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ARCHIV :: # 953

Neues aus der Schweiz - iEx in Zürich

Autor: wp - Datum: 15.02.2002

Vom 6. - 8. Februar fand in Zürich die alljährliche iEx (i für Internet, Ex für Expo = Ausstellung, wer hätte das gedacht) statt, und auch wenn die meisten gezeigten Produkte nur sehr wenig mit dem Mac zu tun hatten, habe ich am 7.2. mal vorbeigeschaut.

Ein Blick in den Ausstellerkatalog, wo die Stände auch nach Themengebieten gelistet waren, verdeutlichte mal wieder ein gewisses Monopol - Microsoft hatte zu fast allem etwas zu bieten.

Eigentlich nicht verwunderlich deshalb, dass mindestens jede zweite Firma Firewall-Lösungen anbot, müssen sich Firmen doch anderweitig schützen, wenn das eingesetzte Betriebssystem nicht gerade durch Sicherheit glänzt... Trotzdem fand ich es erstaunlich, welche Paranoia dort zum Teil ausgelöst wurde. Die Präsentation von InfoGuard mit dem Titel "Hacken leicht gemacht" (grottenschlecht übrigens - der Präsentator musste sogar das "Danke fürs Zuhören" ablesen) zeigte, wie man in zehn Schritten einen Trojaner erstellt, ohne selbst eine Zeile Code zu schreiben. Den dazu nötigen Wizard könne sich jeder aus dem Internet herunterladen.

Zweiter Schwerpunkt: Breitband-Internet. Was in Deutschland schon lange erhältlich ist, soll sich jetzt auch hier in der Schweiz durchsetzen: ADSL. Allerdings mit geringerem Downstream (bezahlbar sind max. 512kbit). Die Anbieter rissen sich um die Kunden - mit "wir sind die günstigsten" wurde mir z.B. von Netstream eine Visitenkarte in die Hand gedrückt.

Einige kleine feine Produkte seien noch erwähnt:

Beeindruckend der kleinste PC der Welt der Firma Digital Logic. In seinem gerade mal 15.9x14.8x6.6cm und 2kg schweren stoßfesten Gehäuse werkelt ein Pentium 3 mit 700MHz, der durch die passive Kühlung, die das Metallgehäuse bewirkt, keinen Lüfter benötigt. Neben den obligaten PS/2-Anschlüssen gibt's auch USB und sogar Firewire on board, ein DVD-Laufwerk hat auch gerade noch Platz. Für 3000 Franken ist das Gerät zwar nicht ganz billig, aber macht sich als "tragbarer" Linux-Rechner sicher ganz gut.

Auch nett ist Sonys Versuch, trotz MP3-Playern die MiniDisc am Leben zu erhalten: Mit einem an den Rechner anschliessbaren Recorder lassen sich die MP3s aus dem Internet auf die kleinen Disks überspielen. Die Software dazu wird mitgeliefert.

Für mich das absolute Highlight fand sich aber am "Stand" von Adobe (einem Tischchen mit je einem Ti- und einem iBook an grossen Monitoren, integriert in den Stand von Inet-Consult): Golive 6. Die kleine Demonstration, die mir der Adobe-Mitarbeiter gab, hat mich beeindruckt. Das Site-Management wurde weiter verbessert: Es gibt jetzt u.a. einen speziellen Ordner, wo Golive die Source-Dateien der Smart-Objects ablegt und einen "Template"-Ordner, wo man das Standard-Layout einer Seite abspeichern kann, ähnlich der Stationaries, jedoch mit dem Unterschied, dass eine Änderung im Template automatisch alle davon abhängenden Seiten des Projekts mitändert.

Weiter wurde die Integration in Photoshop und Illustrator verbessert.In Illustrator definierten Textvariablen kann man in Golive beliebigen Text zuweisen, der automatisch in der in Illustrator definierten Schrift dargestellt wird - genial für Navigationen: man benötigt nur noch ein Quellbild, von dem alle Buttons abhängen.

Neuerdings kann man auch parallel in Layout- und Source-Mode arbeiten. Auf Knopfdruck teilt sich das Fenster in zwei Bereiche auf.

Das beste Feature aber zum Schluss: Golive schreibt jetzt auch selbst eine Doctype-Angabe in den Code.

Auf meine besorgte Frage, wie es denn mit der Geschwindigkeit aussehe (nach meinen Erlebnissen mit Virtual PC 5 bin ich da sehr skeptisch), meinte der Adobe-Mitarbeiter, Golive 6 laufe in MacOS X schneller als Version 5 in MacOS 9, und auch Photoshop (das natürlich immer noch als Classic-Programm lief) werde wohl keine Geschwindigkeitseinbußen haben.

Golive und Livemotion sind wohl ab Ende des Monats auf Englisch hierzulande erhältlich. Die deutsche Version folgt dann ungefähr drei Wochen später.

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