ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 912

MacWorld Expo 2002 - Erwartungen

Autor: wp - Datum: 06.01.2002

Die Fragestellung an unsere Kollegen bei diversen anderen Mac-Magazinen war: "Was erwartest Du Dir persönlich von Steve Jobs keynote am Montag?". Herzlichen Dank an alle, die geantwortet haben - ihr habt die Chance auf Unsterblichkeit mit einer richtigen Prophezeiung oder ihr liegt flach auf der Schnauze, weil Steve doch nur Hemden zeigt, die auf Knopfdruck die Farbe wechseln...


Als schnellster hat Ian Banfield von themac.de geantwortet, er hält sich auch recht bescheiden und erwartet keinen Überraschungseffekt a la "one more thing".

Es kommen sicherlich neue iMacs mit eingebauten Flachbildschirmen, dieser läßt sich abnehmen und man kann bequem neben dem Rechner surfen. Dazu gibt das neue und revolutionäre Programm "iPhoto", das Bilder bearbeiten noch leichter machen soll. Eine Pro Version wird es wegen PShop nicht geben. Den neuesten G5 mit maximal 1,2 GHz zaubert Steve auch noch aus dem Hut - natürlich mit einem Vergleich, bei dem Intel (wie immer) etwa 30 mal so langsam ist. Die Consumer iBooks werden etwas aufgewertet, aber nicht sensationell. Einen PDA oder etwas anderes erwarte ich nicht - zum Einen wäre das wirklich nicht eine solche Ankündigung wert, zum Anderen hat Apple das selbst mal glaubhaft bestritten.

___

Bei macinplay.de haben wir gleich zwei Kollegen gefragt: Gero Pflüger, der alte Whiskeytrinker, macht den Anfang. Hat wohl zu tief ins Glas geschaut...

Der ganze Hype für ein paar upgedatete iMacs mit TFT und GHz mit zeitgemäßer Grafikkarte und RAM-Ausstattung? Nie im Leben. Das riskieren die nur für was richtig Dickes. Mein Tipp: Ein neues "breakthrough digital device", aber kein iWalk, sondern vielleicht eher ein Mobiltelefon mit vernünftiger, intuitiver Benutzerführung (Motorola stellt ja nicht bloß Prozessoren her...) und Verzicht auf den WAP-Mist zu Gunsten eines verhältnismäßig schnellen Web-Angebots für dieses - hmm - iCom? iTalk? iSpeak? iSurf?

Ansonsten vielleicht noch Mac OS X für AMD/Intel. (This is big. Even by our own standards.)

___

Joy (Moritz) von Macelodeon geht einen ganz unkonventionellen Weg und glaubt an eine radikale Umstrukturierung der Produktlinie:

Wenn ich jetzt mal so darüber nachdenke kann ich wirklich nicht sagen, was ich erwarte. Eher nicht so viel, obwohl Apple die Klappe ja mächtig aufgerissen hat. Vielleicht wird neben dem Cube nun auch der iMac aus dem Programm genommen und statt dessen für die SOHO-Schiene eine Art Baukasten-System eingeführt: einzelene, kombinierbare (in Lego-manier zusammensteckbare?) Komponenten, knuddelig wie der iMac, handlich wie der Cube, aber nun doch auch (begrenzt) erweiterbar. Und das Display auch als abnehmbares Modul.

___

Ingmar Wenz ist bescheiden und senkt erstmal die Preise - ist aber wohl der einzige Redakteur, der noch daran glaubt, daß aus AppleWorks je eine Profi-Anwendung wird:

*) Preissenkungen bei den Monitoren und beim iPod.
*) Ein neues digitales Gerät.
*) Neue G4s mit bis 1.4 Ghz, DDR-RAM, bis 100 GB Festplatten, viel RAM, Geforce
3 Ti 200-Karten, 200 Mhz Bus, Firewire 2 (800 Mbit)
*) Neue iMacs mit 900 Mhz, 1 Ghz, 1.1 Ghz, außerdem Flachbildschirm, geniales Design, Geforce 2-Karten, zu wenig Ram, erweiterbarer als früher.
*) Eine Bildbearbeitungssoftware in Richtung iPhoto. Schnell verwaltbar, automatisches Entfernen von Kratzern und so Sachen, die man wirklich braucht.
*) Als Pro Anwendung AppleWorks 7.
*) iMovie 3.
*) Neue iBooks in zwei Farben, schneller, auch im kleinsten Gerät ein 100er Bus, bissel mehr RAM.

