ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 941

Heimkino im Zeichen des Macintosh

(Wie man seine Freunde beeindruckt...)

Autor: wp - Datum: 27.06.2001

Zugegeben, es ist schon eine Weile her, dass ich es zum ersten Mal bei Freunden gesehen habe, aber ES hat einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen: ein G3/350 blue & white als die zentrale Steuereinheit eines Heimkinos.

Heimkino? Vielleicht das wackelige Urlaubsvideo mit ewig langem Standbild auf ein tolles Urlaubspanorama, Fernseher und Mac mit Kabel verbunden? Eine dieser monotonen Plüschsofa-Shows, die immer gleich monoton und nichtssagend für den Gefolterten sind? Mit greulichem Originalklang und hysterisch winkenden "Urlaubern" inklusive, die jetzt live neben einem sitzen und "Ach kuck mal, das bin ich" sagen? Nö, zum Glück nichts von alledem. Ja was denn nun?

Als erstes werde ich das Szenario beschreiben, dann findet ihr euch zurecht.

Man setzt sich in einem völlig normalen Wohnzimmer in die Sofaecke. Als erstes fällt einem auf, dass es hier ein paar Boxen mehr hat als üblich. Rundherum im langgestreckten Raum sind diese dezent auf die Sitzstelle ausgerichtet, hängen von der Decke oder ragen unauffällig aus den Raumecken. Gut, die Stereoanlage scheint auch alles doppelt zu haben, was da alles für Geräte über- und nebeneinander im Rack steht. Doch ansonsten nichts Außergewöhnliches. Dann sieht man in einer der Kopfecken eine Zimmerbar mit einladender Theke, wohin man logischerweise sofort seinen Standort verlegt, lockt dort doch ein leuchtender Zapfhahn.

Ausgestattet mit dem Ergebnis eines sofort und erfolgreich durchgeführten Funktionstestes (wie das von einem MacGuardian erwartet werden kann!), einem kühlen Bier, schweift der Blick weiter. Hmh, da hängt an der Decke noch ein verkleideter, kaum auffallender Kasten, bestimmt ein Ventilator oder Lüfter oder so.

"Sagt mal Leute, wo habt Ihr denn Euren Mac gelassen ?" "Im Schrank" lautet die Antwort, und schon wird die Doppel-Tür vom Wohnzimmerschrank geöffnet. Hier prunkt der G3 b&w, wo andere Menschen ihre Spirituosenflaschen oder den Fernseher abstellen. Was steht daneben? Ein 19" Diamond Pro 900u von Mitsubishi und drüber ein Brenner. Einen Stock tiefer sitzt ein Epson-Drucker, ein Agfa-Scanner und ein aktiver Hub. Ausziehbare Platte für Tastatur und Maus, versteht sich. Cooler Einbau! Tagsüber dient der Platz als vollwertiger DTP-Arbeitsplatz und abends die Plattform reingeschoben, DVD eingelegt, Klappe zu, Türen geschlossen und das Entspannen beginnt. Und das geht so:

Auf dem Sofa sitzend wird eine Fernbedienung ergriffen. Und jetzt? Man hört ein Summen und - Vorsicht, ein Teil der Decke kommt runter...

Ich fasse es nicht: da klappt sich doch vor meinen Augen eine vorher in die Decke integrierte Leinwand heraus mit den Maßen 3x2 Meter. Riesig. Gleichzeitig entpuppt sich der vermeintliche Lüfter an der Decke als 16:9 LCD-Projektor von Sony, der sofort anspringt, als die Leinwand unten ist.

Das Licht dimmt sich langsam auf Faktor Finsternis runter und das erste Bild kommt. Die ganze Leinwand wird ausgefüllt, und zwar mit einem selbstgerenderten Intromovie, das den Gast im Kefra-Heimkino (das Kürzel meiner Freunde für Ihr Kino) begrüßt. Das ganze freilich mit einem THX-mäßigen Sound von allen Seiten.

Jetzt erscheint das Menü der eingelegten DVD, und ich habe Gelegenheit zu sehen, dass alles mit dieser "magischen" Fernbedienung gesteuert wird - auch der Mac! Mir bleibt die Luft weg. Egal, erst den Film schauen, dann weiterfragen. Nachdem nur Trekkies anwesend sind, kommt die DVD "First Contact" zum Einsatz. Zwar kann ich den Film eigentlich schon mitsprechen, aber diesmal ERLEBE ich ihn!

Da wollen mir meine Ohren weismachen, dass aus der Diele gerade bedrohlich die Borg einmarschieren, um uns friedliche Wohnzimmerbelegschaft zu assimilieren. Das Beruhigende, aber viel später erst gesagte "Assimiliert, das!!" von Lt. Worf kommt schon fast zu spät für mein Herz. Der folgende Phaser-Schuss löst unter meinem Hintern ein mittelprächtiges Erdbeben aus. Halluziniere ich jetzt schon, oder vibriert wirklich das Sofa mit bei jeder Explosion? Habe schon längst keine Worte mehr, um nachzufragen und geniesse den Ausflug ins StarTrek-Kontinuum. Von links, von rechts, ob von vorne kommender oder nach hinten fliegender Sound - als das Licht wieder angeht, bin ich für eine kurze Sekunde davon überzeugt, beim historischen ersten Kontakt Menschen-Vulkanier dabei gewesen zu sein.

