ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 921

Vom Würfel-Mac zum iBook - Teil 2

Geständnisse eines unheilbar von Mobilitis tremens befallenen Macianers.

Autor: wp - Datum: 04.11.1999

Teil 2: Love, true love

Nach meinen doch recht erfreulichen Erfahrungen mit den firmeneigenen 5300er und 1400er Powerbooks stand für mich fest: Was ein echter Macianer ist, der braucht sein eigenes Mobilzeug. Und weil ein echter Macianer ausserdem die (amerikanische) MacUser abonniert hat, konnte es nicht ausbleiben, dass ich über einen Artikel in der Juliausgabe von 1997 stolperte, wo der Verfasser mir bereits auf der Titelseite unter der Headline "First Look: PowerBook 2400c ­ Apple's smallest, sexiest portable yet!" den Mund wässrig machte und im Inneren dann noch eins drauflegte mit "The Incredible Shrinking PowerBook." Ein Apple Subnotebook auf Basis der PCI-Platine des 3400er. Mit einer auf 180MHz getakteten 603ev CPU, allen wichtigen Schnittstellen von 2 PC-card Slots über IR und SCSI bis ADB und seriell. Und das bei einem Kampfgewicht von gerade mal 4 Pfund. Ich war hin und weg. Bis ich die letzten paar Zeilen des Artikels überflog: Oops! Der Preis: Flotte $3,499.- in Amiland. Und verfügbar vorerst nur auf dem japanischen Markt. Was für ein Glück...

Tja, das war meine erste Begegnung mit meiner großen Subnotebook-Liebe. Die erstmal fast wie im richtigen Leben an der Kohle scheiterte. Aber wie jeder echte Liebhaber übte ich mich in der Geduld des Jägers. Man weiß ja, wie das mit den Marktpreisen von Hardware ist, über die Zeitachse gesehen. Ein erste leibhaftige Begenung mit dem Objekt meiner Begierde fand dann 1998 statt, ausgerechnet auf der deutschen Macworld Expo in Düsseldorf. Ein Redakteur von macnews.de, coole Socke, aber erkennbar gestresst, hatte sein 2400er inklusive (lechz!) KritterCam aufgebaut, um live von der Expo auf die Website zu übertragen. Ich war gebührend beeindruckt, durfte das Teil aber leider dann doch nicht streicheln und herzen.

Wie auch immer, das Feuer loderte lichterloh. Und ich schaute mich in den folgenden Wochen ganz gezielt im Internet um (www.ebay.com), ob irgendeine mitfühlende Seele unter dem Eindruck der gerade vorgestellten neuen G3-Powerbooks bereit war, sich von dem Baby zu trennen. Keine Chance. Und vor lauter Frust erstand ich stattdessen ein gebrauchtes "Blackbird", ein PB540c. War in Top-Zustand, dabei noch bezahlbar und für die Texterei, gelegentliche Datenbank-Spielereien und mobiles Surfen gut geeignet. Letzteres ging zuhause sogar recht flott, seit der Hagenuk Speed Dragon den ISDN-Zugang möglich machte. Einkanalig. Ich war zufrieden. Aber nicht glücklich. Ein Newton 130, den ich mir zwischenzeitlich zulegte, auch gebraucht, war zwar ganz nett, aber irgendwie mit seinen etwas indifferenten Maßen zu sperrig für ein PDA (bei aller technischen Genialität) und zu kompakt für ein Subnotebook. Ich war nah dran, in eine tiefe Depression zu fallen.

Und dann passierte es! Ich hatte zwischenzeitlich die auf alle Apple Subnotebooks ab dem ersten Duo spezialisierte Mailing-Liste DuoList abonniert (Info dazu unter: www.themacintoshguy.com/lists/ DuoListFAQ.shtml) und war selbstredend auch auf der inoffiziellen 2400er Homepage www.sineware.com/mac2400 häufiger Gast. Und plötzlich wurde der heisse Tip herumgereicht, dass runde 30 nagelneue 2400er aufgetaucht sein sollten. NAGELNEU! Gebraucht ja, refurbished auch gut, aber neu? Schätze, ich habe jede Warp-Speed hinter mir gelassen, als ich hinüberklickte zu www.smalldog.com, um mich zu vergewissern. Bingo! 31 Powerbook 2400c waren da gelistet. Nagelneu und originalverpackt. Zum Preis von fast $1,271.-. Nicht billig für ein zu dem Zeitpunkt bereits nicht mehr produziertes Teil. Aber gut, das war ich bereit auszugeben, um meiner Geliebten endlich über die sanft gerundeten Flanken streicheln zu dürfen. Und die Dollars für zusätzliche 64MB RAM auf dann 80MB fielen mir auch merkwürdig leicht. Liebe muß wohl doch blind machen...

So war das, neulich, Ende letzten Jahres. Ich habe natürlich blitzartig das Blackbird verkauft. Den Newton auch. Und vom Erlös fast die Kosten für das 2400er gedeckt. Ich war im siebten Apple-Himmel. Nein, ich bin's immer noch. Denn trotz aller Wallstreet- und Lombard-Hype kann uns, mein 4-Pfund-Schätzchen und mich, niemand mehr auseinanderbringen.

Im Gegenteil. Im Laufe diesen Jahres ist allerlei leckere Peripherie hinzugekommen: Besagte Kritter-Cam, um Still- und Bewegtvideo aufzunehmen, eine OPTION GSM- und Modemkarte, eine Ethernetkarte von Dayna (CommuniCard E), ein Adapter für den nutzlosen Zigarettenanzünder im Auto, zur Sicherheit ein zweites Netzteil und eine zweite Lithium-Ionen-Batterie, ein Kensington WetSuit aus robustem Neopren, dem sexy Subnotebook ganz auf den Body geschnitten. Schmacht. Man schaut eben nicht aufs Geld, wenn das Herz spricht. Und übrigens: Dieser Artikel hier ist natürlich auch auf meinem kleinen Liebling geschrieben. Ebenso wie der demnächst hier erscheinende Teil 3 meiner Geständnisse eines mobilen Macianers...

Kommentare