Uiuiui, ich weiß jetzt schon, dass ich falsch liege, aber ich bin nunmal optimistisch :-)

___

Jörn Dyck von mactv.de weiß es klarerweise ganz genau - und was will er dann in seinem zweistündigen Vorprogramm zur keynote erzählen, wenn er hier schon die Geheimnisse ausplaudert? Tante Erna oder auch Dame Edna machen die Vorgruppe...

Hi,
eine Prognose ist für mich sehr einfach, da ich über die kommenden Produkte und den Ablauf der Keynote vollständig informiert bin:

iMac

*) Einsteiger-Mac: altes Modell mit 600 bis 700 MHz, verfügbar mit CD-ROM, Brenner oder Combo
*) Neue TFT-Modelle mit 700 bis 800/900 MHz. Kein Gigahertz-iMac, jedenfalls nicht für Januar und Februar! Falls dieser für März angekündigt wird, kommt er erst im April. Und kein 15-Zoll-TFT, sondern nur 14 Zoll. Das Design wird sich entfernt an die übrigen Monitore anlehnen, aber nur bei der Draufsicht direkt von vorne. Ansonsten bekommt der iMac ein eigenes Profil. Das Aussehen der übrigen Monitore jedoch wird sich ebenfalls verändern. Der iMac wird also NICHT aussehen wie ein aktuelles 15-Zoll-Display von Apple, nur dicker. Es bleibt beim G3, es bleibt beim Harman-Kardon-Sound, und es bleibt beim Slot-In. Airport ist in allen TFT-iMacs serienmäßig eingebaut. Ausser dem TFT und den damit verbundenen Formänderungen wenig Neues. (Erschlagt mich!)

PowerMacs

Obwohl viel auf neue G4s hindeutet, tippe ich dennoch auf den G5. Einer muss es ja wagen! Es wird fünf Modelle geben, zwei mit neuem G4 (Codename "Apollo") und drei mit G5 (Codename "Flash Gordon"). Alle Modelle schaffen die GHz-Hürde. Die G5-Modelle sind ev. erst im Februar lieferbar. Taktungen irgendwo zwischen 1,0 und 1,6 MHz. Konfigurationen ungewiss. Superdrive in allen Modellen außer dem Einstiegsgerät. (Ist sowie nur Makulatur, da man im AppleStore eh so konfiguriert, wie man möchte.) Airport serienmäßig in allen PowerMacs außer dem Einstiegsmodell! Firewire mit 800 MBit/s und USB 2 nur in den G5-Modellen, die G4s bleiben in diesem Punkt unverändert.

Das ist bitter: Die G4s kommen nicht mit dem neuen Board mit 266 MHz, sondern bleiben bei 133 MHz stehen! Auch das olle Gehäuse bleibt! Oh mein Gott! Jedoch holt Apple das bei den G5 nach, die in allen Punkten neu sind. Neu ist auch das Preisschema. Die üblichen 1699, 2499 und 3499 Dollar werden nach oben erweitert, nämlich um ein Modell für unverschämte 3999 Dollar. 1699 Dollar kostet ein G4 mit einem Prozessor, das zweite Modell hat zwei Prozessoren, das dritte Modell hat drei -- nein, das dritte Modell hat einen G5, das vierte Modell hat ebenfalls einen (höhergetakteten) G5, und das Topmodell hat zwei G5.

Obwohl es nicht den geringsten Zweifel daran geben kann, dass diese Prognose exakt so eintreffen wird, möchte ich dennoch für den höchst unwahrscheinlich Fall, dass die schon im Lager stehenden G5-Macs nur deswegen zurückgehalten werden, um mich hier zu blamieren, folgendes bekanntgeben: In diesem Fall bleibt es bei drei G4-Modellen, die alle zwei Prozessoren haben werden, die zusammengenommen mit mindestens 2 GHz takten. Damit schliesst Apple zur Intel-Welt auf. Ätsch!

Steve Jobs wird zuerst die Gigahertz-G4s ankündigen, und die G5-Modelle erst am Schluß seiner Desktop-Orgie als "one more thing" ankündigen. Danach muss der Saal geräumt werden, weil ein Fan auf die Bühne springt, sich wie ein Hund mit allen Vieren an Steve Jobs' Bein festklammert und sein Genital an ihm reibt. (Einfach widerlich!)

Monitore

Es wird eine komplett neue Linie an Displays geben. Mehr darf ich aus Gründen der Diskretion nicht sagen. (Hmpffh...)