Megahammer! Wow! Zur Beruhigung testen wir, ob die Borg auch dem Zapfhahn nix angetan haben und alles noch so fließt, wie es soll.

Jetzt aber nachgehakt, wie das alles geht, insbesondere die Integration des Ganzen am Mac: Im G3 werkelt eine Hardware-Lösung zum Abspielen der DVDs: die Wired 4DVD-PCI-Karte mit eigener script-fähigen Abspielsoftware. Diese kann zusätzlich zu der Lösung von Apple und dem Apple-DVD-Player das Bild auch im 16:9-Format abspielen und bringt den Sound neben Analog-Surround auch als digitale Variante (DTS, AC3) zum Verstärker. Außerdem besitzt sie die Möglichkeit, einzelne VOB-Dateien bzw. Video-TS-files auf der Platte aufzurufen, die nur eine besondere Version des Apple-DVD-Player (im Bundle mit DVD-Studio Pro) auch leistet.

Eine nette Zugabe ist ebenfalls, dass, wenn das Bild statt auf den Monitor auf eine externe Videoquelle geschickt wird (in dem Fall der Projektor), der Monitor in den Ruhezustand versetzt werden kann. Wäre sonst schon arg lästig.

Ferngesteuert wird der "versteckte" Mac mittels der Keyspan IR Fernbedienung, deren Funktionen in oben genannte "lernfähige" Fernbedienung übertragen wurden. Da die Keyspan in der Lage ist, per Infrarot Apple-Script-Befehle auszulösen, lässt sich jedes scriptbare Programm damit fernbedienen und somit fast der ganze Mac. Der Fantasie des Einsatzes sind wenig Grenzen gesetzt, in der beschriebenen Wohnung ist der b&w mittlerweile mit iTunes/SoundJam zur Jukebox geworden. "Ein Druck auf die Fernbedienung und sich den ganzen Abend nicht mehr um die Musik kümmern!" Damit das IR-Signal immer optimal empfangen wird, sind an 2, 3 strategischen Stellen zusätzliche Empfangsstationen aufgestellt. Gibt es im Elektronikmarkt und funktionieren einwandfrei.

Akustik und Bild des Heimkinos: hab ich alles erklärt bekommen. Es fielen Begriffe wie THX, DTS, AC3 usw. Da ich aber keine Ahnung von der Materie um Schwarzabgleich, Pixelauflösung, Tonspuren (5.1 versus 3.1) und etliches mehr habe, belasse ich es lieber bei der Nennung der Geräte, die zum Einsatz kommen:

- PowerMac G3 B/W (320 MB RAM, 2 Festplatten mit 6 und 17 Gigs) mit Wired 4DVD-Karte und Keyspan IR Fernbedienung. Dies seit MacOS 8.5 - heute MacOS 9.1, alle Versionen ohne Probleme.

Soweit kann ich folgen. Dann hört es aber schon auf, denn weiter geht es mit:

- Proki: Sony VPL-W400 qm (16:9)
- Leinwand: Eigenbau mit Reflektra-Tuch (motorisch)
- Receiver: Pioneer VSX 908 (THX) + VSX 409 (für Rear Center) +A 777 (für Sub und Paraseats - die sind im Sofa eingebaut und machen den Bass spürbar).
- Boxen: Teufel Theater 2 + Jamo Surround 300 (fuer Rear Center)
- Sonstiges: Philips CD-I, Nokia D-Box, Aiwa VHS, JVC S-VHS, Pioneer LaserDisc, Sony CD-Wechsler
- Bild von Wired zu Receiver via Y/C Hosidenkabel (S-VHS)
- Ton von Wired zu Receiver via Coax-Digitalkabel (Dolby Digital, DTS und PCM) und via Chinch (analog)

Ich verneige mich in Ehrfurcht vor den unbekannten Lesern, die mit diesem Gekürzel etwas anfangen können. Was ich dazu sagen kann: das Bild ist phänomenal und der Sound vom Allerfeinsten! (Das nenn ich doch mal einen Fachkommentar!)

Kein Wunder natürlich im Vergleich zu meiner Standardversion: der gute Performa 5200 zeigt mir über eine solide terrestrische Antenne, was er auf 3 Programmen so findet. Bisher hat es für mich gereicht. Okay, ich weiß: einer wie ich könnte gleich mit einem Schild durch die Straßen laufen "zurück zu schwarz-weiß" oder vielleicht "mono war besser als stereo" - ja ja, schon klar. Aber wozu hat man Bekannte mit einem Kefra-Heimkino?

(Weil man sich schon immer von Bruce Lee die Nase brechen lassen wollte, Rüdiger? BH)

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