ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 954

iCab - Der neue Browser für den Mac

Autor: wp - Datum: 01.06.1999

  Wer das Internet mit all seinen bunten Bildern, Animationen und Filmen genießen will, kommt bisher an den Produkten der Firmen Microsoft und Netscape (AOL) nicht vorbei. Doch die Kritik an deren Erzeugnissen nimmt stetig zu: sie nehmen zuviel Festplattenplatz ein und brauchen zuviel Arbeitsspeicher; sie sind in der aktuellen Version nicht mehr für 68k-Rechner geeignet; sie folgen nicht immer den Vorgaben des World-Wide Web Consortiums und fügen dafür dann gern Features ein, die man mit dem Konkurrenzbrowser nicht nutzen kann. Und der entscheidende Nachteil des Internet Explorers ist dann noch, daß er von Microsoft ist.

Die Rettung schien Ende 1997 gekommen, als die Firma Opera die Internetgemeinde fragte, ob Interesse an der Umsetzung des Windows-Browsers “Opera” besteht, der klein und schnell ist und sich an den HTML-Richtlinien orientiert. In der Folge meldeten sich Hunderte von Mac-Usern, die bereit gewesen wären, für so ein Wunderding auch Geld auszugeben. Seitdem wartet die Gemeinde - aber ausser gelegentlichen kleinen Fortschrittsmeldungen (“Das erste Fenster öffnet sich!”) hörte man nicht mehr viel. Vollkommen überraschend kommt nun der vermeintliche Retter aus Deutschland: iCab.

iCab erfüllt auf den ersten Blick alles, was Opera bisher nur versprochen hat: das Programm nimmt lediglich 2,2 MB auf der Festplatte ein und benötigt 4 MB Arbeitsspeicher. Daneben leistet das “Internet-Taxi” alles, was man von einem Browser (eigentlich) erwartet: u.a. volle Unterstützung der HTML-Vorgaben (incl. einer Unterstützung der meisten proprietären HTML-Erweiterungen von Netscape und Microsoft), ein äußerst flexibler Filter für Cookies sowie ein Bildfilter, der sich darauf versteht, Bilder (z.B. Werbebanner) auszublenden. Daß es eine PPC- und eine 68k-Version gibt, braucht man fast schon nicht mehr zu erwähnen.

Das eigentlich Faszinierende ist aber, daß es sich bei iCab nicht nur um eine Ankündigung handelt: es gibt ihn wirklich - zumindest in einer Preview-Version (aktuell: Preview 1.4). Der bis hierhin einzige erkennbare Hacken ist, daß iCab Geld kosten soll: DM 49,00 muß der Internet-Surfer, wenn das Programm fertiggestellt ist, für die Erfüllung seiner Wünsche auf den virtuellen Tisch legen.

Soweit die Theorie. Ich habe iCab (in diversen Preview-Versionen) mehrere Wochen als Standardbrowser eingesetzt, um mich zu überzeugen, ob iCab auch alltagstauglich ist.

Alle Erkenntnisse, die ich dabei erworben habe, unterliegen natürlich der Einschränkung, daß es sich um eine Vorversion handelt. So unterstützt iCab bislang noch keine Java-Scripts und keine Cascading Style Sheets. Insbesondere die Java-Scripts habe ich schmerzlich vermißt, da sie zu den beliebtesten Bestandteilen von Internetseiten gehören. Teilweise passierte dann auf solchen Seiten einfach nichts, teilweise wurden mir die entsprechenden Seiten (z.B. auf den Servern von XOOM) als ASCII-Text angeboten.

Abgesehen von diesen Problemen erfüllt iCab seine Versprechungen: das Programm läuft jetzt schon äußerst stabil, die Seiten werden recht schnell aufgebaut (obgleich ich keinen deutlichen Unterschied zur Konkurrenz sah), und die Bedienung des Browsers ist einfach und doch komfortabel - vieles erinnert an die (nicht zu leugnende) Bedienerfreundlichkeit des Internet Explorers.

Unangenehm fiel mir auf, daß die Preview-Version 1.4 etwas instabiler ist als ihre Vorgänger-Versionen. Hier sollte noch eindeutig an der Feinabstimmung gearbeitet werden.

Wenn die kleinen Fehler noch ausgemerzt werden, Java-Scripts und CSS integriert werden, könnte ich mir also durchaus vorstellen, dieses Programm zu kaufen. Ich schränke dies bewußt ein, da 50 DM mir doch - trotz aller Einsicht in die Preis/Nutzen-Analyse - etwas zu viel sind. Ein Hoffnungsschimmer: Oliver Joppich von iCab hat in einem onMouseOver="self.status='iCab-Interview'; return true">Interview mit Macnews.de angekündigt, daß es neben der “professionellen Version” auch immer eine kostenlose Version von iCab im Netz zum Download geben wird.

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