ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 898

Macworld EXPO Tokio

iMacs à la Tokio

Autor: wp - Datum: 22.02.2001

Tausende von Mac-Usern waren wohl letzten Donnerstag um 2 Uhr nachts ganz schön wach, den Grund wissen wir alle. Die Frage, die dabei entsteht, ist: Hat sich das viele Kaffee trinken ausgezahlt? Die Leute, die eine neue "Innovation" von Apple erwartet hatten, wurden bitter enttäuscht. Es war klar, dass Apple die eigentlich schon längst veralteten iMacs verbessert. Ich will hier nicht auf die MHz verweisen; jedem ist klar, dass wir auf den GHz-iMac noch lange warten müssen, so überzogen waren auch die Erwartungen nicht. Die Prozessorgeschwindigkeit ist nicht das Wichtigste am Computer (obwohl uns das die DOSen-Industrie glauben machen will), Cache, die Graphikkarte, RAM, System-Bus, Festplatte, Ports, Laufwerke etc. gehören zu einen Computer. Sehen wir uns die einzelnen Komponenten durch.

Prozessor: Die neuen iMacs schmücken sich mit einer hübschen G3-CPU. Die Taktraten liegen bei 400 bis 600 MHz. Wir wissen, dass IBM jederzeit 800 MHz Prozessoren liefern könnte, aber wir wollen ja nicht die PowerMac-Linie killen. Bemerkenswert ist der L2-Cache, die teuren Modelle werden um einiges schneller sein als das Basis-Gerät. Hier finden Sie die genauen Spezifikationen.

Graphikkarte: Wohl für jeden Spieler ein wichtiger Bestandteil des Computers. Der billigste iMac besitzt eine ATI 128 Pro mit 8 MB SDRAM. Leute bei Apple, wacht auf! Das Spielen mit dieser Graphik ist eine Qual, in der PC-Industrie sind GeForce oder ATI-Grafikkarten mit 32 MB DDR-RAM Standard! Ich möchte nicht mehr leidend PC-Zockern zusehen! Die teureren Modelle warten mit einer ATI RAGE 128 Ultra mit 16 MB SDRAM auf, das ist keine große Verbesserung zu den Vorgängergeräten. Vielleicht kann ich nun Quake 3 mit 624 x 480 Auflösung optimal spielen, aber auf dem PC kriege ich es mit 1024 x 768 geboten.

RAM: Kann man nie genug haben. Allerdings zucke ich zusammen, wenn zwei der Consumer-Geräte mit 64 MB RAM ausgeliefert werden. Wie stellt sich Apple das vor? Zuerst dem Kunden ein All-in-one-Gerät verkaufen (und das soll der iMac ja schließlich sein), und dann knapp einen Monat später verlangen, dass er einen neuen RAM-Riegel einbaut, weil er sonst nicht MacOS X nutzen kann? Manchmal glaube ich, Steve lebt in einer Traumwelt mit vielen Blumen und gepunkteten Computern...

System-Bus: Apple lässt den internen Datenhighway der iMacs mit 100 Mhz takten. Standard ist inzwischen 133 MHz und aufwärts.

Festplatte: Der billigste iMac glänzt nicht gerade mit einer 10-GB-Festplatte. Sicherlich man kommt damit aus, allerdings ist es bequemer, mit 20 GB (und aufwärts) zu arbeiten.

Ports (Schnittstellen): Es hat sich seit den Vorgänger-Produkten nicht viel geändert. Zweimal USB, zweimal FireWire, ein Ethernet-Anschluss (10/100BASE-T) und natürlich Audio-Ausgänge. War vor einiger Zeit bei Apple nicht etwas von Gigabyte-Ethernet zu hören...?

Laufwerke (CD-ROM, DVD, CD-R): Ich gratuliere Apple zur neuen iMac-Linie. Es gibt kein Gerät, das DVDs abspielen kann, das nenne ich Zickzack-Marketing. Im vorigen Jahr war DVD bei Apple noch ein Muss, wenigstens das teuerste Gerät sollte auch DVDs abspielen können. Um den Preis (siehe unten) wäre im Einsteigergerät noch ein CD-RW möglich gewesen.

Die oben erwähnten Computerkomponenten sind für die meisten Leute wichtige Kauffaktoren für einen PC. Beim iMac allerdings muss man weitere 3 Punkte in Betracht ziehen: den Monitor, das Design und den Preis.

Der Monitor: Apple schafft es noch immer nicht, den iMac mit 17"-Monitor zu verkaufen, somit bleibt ein weiterer Nachteil des iMacs. (Vor allem für Gamer!)

Das Design: Ich mag das Design der alten iMacs, nur Snow hat mir nicht so gut gefallen. Und nun "Flower-Power" und "Blue Dalmatian": ich sehe schon die Händler auf ihren "Flower Power Kartons" sitzen. Mit den Worten eines Redaktionsmitglieds: "Wann kommt Steven Jobs mit roten Puff-Plüsch-iMacs daher?". Die einzigen Farben, die sich wahrscheinlich gut verkaufen werden, sind "Graphite" und "Indigo".

Der Preis: Oft von PC-Usern als Schlagmichtot-Argument vorgebracht, und diesmal berechtigt! Überhöht! 1.307,38 Euro kostet das billigste Produkt, der billigste Flower-Power iMac kostet 1.583,54 Euro. Der Profi-iMac kostet satte 2.012,31 Euro. Das ist schwer überteuert, ich sehe keinen Grund für diese hohen Preise, und Apple wird sie auch nur schwer erklären können bzw. es gar nicht versuchen.

Fazit: Ich bin enttäuscht von der neuen Produktlinie, jeder DOSen-Freak kann, wie ich oben, den iMac ohne Probleme zerpflücken. Man wird die neuen iMacs schwer an einen Otto-Normal-User verkaufen können. Der einzige Kaufanreiz ist, dass hinter dem i eben noch das "Mac" steht, und mit diesem Wort verbinden wir das Beste, was ein Computer bieten kann. Leider wissen nur wir Mac-User um die Bedeutung dieser 3 Buchstaben. Apple hat mit der neuen Produktlinie dafür gesorgt, das dieser eingeweihte Kreis nicht gößer wird...

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