ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 966

PowerMail

Autor: wp - Datum: 18.01.2000

 

Mittlerweile gehören Email-Programm zu den Standardprogrammen auf jedem Computer. Aber im Gegensatz zu z.B. Textverarbeitungen oder Tabellenkalkulationen sind einige hervorragende Programme umsonst erhältlich, wie z.B. Outlook Express, Netscape Communicator, Eudora Light (von letzterem ist jetzt auch eine werbefinanzierte Version geplant). Es stellt sich also die Frage, wieso sollte ich zu einem Produkt wechseln, das Geld kostet?

Gute Frage. Nun, ein Grund könnte sein, daß der Funktionsumfang größer ist. Doch gerade das Beispiel "Outlook Express" zeigt, daß die Billigheimer durchaus Profi-Lösungen sein können. Also kann die Chance (fast) nur in der Benutzerführung und in der Nutzung innovativer Techniken liegen. Ein schönes Beispiel dafür ist PowerMail von CTM Development. Das Ziel war hier, einen schnellen, leistungsfähigen Client für POP3 und IMAP zu entwickeln, der in der Benutzerführung eng an Claris Emailer (rest in peace) angelegt ist.

Beim Start zeigt sich zunächst die schlichte Oberfläche:

Schön schlicht!

Praktisch jedes Icon erklärt sich selbst, und man kann ohne großen Aufwand eine Mail schreiben, indem man mit der Tab-Taste von Fenster zu Fenster geht:

Schön einfach!

Die Email-Adresse kann man von Hand eingeben oder aber das Adressbuch nutzen:

Auch schlicht!

Hier zeigt sich eine erste kleine Schwäche: das Adressbuch läßt nur sehr wenige Angaben (Name, Emailadresse, Kommentar) zu. Wer aber ohnehin seine Adressen durch ein anderes Programm verwaltet, wird diese Bescheidenheit zu schätzen wissen.

Schwerer wiegt da schon, daß die Filterfunktion äußerst bescheiden ist: pro Filter stehen nur zwei Auswahlkriterien und zwei Maßnahmen zur Verfügung. Wer es gewohnt ist, seine Mails per Filter vorzusortieren, muß also sehr viel Arbeit leisten und viele Filter definieren (z.B. um Spam-Mails auszusortieren).

Zu schlicht!

Glänzen kann PowerMail aber mit seiner Suchfunktion, die das Apple Information Access Toolkit nutzt. Das heißt: sämtliche Mails werden indiziert und stehen dann für eine Volltextsuche zur Verfügung. Darüber hinaus unterstützt PowerMail standardmäßig mehrere Benutzer und diverse Non-Roman-Sprachen, wie z.B. Kyrillisch, Arabisch, Japanisch, Chinesisch oder Koreanisch. Wo wir gerade bei Sprachen sind: zur Zeit liegt das Programm nur in Englisch und Französisch vor. An einer deutschen Übersetzung haben zwar zwei Nutzer gearbeitet, leider verlief dieses (recht fortgeschrittene) Projekt aber schließlich im Sande.

Mails aus anderen Programmen (Netscape, Outlook, Eudora, Emailer) werden im übrigen relativ problemlos importiert und stehen somit auch in PowerMail zur Verfügung. Der Export funktioniert ebenfalls relativ problemlos zu Netscape, zu Eudora und in Text-Dokumente.

Wer also einen einfach zu nutzenden Client sucht, ist mit PowerMail sehr gut bedient. Ich selbst benutze es seit gut anderthalb Jahren und möchte es - trotz einiger Beschränkungen - nicht mehr missen. Zum Schluss die entscheidende Frage: was kostet der Spaß?

CTM möchte für die Online-Version US$ 49, das entspricht etwa DM 100, für Studenten und Cross-Upgrades gibt es gesonderte Konditionen. Bei Interesse sollte man sich direkt auf die Web-Seite von CTM begeben. Sicher ist das eine Menge Geld, aber - und das ist der abschließende Grund zum Kauf - man unterstützt damit ein Produkt, das es ausschließlich für den Mac gibt.

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