ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 942

Nettes Umfeld

Grundsätzliche Anmerkungen zu Journalisten und Journalismus

Autor: wp - Datum: 21.08.2001

Zugegeben: Kommentar und Kolumne gelten zu recht als ebenso wichtige wie schwierige Darstellungsformen. So ist es hilfreich, dass erfahrene Kollegen den Nachwuchs an die Hand nehmen, wenn er seine ersten Gehversuche in diesem Metier unternimmt. Anderenfalls enden Anfänger dort, wo ein "Editor" von macnews nun gelandet ist - in der Lächerlichkeit.

Über seine Identität können wir nur spekulieren, denn die Regel, Meinungsbeiträge mit einem Autorennamen zu versehen, ist bis zu diesem Kollegen noch nicht vorgedrungen. Vielleicht ist sie ihm auch zu altbacken. Denkbar wäre es - und aus seiner Sicht wohl auch verständlich. In den vielen folgenden Zeilen legt er jedenfalls ein Berufsverständnis an den Tag, das erschaudern lässt. In Zusammenhang mit der Berichterstattung über die ausgefallene Maxpo holt er zum Generalschlag aus gegen die echte und vermeintliche Konkurrenz. Dunkel wabern die Andeutungen, ein drohender Unterton ist nicht zu überhören. Jene, darunter die MacGuardians, die die Information über die peinliche Absage frühzeitig veröffentlichten und - mit Autorenangabe - kommentierten, werden der "Lynchjustiz" bezichtigt. Kein Wort davon, dass das Gerücht korrekt als solches gekennzeichnet war, es sich ja auch als wahr erwiesen hat und im übrigen Artikel 5 des deutschen Grundgesetzes noch immer gilt.

Weiß er es nicht besser? Wahrscheinlich. Anders sind die folgenden Äußerungen, die von Verständnis für den gescheiterten Veranstalter triefen, nicht zu begreifen. Diesem fühlt er sich verbunden, nicht etwa seinen Lesern!

Wer sich angesichts der offensichtlichen Fakten selbst für philosophisches Schweigen lobt, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er nicht eher anderes im Sinn hat: Etwa ein nettes Umfeld für Werbekunden zu schaffen? Da hilft kein Verweis auf irgendwelche dubiose "Solidarität" und ein düster dräuendes "Zusammengehörigkeitsgefühl".

Zu besichtigen ist hier nur eins: Jemand, der sich als Journalist, alias "Editor", ausgibt, obwohl er dessen Aufgaben nicht begriffen hat. Sie seien ihm in Erinnerung gerufen. Die jeder Parteinahme unverdächtigen Richter des Verfassungsgerichtes haben sie vor Jahren prägnant zusammengefasst: "Die Presse hält diese ständige Diskussion in Gang; sie beschafft die Informationen, nimmt selbst dazu Stellung und wirkt damit als orientierende Kraft in der öffentlichen Auseinandersetzung. In ihr artikuliert sich die öffentliche Meinung; die Argumente klären sich in Rede und Gegenrede, gewinnen deutliche Konturen und erleichtern so dem Bürger Urteil und Entscheidung." Das ist der Maßstab für Journalismus, dem gerecht zu werden hat, wer sich als zugehörig betrachtet. Werbekünstler beackern ein anderes Feld; zwischen beiden ist sorgsam zu trennen.

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