ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 944

Mission - Possible

Autor: wp - Datum: 07.09.2001

Apple - eine einmalige Firma mit unglaublichen Anhängern. Wir können einander stolz auf die Schultern klopfen und wieder einmal darin schwelgen, die netteste Community zu sein. Oder wir nehmen die Sache wieder mal ein wenig ernster, und versuchen Distanz zwischen uns und die letzten Jahre zu bringen. Die schwere Zeit Apples wurde dank des Waffenstillstandes mit Microsoft und der Vorstellung des iMac überwunden, neue Mac-Produkte drängen in einen Markt, der reger scheint als je zuvor. Weder auf der Hardware- noch auf der Softwareseite drückt der Schuh wie früher. Freilich gibt es Kritik, aber insgesamt sind wir mit der Firma zufrieden. Ja, die Preise sind noch immer recht stolz, und die Reparaturpolitik ärgert jeden vernünftigen Apple-Freak. Doch was ist das schon alles, verglichen mit den Überlebenssorgen der 90er Jahre? Unter Sculley regierte der nächtliche Angstschweiß die Schlafzimmer, heute schwitzen wir nur mehr, weil Steves letzte Vorstellung wieder mal zuviel Applaus benötigte. So weich sind die Zeiten geworden, und wir mit ihnen. Der missionarische Geist ist einem Pragmatismus gewichen, der uns gesetzten Europäern sehr entgegenkommt. Ehrlicherweise vergessen immer mehr Besucher der Mac-Stammtische den Namen von Guy Kawasaki, und was die "Demo Days" sind, entzieht sich gleichfalls unserer Kenntnis. Das ist die Lage, Freunde.

Viele lehnen eine allzu amerikanisch-enthusiastische Begeisterung für die Firma Apple und ihre Produkte ab, schließlich seien wir nur Käufer und nicht bezahlte Angestelllte. Die Ansicht, "das ist doch Apples Aufgabe, darum müssen wir uns nicht kümmern", habe ich von normalen Benutzern ebenso gehört wie aus dem Mund eines prominenten Webmasters der Szene. Wo aber wären wir, wenn jeder nur seine genau umrissenen Pflichten tut? Keine historische Gleichsetzung ist hier erwünscht, mir sind die tatsächlichen Dimensionen durchaus bekannnt, aber: kein rotes Kreuz von Monsieur Henri Dunant, keine Bürgerrechtsbewegung von Martin Luther King und auch keine lebendige Szene ehrenamtlicher Organisationen. Was spricht dagegen, sich für etwas einzusetzen, was einen bewegt? Passivität und Biedermeier waren schon oft genug der Fahrschein zur falschen Endstation. Der Fakt, dass eine Firma von meiner Tätigkeit profitiert, kann doch nicht gegen eine Begeisterung sprechen, die von Herzen kommt. Ruft man sich ins Gedächtnis, wie oft man mit einem Computer zu kommunzieren hat, so stellt die simple Art des Macintosh ein enormes Potential dar, das noch lange nicht ausgereizt ist. Hätten mehr unkundige Benutzer einen Mac, würden einige Tausend Help-Foren im Web überflüssig, würden mehr Zeit und kreative Energie in andere Dinge fließen, die jedenfalls den Menschen besser beschreiben als das genervte Ringen um die eigentlich selbstverständliche Funktionalität eines chipgesteuerten Gerätes.

Begeisterung ist nicht gleichzusetzen mit der Schmierigkeit amerikanischer Fernsehprediger, und "Evangelism" ist nicht das marktgerechte Herbeilügen weiterer Kunden. Wer sich im Bekanntenkreis für den Mac engagiert, darf nicht den Fehler begehen, zuviel zu versprechen. Es ist ein Computer, begrenzt in Funktionalität und Leistungsdauer - er ersetzt niemals kreative menschliche Ansätze. Doch der Macintosh ist ein ausgezeichnetes Instrument, um binnen Sekunden die Umsetzung beobachten zu können, zurückzutreten und seine eigenen Werke zu betrachten. Der Mac ist der Leatherman der High-Tech-Industrie, und es sieht nicht nach einer bevorstehenden Ablöse aus. Vielleicht ist es aber wieder an der Zeit, daß sich mehr Benutzer dankbar die Qualitäten dieses Instrumentes ins Gedächtnis rufen. Arbeiten Sie doch zum Vergleich wieder mal an einem PC. Gestern kurz auf einem aktuellen IBM ThinkPad gewurstelt, und heute wieder workflow im tiefsten Wortsinn an einem wunderbaren neuen iBook - man kommt ins Grübeln.

Wenn ihr Gegenüber also wieder einmal bei einer Fehlfunktion grunzt, dass diese Technik alles nichts taugt - einfach fröhlich lächeln, und einen alten Werbespot zitieren. "If you are looking for a computer that´s easy to use, there´s still only one way to go. Get a Macintosh." Die Mitmenschen haben es sich verdient, dass wir die Alternativen weitergeben - lasst es kein Geheimnis bleiben, folks.

We are on a mission - and we need you and you and you...

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