Laptops

Die Laptops bekommen alle neue Prozessoren und die übliche Modellpflege. Das iBook behält seinen Bildschirm. Die bisherigen Einstiegsgeräte werden ersatzlos gestrichen, Brenner gibt es auch nicht mehr. iBooks mit CD-ROM werden nur noch im AppleStore für den Bildungsmarkt verhökert, allen anderen wird ein Combodrive aufgezwängt. Farbige iBooks wird es definitiv nicht geben.

Steve Jobs

Viel wichtiger als dieser technische Firlefanz ist die Frage, welche Klamotten Steve Jobs tragen wird, ob er einen Bart hat, und ob er von links oder rechts auf die Bühne kommt. Hier die Antworten: Jeans, schwarzer Pulli (okay, das war einfach), rasiert, von links. Die Reihenfolge des Vortrags: Begrüßung, OS X, Grußworte und Demos von wichtigen Softwarefirmen. Dann: G4, G5, neue Monitore (siehe unten), neue Laptops, kurze Pause für das rote Kreuz, iMac. Falls jemand aus dem Publikum diese Völlerei überlebt haben sollte, was bislang nicht geplant ist, gibt es noch ein weiteres Dings. (Komisch, auf englisch klingt es besser.) Die Keynote wird verspätet um 18:06 Uhr beginnen und nicht vor 20:32 Uhr aufhören. MacTV.de wird live senden von 16 bis 18 Uhr, und nochmal nach der Keynote.

Alles wird in jedem Fall genau so eintreten, wie ich es geschildert habe, der Herr sei mein Zeuge.

____

Nicht nur den Spielen verschrieben hat sich Olaf von href="http://www.crackintosh.de">crackintosh - doch auch bei ihm klingt die Angst vor Enttäuschung durch. Apple hat die Latte verdammt hoch gelegt...

Nette idee, das! ich bin der festen überzeugung, dass ein neues "breakthrough-device" vorgestellt wird: das erste apple-autoradio auf basis des ipod mit erweiterten, wegweisenden fähigkeiten...;) sowas in der art...

so oder so; es wird entweder spannend und ein richtiges "oooooh"-erlebnis oder eine enttäuschung. hoffentlich kein cube oder ipod, nachdem apple die stimmung selber so sehr angeheizt hat.

____

Sebastian Harnau von macuser.de hat ebenfalls auf mein Mail geantwortet und spekuliert eifrig mit - ich freu mich immer, wenn Kollegen Sätze beginnen mit "seien wir mal realistisch"...

Hier meine Vermutungen:
iMac: Der iMac in seiner jetzigen Form wird nicht weiterexistieren. Wenn man sich die bestehenden Gerüchte einmal durch den Kopf gehen läßt, dann ist zu erwarten, daß es folgende Ausstattungsmerkmale geben wird: Der G3 Prozessor wird uns wohl weiter erhalten bleiben, aber aller Wahrscheinlichkeit in Taktraten bis zu 1 GHz verbaut werden. Eine Verbesserung des SystemBusses auf 133MHz scheint sinnvoll, ebenso, daß der neue iMac eine schnellere Grafik erhält (ATI Radeon?). Schnittstellentechnisch wird die neue MacGeneration bestimmt auf USB 2.0 vorbereitet, um jene Entwicklungen nicht der PC-Welt zu überlassen. Ob FireWire in überholter Generation dabei ist, bleibt abzuwarten. Festplattentechnisch sollte Apple den Schritt auf ATA100 bzw. ATA133 wagen, um dem PC keinen zu großen Vorsprung zu gewähren. Bleibt die Monitorfrage! Da Apple schon einmal angekündigt hat, auf TFTs umzusteigen, ist es wohl sicher, daß der neue iMac mit einem 15Ó TFT (möglicherweise auch 14,1Ó) ausgeliefert wird. Da dies jedoch ein signifikanter Kostenfaktor ist, vermute ich, daß Apple hier eine der Flexibilitäten in folgender Form bietet: entweder wird es ein (günstiges) Einsteigermodell mit dem vertrauten CRT Monitor geben und nur die größeren iMacs werden mit TFT geliefert, oder die neuen iMacs erlauben eine flexible Monitorwahl, indem sie VGA-Anschluß für vorhandene Monitore und ADC-Anschluß für die Apple Displays bieten. Damit würde der iMac teilweise in die Fußstapfen des ehemals produzierten Cubes treten, als die Lücke zwischen altem iMac und G4 verkleinern. Außerdem wäre diese Lösung preislich dann sehr attraktiv. Als Optische Laufwerke werden wohl in der iMac-Serie die Combo-Drives zum Einsatz kommen, DVD-R ist wegen Mangel an AltiVec-Einheiten im Prozessor ziemlich sinnlos.
Die G4 Quicksilver-Modelle: Hier brodelt die Gerüchteküche wohl am stärksten, bleiben wir jedoch einmal realistisch: Ein G5-System würde wohl zu diesem Zeitpunkt jeglichen Preisrahmen sprengen, so daß mit jenen High-End-Systemen wohl frühstens im Sommer gerechnet werden kann. Der neue Apollo-G4-Prozessor jedoch stellt eine anprechende Verbesserung dar. Mit Taktraten bis 1,6 GHz wird er wohl in den neuen G4s landen, die ähnlich wie die iMacs aufgewertet werden. ATA100 bzw. ATA133 für die Festplatten, SystemBus wird erhöht (266MHz?), DDR-Speicher, USB2.0, schnelleres FireWire... Eine interessante Frage ergibt sich noch bezüglich der verbauten Grafikkarte. Ob die Geforce MX2 bleiben wird oder sie einem schnelleren Modell weichen muß, mal sehen. (Wenn der iMac einen neuen Radeon spendiert bekäme, würde der G4 mit seiner Geforce MX2 möglicherweise etwas schlecht darstehen...). Combo-Laufwerke bzw. DVD-R-SuperDrives beherrschen die Einbauschächte für die optischen Laufwerke. Interessant könnte es noch um Dual-Prozessor-Maschinen werden. Möglicherweise werden sie ja preislich etwas attraktiver, um dann die Vorzüge von OSX bzgl. Multiprozessor-Nutzung vollends auch auf dem privaten Sektor ausspielen zu können.
iBooks und PowerBooks: Ob die mobilen Apple-Rechner irgendwelche Verbesserungen erfahren, ist schlecht zu sagen, aber ich denke, diese werden dann keine großen Umentwicklungen sein, sondern höchstens marginale Upgrades.
One more thing...: Ein Newton-Nachfolger? Ein neuer Rechner im Cube-Konzept, wer weiß das schon? ;-)))

