ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 920

Vom Würfel-Mac zum iBook - Teil 1

Geständnisse eines unheilbar von Mobilitis tremens befallenen Macianers.

Autor: wp - Datum: 25.08.1999

Teil 1: Aller Anfang wiegt schwer ...

Eigentlich hat es mich ja schon 1986 gepackt. Als ich meinen ersten Mac anschaffte, seligen Angedenkens. Ein Apple Macintosh 512k, jener beige Würfel, der dem legendären ersten Mac von 1984 folgte, mit fulminanten 512kB RAM ausgestattet. Und tragbar. Naja, wohl eher schleppbar. Aber immerhin, in einer Zeit unbeweglicher Desktop-Rechner war es schon eine feine Sache, wenn man seinen Mac nebst Maus und Keyboard in einen ebenfalls würfelförmigen Tragekoffer aus Cordura verpacken und mitnehmen konnte. Am liebsten natürlich an einen Arbeitsplatz, wo alle anderen ³Rechner² Kugelkopf-SchreIBMaschinen waren. Ja, ich glaube, damals habe ich mich infiziert mit diesem Mobilitäts-Virus ...

Mittlerweile ist die Krankheit voll ausgebrochen. "Mobilitis tremens"!

Wie äußert sich das? Nun, der Würfel-Mac von damals mutierte über mehrere Stufen zum Mac Plus, wurde abgelöst von einem SE/30. Und dann war es mit dessen Nachfolger, einem Quadra 800 erstmal vorbei mit der Mobilität. Und irgendwie fehlte was. Schließlich kam dieses merkwürdige Kribbeln auf, jedesmal morgens, wenn ich aus dem Haus ging. Raus in die feindliche Welt, OHNE Mac! Brrr! Gut, an meinem Arbeitsplatz in der Firma erwartete mich erst ein LCIII, später ein 6100er. Aber irgendwie ... Nun, es kam, wie es kommen mußte: Da die Agentur sich auch gegenüber ihren Kunden als technologischer Vorreiter beweisen musste (Werbeagenturen per se, insbesondere die großen, sind stockkonservativ, sobald irgendetwas Geld kostet), ließen sich die Verantwortlichen mit einiger Mühe überreden, eines der ersten 5300er PowerBooks anzuschaffen, zusammen mit einem Monster von Beamer. ­ Ich war im Himmel! Denn natürlich schleppte ich das Powerbook von da an mit mir rum, privat (man muss ja auch mal zu Hause oder übers Wochenende arbeiten ­ von dem Quadra wusste ja keiner was ... ) und zu Präsentationen. In der Phase war ich drauf und dran, meine Mobilitis-Infektion in den Griff zu kriegen.

early adopting

Dummerweise kam dann Internet auf. Und natürlich musste ich mich als "early adopter" profilieren, als einer von den Bekloppten, die ganz früh auf den UNIX- und DOS-getriebenen Zug aufsprangen. Oh Mann, jeder, der damals als Mac-User versuchte, bei seinem Provider sinnvolle Hilfestellung zu bekommen beim Installieren der notwendigen Software und dem korrekten Eingeben von Zugangsdaten wie IP-Adresse, Subnet-Router etc. (klar, alles manuell!) wurde schier in den virtuellen Wahnsinn getrieben. Ich mühte mich volle zwei Wochen ab, abends nach dem Job, bis ich mich endlich zum erstenmal einloggen konnte. Mit einem superschnellen 9600-Baud-Modem. Wow, ging das ab! Dem dann bald ein US-Robotics mit 24.400 Baud folgte. Natürlich war die Internet-Zugangssoftware längst auch auf dem PowerBook installiert. Sehr praktisch, das. Auch wenn es ausgesprochen nervig war, unterwegs, im Hotelzimmer nach der verfluchten Telefondose zu suchen, das Telefon abzuklemmen, das externe Modem per Adapter anzuschließen und online zu gehen. Die Kosten? Nun ja ...

Nachdem mein geschätzter Arbeitgeber erstmal in der Hardware-Aufrüstungsspirale drin steckte, gab¹s kein Halten mehr: Das mittlerweile für Multimedia-Präsentationen zu lahme 5300er wurde durch ein 1400c abgelöst. Das ich, nebenbei bemerkt, immer noch für einen der ganz großen Apple-Würfe halte ­ kinderleicht auseinanderzunehmen und aufzurüsten, individuell zu designen durch das austauschbare Cover und ausreichend flott, zumindest in der 166MHz-Version mit Backside-Cache. Mit diesem Teil wurde meine Krankheit endgültig unheilbar! Erst recht, als es mich auf einem Kalifornien-Trip begleitete ­ mitten hinein ins Silicon Valley. Wir hatten per Internet (www.virtualcities.com/~virtual/ons/0onsadex.htm) eine nette Bed & Breakfast Adresse gefunden, mitten in Palo Alto. Und erlebten zum erstenmal, wie selbstverständlich mobile Kommunikation sein kann: Natürlich hatte unser Zimmer einen direkten Anschluß für Laptops! Alles, was zu tun war, war Einstöpseln. Und das Beste: Über meinen UUnet-Account hatten wir einen lokalen Einwahlknoten in Palo Alto. Was schlicht bedeutete, dass keinerlei Telefonkosten anfielen ­ Ortsgespräche sind in den Staaten kostenlos! Oops, mir wird im Nachhinein noch ganz schlecht, wenn ich an die Telekom hierzulande denke.

big love

Tja, das war im sonnigen Kalifornien 1998. Während jener viel zu kurzen 14 Tage Urlaub, in denen ich meine große Liebe treffen sollte. Nein, nicht was Ihr denkt, schließlich bin ich verheiratet! Ich rede natürlich von einem keine 4 Pfund schweren Highlight des Apple-Programms, das leider nie den Weg über den großen Teich nach Europa fand. Und meine Mobilitis-Infektion endgültig ins tremens stürzte: Das Apple Subnotebook PB2400c. Was es damit auf sich hatte, wie wir uns zum erstenmal begegneten und was das für Folgen hatte, dazu mehr im demnächst erscheinenden Teil 2 meiner Geständnisse eines mobilen Macianers ...

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