ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 929

Rosa Riese und Rote LED

oder: Zen und die Kunst, mit dem rosa Riesen umzugehen

Autor: wp - Datum: 23.08.2000

Dr. Frankenmacs geheimes T-DSL-Tagebuch

17. Mai

Ich blättere in der MacUp und stoße auf eine ganzseitige Anzeige von TKR: T-DSL für den Mac! Mit einem Hardware-Router, der vom Mac aus konfiguriert werden kann. Klingt gut. Und ich nehme mir vor, mal anzufragen...

20. Mai

Ich schicke an den freundlichen Herrn Riis von TKR eine Mail, in der ich auf das T-DSL-Angebot eingehe und detailliert nachfrage, ob und wie in unserem kleinen Büro-LAN aus Ethernet, Hub und Airport T-DSL via Mac-tauglichem Router integriert werden kann. Die Antwort kommt am selben Tag, sehr detailliert. Und jawohl, es geht. Bravo!

Irgendwann Ende Mai

Ich bestelle den Router und gebe TKR den Auftrag, für mich T-DSL zu beantragen. Womit der Router für mich satte 200 Märker billiger wird. Klingt nach einem guten Deal. Ach ja: Mein Wunsch-Datum für den Anschluss ist der 15. Juni.

5. Juni

Heute habe ich eine mail erhalten von der Telekom. Headline: Sehr geehrter Herr Müller, BESTELLEN SIE IHREN T-DSL ANSCHLUSS JETZT ONLINE! Genau so. Alles groß geschrieben. Verbunden mit allerlei Informationen. Und dem Hinweis, dass für meinen Anschlussbereich T-ISDN dsl und T-InterConnect dsl bereits verfügbar ist. Ja isses denn die Möglichkeit!

12. Juni

Heute ruft mich eine freundliche Dame von TKR an und teilt mir ein wenig kleinlaut mit, dass die Telekom bei mir leider erst im Juli auf T-DSL umschalten kann. Wann genau, das kann sie mir nicht sagen. Naja, ich habe Verständnis, irgendwie, übe mich in fernöstlicher Geduld und meditiere. Ein wenig.

10. Juli

Ich kläre mit Herrn Riis von TKR, dass ich den Router zugesandt bekomme, sobald ich von der Telekom die Auftragsbestätigung für die T-DSL Schaltung erhalten habe.

12. Juli

Scheisswetter draußen. Es klingelt. Ein netter junger Mensch von der Post schaut mich verschwörerisch an. Ja! Er bringt mir in einem weißen Kartonumschlag die notwendigen T-DSL Unterlagen, meine T-Online-Nr., Anschlusskennung, persönliches Kennwort... Ich bin dem rosa Riesen sooo dankbar. Und bestätige den Empfang ein wenig zittrig. Klar, dass ich Minuten später TKR Bescheid gebe, dass sie den Router rausschicken können!

14. Juli

TKR funktioniert! Der Router wird geliefert. Jetzt fehlt nur noch die Telekom-Hardware. Vorsichtshalber meditiere ich schon mal ein wenig...

17. Juli

Irgendwie geht es nicht recht voran. Sicherheitshalber rufe ich mal beim Telekom-Kundenservice an, immerhin zum Nulltarif, Mo bis Sa, von 8 bis 22 Uhr. Toll! Die 0800 33 05000 ist besetzt. Irgendwann komme ich durch. Ein verständnisvoller Mensch hört sich an, was ich zu sagen habe und ist auch sonst sehr hilfsbereit. Allerdings nicht gut auf seinen obersten Chef, Ron Sommer, zu sprechen: "Jaja, dieses T-DSL Angebot. Da hat uns unser Chef einen Bärendienst erwiesen. Wir wissen noch gar nicht, wie wir die Lawine der Aufträge bewältigen sollen. Sie müssen also ein bisschen Geduld haben..." Freundlicherweise gibt er mir seine Nummer (06196-912492), die ich anrufen soll, wenn die Telekom-Hardware eingetroffen ist. "Die Service-Nummer können Sie vergessen, die ist eh dauernd besetzt." Ah ja. Ich fasse Hoffnung und meditiere: "Ommm..."

24. Juli

Und er bewegt sich doch, der rosa Riese! Heute in aller Herrgottsfrühe steht ein Postmensch vor der Tür und drückt mir, schlaftrunken wie ich bin, ein graues, mit vielen weißen und einem rosa Quadrat gesprenkeltes Paket in die zitternden Hände: die T-DSL Hardware. MEINE T-DSL-Hardware! Ich bin gerührt, sofort hellwach und eile nach oben ins Büro, um alles anzuschließen. Heute wird nicht meditiert!

