ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 955

Be Found oder die etwas einfachere Art, bekannt zu werden!

Autor: wp - Datum: 01.07.1999

  Wer jemals selbst eine Homepage erstellt hat, kennt das Problem: Da hat man alle verfügbaren Informationen über Helen Hunt, den lokalen Fußballklub oder über heimische Wildkatzen-Arten zusammengestellt, Bilder eingescannt und sich durch den HTML-Code gearbeitet - und trotzdem interessiert sich anscheinend niemand für das Ergebnis dieser Arbeit.

Jetzt heißt es also Werbung machen: Man hinterläßt in jeder E-Mail und in jedem Gästebuch seine URL und erzählt Freunden und Bekannten stolz von der eigenen Seite. Doch die schwierigste und unangenehmste Aufgabe (so finde ich), ist es, die Homepage in den diversen Suchmaschinen einzutragen: das Vorgehen ist teilweise recht umständlich und natürlich bei jeder Suchmaschine und jedem Web-Katalog wieder anders. Und im Hintergrund tickt erbarmungslos der Einheitenzähler der Telekom. Es gibt zwar diverse private und kommerzielle Anbieter, die versprechen, diese Arbeit (meist gegen einen mehr oder minder geringen Obolus) zu übernehmen. Doch selbst dann ist diese Arbeit vor allem eins: langweilig und teuer. Man fragt sich: Warum hat dafür noch niemand etwas erfunden?

Wir können aufatmen: Endlich hat jemand ein Programm entwickelt, das Abhilfe verspricht! Die deutsche Firma VSE, die sich auf Hilfsprogramme für Homepage-Designer spezialisiert hat, stellt nun Be Found vor. Be Found (download hier!) versteht sich selbst als "eine Kombination eines Suchmaschinen-Anmeldeprogrammes, eines Keyword-Finders, eines META-Tag-Managers und eines FTP-Clients", quasi also als die berühmt-berüchtigte "eierlegende Wollmilchsau" für die letzte Phase der Homepage-Erstellung. Das Ganze wird in zwei Versionen angeboten: die Standard-Version für Privatanwender ($19.95) und die Professional-Version für Provider und Profi-Webmaster ($49.95). Der Unterschied besteht darin, daß man in der Standard-Version nur ein Profil (welches Angaben über den Autoren und andere wichtige Registrierungsdaten enthält) erstellen kann, in der "Profi-Version" beliebig viele.

Was sofort beim ersten Start auffällt, ist, daß die Programmierer es dem Nutzer so einfach wie möglich machen wollten - lediglich vier einfache Schritte genügen, um die Homepage anzumelden. Nachdem man das Dokument (oder einen ganzen Ordner) auf das Programmfenster gezogen hat (erster Schritt), wählt man Keywords und Beschreibung für die Seite aus (zweiter Schritt), fügt gegebenenfalls Copyright- und Autoren-Vermerke hinzu (dritter Schritt) und übermittelt schließlich die Daten an diverse Suchmaschinen im In- und Ausland (vierter Schritt). Be Found unterstützt in jeder Phase den Benutzer mit zahlreichen Hinweisen und bewertet die jeweiligen Eingaben. Wer zu faul ist, die Keywords selbst auszuwählen, für den übernimmt das Programm (nach Analyse des Textes) auch diese Aufgabe, ebenso das Sichern der neuen META-Tags im Dokument und das Hochladen auf den Server.

So einfach wie es klingt, ist es in der Regel auch. Selbst eingefleischte Manual-Muffel können praktisch keine Fehler machen - hat man für die Registrierung wichtige Daten vergessen, erinnert einen das Programm daran. Bei einigen Suchmaschinen (wie z.B. Yahoo) kommt der Anwender aber trotzdem um manuelle Eingabe nicht herum - was aber nicht die Schuld von VSE ist.

Das Programm zielt in seiner jetzigen englischen Fassung (eine deutsche Fassung ist in Arbeit) eher auf einen international operierenden Anwender. Dafür spricht, daß Be Found komplett in Englisch geschrieben ist und daß zum Lieferumfang der Standard-Version nur 31 amerikanische Suchmaschinen (u.a. Altavista und Infoseek) gehören. Zehn deutsche Suchmaschinen bekommt man mit dem $9.95 teuren deutschen Ergänzungssatz. Dieser Betrag erscheint mir vergleichsweise hoch, da der private Anwender in Deutschland sicher besonders an diesen Interesse hat.

Die Auswahl der Keywords ist mit Vorsicht zu benutzen. So schlug mir Be Found vor, für die MacGuardians-Homepage (Abteilung MacNow) u.a. folgende Keywords zu verwenden: intel, millionen, microsoft, internet, online, ersten, usa, hatte ("hatte" ist mein Lieblings-Keyword). Praktisch im gleichen Atemzug weist mich das Programm aber darauf hin, daß z.B. das Wort "Internet" wegen der häufigen Verwendung als Keyword nicht besonders gut geeignet ist - hier sind wohl einige Programmteile noch nicht optimal aufeinander abgestimmt.

Im ersten Augenblick war ich vom Programm und seinem Konzept vollkommen überzeugt, mittlerweile kommen mir aber Zweifel am Nutzen dieses Helferleins. Der durchschnittliche Heimanwender wird dieses Programm eher selten benutzen. Für die knapp $40 (gerechnet als Telefon- und Providerkosten) kann man dann auch selbst ins Netz gehen und sich bei den interessanten Suchmaschinen und Katalogen anmelden. Tips für die Erstellung von Keywords und META-Tags findet man ebenso recht preiswert.

Wer hingegen mehrere Angebote pflegt oder sonst irgendwie mit dem Registrieren von Homepages zu tun hat und ein effizientes Programm zum Anmelden sucht, für den könnte diese Software eine gute Ergänzung sein. Wobei sich hier aber die Frage stellt, ob diese Zielgruppe unbedingt noch einen FTP-Client braucht oder ob ein erfahrener Web-Designer nicht selbst schnell die nötigen Keywords einbauen will. Aber allein der reine Registrierungsdienst ist sicher das Geld wert.

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