ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 902

Macworld EXPO New York

New Yorker Neuigkeiten in Wien

Autor: wp - Datum: 18.07.2001

Apple Österreich zeigte in Wien die "Neuigkeiten" aus New York und nicht allzuviele Journalisten kamen. Zu wenig erstaunlich waren die Ankündigungen und Produktvorstellungen, mit denen CEO Steve Jobs anlässlich der MacWorld Expo hatte aufhorchen lassen.

Dem exklusiven Grüppchen zeigte Holger Niederländer von Apple die neuen PowerMac G4s in ihren hübschen Quicksilver-Gehäusen. Das leicht überarbeitete Design paßt wunderbar und schlägt wieder einmal alle PC-Konkurrenten um Längen. Mit einem elenden Konstruktionsfehler allerdings sind die Geräte behaftet. Was auf den vielen Bildern wie ein übergroßer Einschaltknopf aussieht, ist der interne Lautsprecher, besser: die Membran. Ja, da kann man draufgreifen, leider. Es kann schon mal passieren, daß man wütend unter den Tisch greift, um reset zu drücken und plopp - Lautsprecher kaputt. Anders als bei den etwas klüger konstruierten Pro Speakern hat Apple leider keine Kindersicherung eingebaut - direkter Zugriff auf die Membran. Hier haben die Produktdesigner versagt, wer die Realität so aus den Augen verliert, sollte bei den Ohren genommen werden.

Ansonsten wurden feine benchmarks vor allem der neuen Dual 800 Mhz G4 Maschinen präsentiert. Kein Wunder, daß man eine Stunde Audio in circa 4 Minuten auf mp3 konvertieren kann - oder gar MPEG 2 Video in weniger als realtime kodieren. In einer kurzen Zuspielung erklärte Jon Rubinstein, welche Faktoren die Leistungsfähigkeit eines Prozessors ausmachen, und baute damit weiter an Apples Erklärung des "Megahertz Myth". So ist der G4 beispielsweise nur halb so groß wie seine Konkurrenten Pentium IV, Itanium oder UltraSPARC 3 - und auch effizienter. Die "pipelines", durch die Information geschickt wird, sind beim PPC G4 deutlich weniger als bei den anderen Prozessoren, wodurch kürzere Durchlaufzeiten die logische Folge sind. Der G4 hat 7 pipelines, der Pentium IV hat 20, die Wunderwaffe Itanium noch immer 10 und der UltraSPARC von Sun 14. Noch Bemerkungen zu "intelligenter Architektur"?

Was kann ich euch noch flüstern? MacOS 10.1 ist wirklich schneller, wenn Steve nicht mit getürkten Maschinen gearbeitet hat (Cluster?) und wird uns hoffentlich schon in 2 Monaten überraschen. In diesem Bereich hat Apple glücklicherweise auf die Beschwerden der User gehört und das System beschleunigt. Wie sagte Steve so schön? "Finder, program launch, window resizing - you name it, it's faster!" Programmstarts und die Veränderung der Fenstergröße sind endlich so schnell wie in MacOS 9 auch. (Bei Apple wird künftig nicht mehr in Sekunden gemessen, sondern daran, wie oft das icon im Dock auf und ab hüpft, bis die Applikation gestartet ist. Neue Meßeinheit: one bounce. Steve: "If you started Mail, it took six bounces. Now - one bounce, here it is!")

Endlich können DVDs abgespielt werden, können auch Daten-CDs gebrannt werden, und auch AirPort kann ab diesem Update aus MacOS X verwaltet werden. Ob es einen Download des Updates geben wird, ist noch unsicher. Apple Europa bemüht sich, der Zentrale diese Notwendigkeit klarzumachen. Wer das Update, das locker 100 MB schwer sein wird, dann per Breitband-Anbindung saugen möchte, kann es also vielleicht tun - alle anderen werden um die Handling-Pauschale von 50,- DM nicht herumkommen. Ebenfalls mit MacOS 10.1 kommt MacOS 9.2 heraus, weil es als Classic dort schon integriert ist. Alle wesentlichen Updates wie AirPort und eine neue Java VM sind hier drinnen.

Schlau ist Apple übrigens auch bei iTunes - das Programm wird, um den Benutzern gleich ordentlich etwas vorführen zu können, mit 200 Beispielen ausgeliefert. Schon gespannt, wessen Musikgeschmack sich hier durchgesetzt hat - wenn es Steve war, ist die "Beach Boys: Greatest Hits" sicher dabei...

In der Produktmatrix ist es wieder simpler geworden, vier Felder nach dem Verschwinden des cube. Niederländer im O-Ton: "...der cube... den wir im Moment nicht produzieren..." - das klingt doch vielversprechend, oder? Jedenfalls war bei allen deutlich zu bemerken, daß man mit ordentlichen Hardware-News im Herbst rechnet. Paris wird demgemäß eine Feier und vielleicht gibt es auch auf der Seybold irgendwas Feines zu sehen. Apple hat mit den neuen PowerMacs wichtige Schritte unternommen, um konkurrenzfähig zu bleiben - weit voraus ist man den Konkurrenten aber lediglich im portablen Bereich und bei der Software, so wie sie im Herbst ausgeliefert wird. Apple muß den Markt für Consumer wieder von hinten aufrollen, und es sollte besser eine revolutionäre Maschine sein - denn ein iMac mit TFT wird nicht gerade billig, und muß mit anderen Attraktionen aufwarten können. Wir sehen zu - und freuen uns einstweilen an der "installierten Basis", zu der auch wir gehören, und die uns einen relativ reibungslosen und angenehmen workflow ermöglicht. Semper Mac!

Kommentare