31. Juli

Vormittag. Und ich bin guter Dinge. Noch. Ich wähle vorsichtig die 06196-912492 an. Beim dritten Versuch klappt's. "Gestern ist die T-DSL Hardware gekommen! Ich habe alles angeschlossen und wollte nun mal hören..." Mein überaus verständiges Gegenüber ahnt, was mich umtreibt: "Jaja, die Freischaltung. Lassen Sie mich mal sehen, hm... Nun so eine Woche wird es schon dauern, die vielen Aufträge, Sie verstehen?" Klar, ich verstehe. Bin ja ein verständiger Mensch. Und geduldig. "Am 7. 8., vormittags, da können wir Sie freischalten." Na, wenn das mal nicht eine gute Nachricht ist. Erfüllt von tiefer Dankbarkeit verabschiede ich mich von meinem Erlöser. Und meditiere eine Runde.

7. August

Heute soll der große Tag sein. Der Tag des Freischaltens eines ganz neuen Surfgefühles. Schon sehe ich uns auf den Datenwellen des Internets mit 768 kbit dahinrauschen. Derweil glüht die Sync-LED an unserem T-DSL Modem in einem feindseligen Rot (s.o.). Zumindest morgens um 9 Uhr. Aber freigeschaltet wird ja im Laufe des Vormittags. Um 14 Uhr frage ich mich langsam, wie lange so ein T-Online Vormittag dauern mag. Gegen 16 Uhr kommen mir erste Zweifel, ob ich vielleicht einfach nur farbenblind bin. Aber nein, die beste Gattin von allen bestätigt mir: Rot bleibt Rot. Ich meditiere ein wenig. Und später, viel später, gehe ich zu Bett. Ich träume von einem rosa Riesen, der mit weiten Schritten durchs Land schreitet. Und woimmer er den Boden berührt, spriessen kleine rote Blumen...

9. August

Ich habe den ganzen tag lang vergebens versucht, die Hotline zu erreichen. Besetzt. Und bei meiner Geheimnummer 06196-912492 geht auch keiner dran. Ich meditiere. Und gehe wieder in meiner Arbeit auf ...

11. August

Es hätte so ein schöner Tag werden können. Bin bei Publicis in Frankfurt zum freelance-Konzipieren und -Texten. Und versuche mehrfach, die Hotline der Telekom zu erreichen.
Wie immer besetzt. Alle Nummern. Dann endlich, irgendwann nachmittags komme ich bei der 0130 0190 durch. Wow, ein Erfolgserlebnis! Die freundliche Stimme aus der Störungsstelle hört sich meine vorsichtige Frage nach dem Status der Freischaltung von T-DSL an. Sucht dann ein wenig in ihrer Datenbank herum. Und meint trocken: "Tut mir leid, uns liegt kein Auftrag vor." Immerhin sieht sie ein, dass T-Online Splitter und T-DSL Modem nicht vom rosa Himmel gefallen sein können. Und verweist mich an die Montageabteilung: 0800 330 1000. Nach einem halben Dutzend vergeblicher Versuche erreiche ich die auch. Wieder eine freundliche Stimme. Die einen mir bekannten Satz wiederholt: "Uns liegt kein Auftrag vor!" Und gleich anschließt: "Aber das muß nichts bedeuten. Das kommt schon mal vor. Versuchen Sie's doch mal bei der Auftragsannahme." - Kommt schon mal vor? Ich bedanke mich für die erschöpfende Auskunft und lasse mich an die Auftragsannahme weiterreichen: 0800 330 2000. Hätte ich nicht tun sollen. Denn: "Ich habe leider keinen Auftrag von Ihnen im System. Der muss wohl irgendwie verloren gegangen sein." Ich beginne mit ZEN-Atemübungen. Dann die freundliche Frage: "Wann haben Sie denn den Antrag gestellt?" Ich antworte ausgeglichen: "Na, so vor 7 bis 8 Wochen. Und die Hardware habt Ihr mir bereits zugesandt!" - Die freundliche Stimme ist kooperativ: "Wissen Sie was, dann gebe ich Ihren Auftrag jetzt noch einmal ins System ein. In den nächsten Tagen wird sich dann jemand bei Ihnen melden, um den Termin bekanntzugeben." - In den nächsten Tagen? Also mañana. Ich meditiere wieder ein wenig...

