiode am Display pulsiert und nervt nachts ziemlich, Abhilfe schafft ein kleiner Streifen Tesa oder eine CD-ROM Hülle oder ... Ihnen wird etwas einfallen.

Fangen Sie schon mal an zu sparen!

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