ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 860

MacOS X: ein persönlicher Review

Autor: wp - Datum: 01.05.2001

From: Paul Reisenauer
To: MacGuardians
Subject: MacOS X: ein persönlicher Review

Der 25. März 2001 wird in der Geschichte von Apple wohl einen besonderen Platz einnehmen, entweder als der Tag, an dem Apple begann zu sterben, oder als der Tag, mit dem die Zurückeroberung des Marktes begann. (Es wird wahrscheinlich die goldene Mitte sein.) Dieser Bericht soll euch meine Sicht des Systems zeigen.

Die Installation: Wäre eigentlich nach 15 Minuten erledigt gewesen. Nur ich mußte sie 3 mal durchführen: Beim ersten Mal stürzt mir der Rechner am Ende der Installation ab. Das zweite Mal klappt die Installation, ich installiere das System auf einer HFS+ formatierten Festplatte. Der iMacDV startet neu und MacOS X bootet (was für ein Erfolgserlebnis).

Nun meldet sich der Installations-Assistent zu Wort, er will Kleinigkeiten wie Name, Adresse, Telephonnummer, etc. wissen. Man sieht auch einen netten Aqua Button -"Datenschutz"- ich glaube Apple wirklich, dass sie mit den Daten sehr sorgfältig umgehen werden. Nur, warum braucht Apple die Daten? Ich verstehe nicht, warum die Software Firmen so "registrierungsgeil" sind? Wenn ich im Supermarkt Birnen kaufe, fragt mich auch kein Mensch nach Name oder Adresse!

Gut, zurück zum eigentlichen Thema: Zum Schluss fragt der Installations-Assistent, welchen Usernamen ich haben will. Ich in meiner göttlichen Weisheit gebe root ein (Der "root" User ist der Systemadministrator in einem Unix/Linux/MacOS X System). Naja, ich hab die Weisheit doch nicht mit den Löffeln gegessen. Lange Geschichte, kurzer Sinn: Das System zeigte mir kein einziges Programm an, nicht einmal System Preferences. Eigenartig, entweder liegt es an HFS+ oder meiner root Eingabe.

Ok, beim dritten Mal bin ich ein bißchen intelligenter, und statt einer HFS+ formatierten Platte benutze ich das in der Unix/Linux-Welt bekannte UFS Format. Und statt root gebe ich Paul als Username an und, siehe da, alle Programme werden korrekt dargestellt. Das war eine echt schwere Geburt!

Das System: ist Apple-Like! Am Anfang kam ich mir vor wie auf meinem alten Performa 5200 (75 Mhz, 40 MB RAM und MacOS 8.5), alles war sehr, sehr langsam. So schlimm ist MacOS X aber doch nicht, allerdings glaube ich einen kleinen Nachteil von UFS gegenüber HFS+ entdeckt zu haben: beim Öffnendes Applications Ordner nach einen Neustart hört man richtig laut die Festplatte arbeiten und der Computer wird um einiges langsamer. Ich habe die Dateiansicht auf Liste eingestellt. Anscheinend ist die Lärmentwicklung und die Langsamkeit darauf zurück zu führen, daß sich MacOS Xdie Größe jedes Programms ausrechnet. Ist zwar kein Bug, allerdings störend.

Zur Aqua Oberfläche kann man nicht mehr viel sagen, außer dass ich noch immer von ihr begeistert bin.

System Preferences heißt die Nachfolge des Kontrollfelder-Ordners, hier werden alle Systemeinstellungen zusammengefaßt: Allgemein, Netzwerk, Startvolumen, Ton, Anmeldung, Benutzer, Bildschirmschoner, Classic, ColorSync, Datum und Uhrzeit, Dock, Energie sparen, Internet, Landeseinstellungen, Maus, Monitore, Quicktime, Sharing, Software-Aktualisierung, Sprache und Tastatur. Zu Anmeldung, Benutzer, Bildschirmschoner, Classic, Dock und Sprache nun Näheres.

Vorab: Linux/Unix arbeitet fix mit einer Benutzerstruktur, das heißt, dass man sich ohne einen registrierten Usernamen nicht einloggen kann. Um Installationen durchzuführen, muss man sich als Systemadministrator (root) einloggen. Nach meiner Ansicht ist hier Apple ein Malheur unterlaufen. Man muß den User root über den NetInfo Manager aktivieren. Als jemand, der sich gerne mit Systeminnereien auseinandersetzt, kann ich das vielleicht. Allerdings bezweifle ich, dass der Otto Normal-User das auf Anhieb weiß.

Mit "Anmeldung" kann man dieses strikte "Einlog-System" übergehen. Man kann in Anmeldung einen User (+ Passwort) angeben mit dem von Start an eingeloggt wird.