___

Last but not least: der Mann, der selbst an einem G3 ablesen kann, wie spät es ist: Sven Negrassus von macinfo.de, der Meister der Spezifikationen, Prediger der Mhz-Gap und beste Quelle für Detailinformationen zu Prozessoren:

Eine gute idee, ich weiss jedoch nicht was ich da zu all den gerüchten noch sagen soll. ich stehe der sache etwas trockener gegenüber und hoffe die leute in kalifornien übernehmen sich da nicht:

Was ich erwarte ist ein Upgrade der PowerMacs auf den "Apollo" G4 Prozessor mit etwas mehr als 1 GHz Taktrate sowie 266 MHz DDR-SDRAM Speicher, der iMac dürfte sich mit seinem G3 Chip der 1 GHz Marke annähern (1 GHz wird wohl als demnächst verfügbar angekündigt werden) und endlich einen 14-15 Zoll grossen Flachbildschirm mit höherer Auflösung erhalten. Beim iBook liegen etwas schnellere Prozessoren (700 MHz) und mehr Hauptspeicher drin, das PowerBook
wird wohl aufgrund des erst kürzlich gemachten Upgrades noch nicht weiter beschleunigt (eine höhere Bildschirmauflösung wäre natürlich bei den fallenden LCD Preisen eine nette Aufwertung). Ob sich aus iMac mit Flatscreen und iBook gleich ein einziges neues Gerät machen lässt müssen wir abwarten -- das iBook ist ja angeblich heute schon ein iMac ("To Go").

Bei all dem Hype den Apple im Vorfeld dieser Keynote anzettelt dürfen wir eines nicht vergessen: Wenn die Obsthändler aus Cupertino im Januar all ihr Pulver verschiessen, was bringen sie denn im Februar in Tokio und im July in New York? Gewöhnen wir uns nicht automatisch an bessere Shows und erwarten jedes Mal noch eine Steigerung? Apple würde sich bei zu vielen Neuvorstellungen selber das Leben schwer machen. Neben all der Hardware ist meiner Meinung nach die Software fast wichtiger, jedenfalls solange MacOS X noch nicht ausgereift ist - da fehlen auch nach den vielen kleineren Updates überall noch Optimierungen. OSX ist gut und lässt sich prima als Betriebssystem nutzen (wann habe ich denn das letzte Mal in OS9 gebootet?), in Sachen Performance (Finder!), 2D Grafikleistung und Batterieverbrauch (bei portablen Rechnern) muss aber noch kräftig nachgelangt werden. OSX 10.2 ist für mich zusammen mit dem Überwinden der 1 GHz Barriere die wichtigste Vorstellung - neben einer Jobs-typischen innovativen Überraschung natürlich!

Kommentare