ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 922

Vom Würfel-Mac zum iBook - Teil 3

Geständnisse eines unheilbar von Mobilitis tremens befallenen Macianers.

Autor: wp - Datum: 07.12.1999

Teil 3: Spieglein, Spieglein in der Hand, wer baut den ersten Wearable Mac im Land?

Tja, da ist man nun stolzer Besitzer eines Powerbook 2400c, des fast leichtesten und mit Sicherheit sexysten (oops! Geht das im Deutschen überhaupt?) Subnotebooks, das Apple je gebaut hat, und dann das! "Das", das war gewissermaßen ein Surfunfall. Nachhaltig begeistert von den leichtgewichtigen knapp 2 Kilogramm meines mobilen Babys war ich irgendwie über diese Website gestolpert: http://wearables.www.media.mit.edu/projects/wearables/ Na gut, das MIT MediaLab war mir schon vorher ein wenn auch vager Begriff gewesen. Ohne, dass ich mir klargemacht hätte, was für abgefahrene Typen da an der Zukunft der Menschheit herumschrauben. Genauer gesagt, an der Zukunft des mobilen Computers. Unter dem verheißungsvollen Stichwort ³Wearable Computing² lagen da von Thad Starner und Konsorten Konzepte auf dem Tisch, die jedem SF-Autor Tränen in die Augen treiben mußten.

Und ich kam ins Grübeln. Ein wearable Mac, das wäre doch was. Nein, nicht ein Subnotebook oder ein aufgemotzter Palmtop. Sondern ein echter Mac, irgendwo am Körper getragen, in einem Gürtel integriert oder in einer Weste. Und ... ja, wie eigentlich bedient? Hm. Es müsste irgendeine Art Handset geben, das mit dem Mac verbunden Tastatureingaben ermöglicht und zugleich so klein ist, dass es in die geschlossene Hand passt. Science Fiction? Cyber-Fantasien eines Durchgeknallten? Dachte ich auch erst. Aber dann geriet ich auf diese Site: www.handykey.com.

Da war die Rede von einem Teil namens "Twiddler". Und siehe da, es handelte sich dabei genau um die spinnerte Input-Idee, die ich gerade zu beschreiben versucht habe: Eine in den Handballen passende Maus und Mini-Tastatur mit ­ und das ist der eigentliche Hammer ­ einer integrierten lagesensitiven Cursor-Steuerung. Sprich: Der Cursor auf dem Bildschirm folgt der Handhaltung des Twiddlers!

Ich war hin und weg. Und drauf und dran, so ein Wunderding zu ordern. Bis mir eingedenk der Wearable-Aktivitäten des MIT Medialab einfiel, daß so ein Teilchen ja auch einen Treiber braucht. Und das waren nach meiner Erfahrung dann meist DOSen- oder allenfalls Linux-Treiber. Ich war präventiv enttäuscht. Doch hoppla, was war das? Da fand sich doch tatsächlich auf der Treiberseite von Handykey eine Betaversion eines Mac-Treibers. Eines MAC-TREIBERS! Es gab doch noch Gerechtigkeit auf der Welt. Und ich ließ mir einen Twiddler schicken. Womit ich mir prompt einen Rattenschwanz neuer Probleme einhandeln sollte. Denn was nutzt ein mobiles Eingabegerät, wenn die Ausgabe nicht genau so mobil und von der restlichen Hardware ³befreit² erfolgt? Mir dämmerte langsam, auf was ich mich da im Rausch des wearable computing einzulassen begann. Und ich kann Euch lieben Lesern, mobil oder nicht, schon jetzt sagen, dass die Geschichte noch lange kein Ende finden wird. Auch wenn ich das Problem eines mobilen Displays lösen konnte. Und zwar hier: http://www.virtualvision.com/products.htm Das sogenannte Eglass müsste sich per VGA-Adapter eigentlich an den Videoausgang eines Powerbooks anschließen lassen. Die Leute bei Virtualvision sehen da jedenfalls keine Probleme. Aber der Preis! Puh. Der bewegt sich vorerst noch auf dem Niveau eines G4-Macs.