Mit "Benutzer" lassen sich die verschiedenen User verwalten.

Ein neues Feature, das die Windows Welt schon länger genießen durfte, ist der "Bildschirmschoner". Dieser wird nun auch von Apple von Haus aus mitgeliefert. Mit den Verschiedensten Modulen von "Beach" bis "Aqua-Icons".

Classic ist dafür verantwortlich, dass man die alten MacOS 9.1 Programme auch unter OS X benutzen kann. Leider funktioniert das gute Teil bei mir nicht. Ich habe MacOS 9.1 auf einer eigenen Partion. Sobald ich Classic starte, bekomme ich folgende Fehlermeldung: "Ihr Computer kann mit der Systemsoftware auf diesem Startvolumen nicht starten. ..."

Dock ist die untere neue Leiste (ähnlich wie Windows, nur schöner :). Im Kontrollfeld "Dock" läßt sich die Größe des Dock bestimmen, und man kann die Animationen ein- und ausschalten.

Das Kontrollfeld "Sprache" beschäftigt sich hauptsächlich mit "Speech Commands". Das heißt, wenn ich sage: "Computer, get my mail", startet der Computer automatisch den Mail-Client und empfängt alle neuen E-Mails. Solche technischen Spielereien liebe ich, ich setze mich gerade zum Computer hin und sage: "Computer, get my mail" und schon sind 2-3 Mausklicke erspart (So faul wie ich muss man halt sein :). Freunde englischer Witze werden auch ihren Spaß an dieser Spielerei haben. Ich sage nur: "Computer, tell me a joke".

Treiber: So ganz glücklich bin ich mit diesem Punkt in MacOS X nicht. Zwar erkennt OS X auf Anhieb meine FireWire Festplatte, dafür ist mein Agfa Scanner nutzlos geworden. Drucken funktioniert, allerdings muss ich vor dem Druckvorgang einmal das USB-Kabel rausziehen und wieder anstecken, damit das System den Drucker wieder erkennt. (Vielleicht liegt es am Hub?) Meinen USB-Brenner kann ich derzeitig auch nicht benutzen (Wann kommt die carbonisierte Toast 5 Version?)...

Software: die beigelegte Software funktioniert mit Ausnahmen einwandfrei. Die Ausnahme ist der Internet Explorer von Microsoft, in MacOS 9.1 fand ich den Internet Explorer und Outlook Express das perfekte Paar. Nun wechsle ich zu dem echt geilen Apple Mailclient (einfach "Mail" genannt) und OmniWeb. Bis jetzt gab es noch keine Probleme mit den beiden. Die beigelegte Software lässt insgesamt nicht allzu viele Wünschen offen. Sogar ein Schachspiel ist dabei...

Einige traurige Geschichten gibt es aber hier auch: Zum Beispiel Apples hauseigene Office-Software. AppleWorks ist in der deutschen Version 6.0.4 so was von "verbuggt", das es beinahe unbenutzbar ist. Oder meine Lieblings Donwloadsoftware "Speed Download", die es schafft, mein Kabelmodem auf Trab zu bringen (bis zu 10 mal schneller lade ich Updates, Bilder,... runter), ist zwar carbonisiert, allerdings funktioniert nichts. (Soll keine Kritik am Autor sein, ich liebe seine Software noch immer!) Außerdem habe ich damit gerechnet, dass Adobe, Connectix und andere große Firmen am Mac-Markt erste kostenlose Updates auf den Server stellen. Nein, es geschah das Gegenteil, so kündigte Connectix z.B. kostenpflichtige Updates für einen späteren Zeitpunkt an. Wie bitte? Nun zahlt man einmal für eine Software für OS 9.1 und dann ein zweites mal für OS X? Ich wäre bereit, für eine native Version zu zahlen, aber sicher nicht für eine Carbonisierte!

Fazit: Apple ist mit OS X ein Meilenstein gelungen. Man merkt nicht, dass unter der schicken Haube ein komplexes Unix-System läuft. Wenn Apple bald Treiber und Updates (Performance!) für OS X bereit stellt, dann steht dem System ein Siegeszug bevor. Andererseits: wenn Apples Partner à la Adobe nicht bald mit MacOS-X-tauglicher Software mitspielen, könnte es noch traurig für die Mac-Welt werden.

Kommentare

mac

Von: joe | Datum: 25.08.2004 | #1
was ist mit dem mac wenn das password vergisst wie übergeht man es ?

mac

Von: joe | Datum: 25.08.2004 | #2
was ist mit dem mac wenn das password vergisst wie übergeht man es ?