17. August

Gerade sitze ich leidlich entspannt auf einem stillen Örtchen und sorge für Druck an der richtigen Stelle, da klingelt's. Einen unpassenderen Moment kann's nun wirklich nicht geben.
Sollte das...? Natürlich! T-Online. Der junge Mann überreicht mir gegen Unterschrift einen weißen Kartonumschlag plus aufgeklebter "Vertraulicher Mitteilung". Merkwürdig. Kommt mir irgendwie alles sehr bekannt vor. Und tatsächlich: Mein déja-vu Gefühl bestätigt sich! Soeben hat mich T-Online mit einer neuen Auftragsbestätigung, einer neuen T-Online-Nr., einer neuen Anschlussnummer, Kennung, Kennwort beglückt... "Ommmmmmm" - Ich ziehe mich in eine meditative Trance zurück und warte. Wie immer.

18. August

Augustsonne. Frühstück im Garten. Und um 9 Uhr steht Mister Postman vor der Tür. Und was, liebe Freunde und Fans des rosa Riesen bringt er mit? Richtig geraten! Die T-DSL Hardware: Splitter, T-DSL Modem, Netzteile, Kabel. Ich versuche gar nicht erst, ihm zu erklären, was da in meinem armen Kopf vorgeht. Und nehme nur mit einem vermutlich debilen Lächeln die Sendung entgegen.

Wie die Geschichte weitergeht? Ich werde es Euch berichten. Schon bald. An dieser Stelle. Bis dahin... ? "Ommmmmmm"

Euer Dr. Frankenmac


Nachtrag: 23. August

Da macht man und schafft und tut am Mac rum, um seine Brötchen zu verdienen und denkt dabei an nix Böses. Und wie zufällig fällt irgendwann der Blick auf das Telekom T-DSL Modem, wo unverwandt die Sync-LED rot glüht, nein grün... GRÜN???
Was ist das? Ich stehe auf, ein wenig fiebrig, gehe rüber zu dem Kabelverhau, über dem das T-DSL Modem thront: Tatsächlich! Die DSL-LED leuchtet in einem verbindlichen Grün. Sollte etwa...? Aber kein Telekom-Mensch hat angerufen... Ich meditiere kurz über Sinn und Unsinn einer Telekom, die Bescheid sagt, wenn sie was mitzuteilen hat. Dann breche ich dieses fruchtlose Unterfangen ab und wende mich dem Mac zu. Ich stelle das TCP/IP Kontrollfeld auf Ethernet und DHCP-Server. Dann starte ich Netscape, locke mich in den ELSA-Router ein und gebe im Konfigurations-Menü die neuen T-Online Zugangsdaten ein, die vor ein paar Tagen gekommen waren, ich erzählte es ja bereits. Ich klicke auf "Setzen". Der Router bestätigt. Dann gebe ich - was sonst? - im Browser www.macguardians.de ein... Wow! Die Seite baut sich auf einen Schlag auf. Unglaublich, aber wahr: Die Telekom hat geschaltet. Gerade mal 8 Wochen nach meinem ersten Antrag! Dann fällt mir ein, dass jetzt 2 Anträge von mir im virtuellen Telekom-Raum umherirren müssen. Der "verschwundene" und der neue. Hm. Was das wohl für die Telekom-Rechnung bedeuten mag? - "Ommmmmmm..."

Kommentare

Schlafender Rosa Riese....

Von: Mikey | Datum: 11.07.2006 | #1
Die Telekom, eine unglaubliche Erfolgsstory - Warum nur?

Nach meinen ersten Erfahrungen mit moderner Kommunikationstechnik (ISDN) folgte Ernüchterung. Bürokratisch einwandfrei, Tarif umgestellt, ISDN freigeschaltet, alles prima. Gut, der NTBA fehlte, aber das sind ja Kleinigkeiten. 2-3 Tage Geduld, schon klappts.
Nun DSL. Light natürlich (>384 Kbit/s), ist ja das malerische Sauerland. Kost aber wie ein großer DSL 1000. Egal. Bestellt, Freischaltung nach 1 Woche (WOW). Tarif tapfer umgestellt, sogar der Splitter war da. Was soll da noch schiefgehen? Das rote Lämpchen am Router irritiert etwas, aber das kann sich nur um Stunden handeln. Tage. Gut, Wochen. Ich werd wohl nochmal anrufen müssen.....
Frei nach dem Telekom-Motto: Wenn Ihr Telefon nicht funktioniert, rufen Sie uns einfach an. :-)