Aber es gibt gottlob auch preiswertere Lösungen, dann allerdings nicht als SVGA mit 800 x 600 Pixel in Farbe. Sondern als VGA-anschlußfähiges 320x240 Pixel Greyscale-Display: www.liquidimage.ca bietet den M1 Personal Viewer für bescheidene $ 500.- an. Jaja, ich weiß, das ist teuer genug. Aber schließlich reden wir hier über die Zukunft des mobilen Macianers. Und Mobilitis tremens ist in der Heilung nun mal sehr teuer.

Obwohl über kurz oder lang elegantere Lösungen wie die von www.microopticalcorp.com marktreif sein werden, wenn auch anfangs zu astronomischen Preisen, sollte es langsam dämmern, wohin die Reise im neuen Jahrtausend geht. Vielleicht ja auch für Apple. Denn Steve Jobs wäre nicht Steve Jobs, wenn er nicht ein Faible für visionäre Lösungen hätte. Und bis es soweit ist, ergibt sich eine wunderbare Spielwiese für die Hardware-Bastler unter uns. Also, wer wagt¹s und beint ein altes PowerBook aus, zum Beispiel ein 190er (weil das die praktische PCMCIA-Schnittstelle hat), installiert die einzelnen Baugruppen in einem Daypack oder einer Trekking-Weste, schließt einen Twiddler an und ein VGA Greyscale Headset sowie ganz nach Belieben per Auto-Adapter einen Blei-Gel-Akku für satte 8 bis 10 Stunden Batteriestrom und überrascht die ganze Apple Community mit dem ersten "Wearable Mac"? So richtig lecker wird das dann, wenn man auch noch eine OPTION GSM-Karte in den PC-Card Slot schiebt und per Handy zumindest drahtlos Emails senden und empfangen kann. Und das bald auch mit höheren Geschwindigkeiten als den lächerlichen 9600 baud derzeit. Mir kommt da etwa jene Meldung in den Sinn, die kürzlich durch die Presse geisterte, wonach die deutschen Mobilfunk Betreiber angekündigt haben, durch neue Technologien schon bald Geschwindigkeiten von bis zu 115,2 kBit/s zu ermöglichen. Den Anfang macht E-Plus mit einem "HSCSD" genannten Verfahren, das eine Verbindung von maximal 43,2 kBit/s durch die Bündelung von Kanälen schon im Herbst diesen Jahres ermöglichen soll. Und ab 2003 haben wir ja eh einen neuen Highspeed Mobilfunk-Standard, der das heutige ISDN alt aussehen läßt.

Bis es soweit ist, werde ich mir wohl überlegen, ob es nicht doch sinnvoll sein könnte, wenn ich meinen kleinen 2400er Liebling doch noch mal weiter aufrüste. MCE (www.powerbook1.com) bietet da ganz heftige Möglichkeiten an: eine 10 GB Festplatte z.B., die Freischaltung des Card-Bus und (lechz!) 320 oder sogar 400 MHz G3-Kärtchen. Zum zugegebenermaßen astronomischen Preis von ca. 1,000.- bzw. fast 1,400.- $. Andererseits, wenn Apple vielleicht bei der kommenden MacWorld Expo in San Francisco ein neues, schnelles Subnotebook für Business-Anwender vorstellen würde?! Wenn nicht, bliebe noch das iBook. Aber nein! Denn so nett und Smarties-bunt das iBook ja sein mag, stolze 3 Kilogramm und doch recht opulente Abmessungen sind nicht unbedingt das, was ich mit mir rumschleppen möchte. Wenn auch Apples neue AirPort Technologie für wireless LANs bestechend ist. Aber die geht auch mit meinem heißgeliebten Baby ...

Tja, liebe Freunde, so bleiben am Ende wieder einmal viele Fragen offen. Aber wer weiß, vielleicht hat Steve, der eternal Interims-CEO, noch ein paar mobile Pfeile im Köcher, mit denen er uns alle im Januar überraschen wird. Ich jedenfalls werde mich vergewissern und im Januar 2000 auf der MacWorld Expo in San Francisco zugegen sein. Wer mit von der Partie sein möchte, wenn auch nur virtuell, der darf mit Spannung meine Messe-Berichte hier an dieser Stelle oder im News-Teil erwarten. Bis dahin viel Spaß beim ³Wearable Mac² Basteln!

Kommentare

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Von: xanax | Datum: 11.10.2006 | #1
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