ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 975

Robert X. Cringely

"Wie die Jungs vom Silicon Valley die Milliarden scheffeln, die Konkurrenz besiegen und trotzdem keine Frau bekommen"

Autor: wp - Datum: 01.06.2000

"Der Autor erzählt uns, was wir insgeheim zu hören wünschen - dass diese softwareschreibenden Genies, die Millionen verdienen, uns in anderen Dingen des Lebens unterlegen sind." Das sprach die Los Angeles Times über dieses Buch, als es 1991 publiziert wurde. Ich möchte eines hinzufügen: dass es mich tief in meiner hämischen Seele freut, wenn ein alter Besserwisser wie der große Cringely völlig daneben liegt mit seinen Prognosen. Beispiel gefällig? "Ihr 1998er Macintosh wird vielleicht von Nissan gebaut und in der Einfahrt geparkt, vielleicht wirds aber auch eine Swatch sein." Haha. Ebenso fröhlich kann ich werden, wenn sich der große Robert X. Cringely irrt. Seine Schlußthese im Buch ist: Die Hardwarebranche ist am Ende. Mitnichten - Intel, Motorola und AMD machen großartige Geschäfte mit den Chips, und Moores Gesetz ist noch immer in Kraft.

Andererseits bietet der Autor ein geniales Sammelsurium der Industrieentwicklung im Silicon Valley - von Lotus über Microsoft über Atari über Apple und Adobe bleibt kein major player ausgespart. Cringely schildert sehr bildhaft und blumig, so dass sich die Szenen vor dem geistigen Auge abspielen. Wie beispielsweise der junge Nolan Bushnell die SEARs-Manager, die den Atari in ihren Läden verkaufen wollen, behandelt. Vermutlich völlig bekifft setzt er sie statt eines Rundganges einfach in Pappkartons und lässt sie eine Runde auf dem Fließband fahren.

Die technische Seite des Buches wird man teilweise überspringen müssen, außer man hat deutlich mehr Lebensjahre als ich. Mein Verständnis für die ersten Altair-Maschinen hält sich in Grenzen, aber aufschlussreich ist das Kapitel dennoch. Cringely hat den Durchblick, was die Arbeitsweisen der Chips betrifft, und kann es auf sehr publikumsfreundlichem Level vermitteln. Den Unterschied zwischen CISC und RISC beschreibt er wie folgt: "Der CISC sagt: Gehen Sie durchs Zimmer, aber steigen Sie dabei nicht auf den Hund. Der RISC sagt: gehen-gehen-drübersteigen-gehen-gehen" und ist damit einfach schneller."

Das Personal der Computerrevolution kennt Cringeley als langjähriger Kolumnist natürlich bestens, und er urteilt richtig, wenn er ein Kapitel beginnt: "Der gefährlichste Mann im Silicon Valley... ist nicht auf Geld aus, gerade das macht ihn gefährlich... man könnte ihn sich wie Saddam Hussein vorstellen... er will die Welt verändern." Natürlich geht es hier um Steve Jobs, dem Kohle egal ist, weil er längst genug davon hat. Wer mit 25 Multimilliardär ist, kann andere Motivationen entwickeln. Steve Wozniak hat mir das einmal bestätigt, dass es Jobs nie um Geld gegangen sei - nur um Macht. Cringelys Analyse, dass Apple Jahr für Jahr die gesamte Computerindustrie vor sich hertreibt, komplettiert dieses Bild.

Die Beurteilung von Bill Gates fällt nicht so positiv aus; er habe keinen Stil, kümmere sich nicht um zufriedene Kunden, sondern wolle nur Geld verdienen, scheue keinen noch so üblen Trick. Liebenswert sind die Geschichten von Systemen, die starben, bevor sie das Licht der Welt erblickt haben. Beispielsweise zeigte Apple einmal IBM ein System, das auf IBM-PCs lief. Ziel: eine Allianz gegen Microsoft und deren Betriebssysteme. IBM war frustriert, weil sie schon mit einem anderen System versucht hatten, von Bill Gates wegzukommen, und es hatte nicht funktioniert: mit NeXT nämlich. Wieder einmal keine Kehrtwendung im Geschäft - so viele Knackpunkte, die aus heutiger Sicht unverständlich sind. Apple gegen Adobe beispielsweise war ein Kampf, der an Brutalität nichts zu wünschen übrig ließ - dabei hat Adobe später Apple gerettet.

Das Buch vertieft das Verständnis für die Computerbranche und die Maschen der Entwickler. Wie aus einem "quick and dirty operating system" das weltberühmte DOS wurde oder aus etwas, das "JaM" hieß, weil es von "John and Martin" programmiert worden war, einmal PostScript. Wie die ShareWare geboren wurde und wieso in einer bestimmten Zeile von DOS das Dollarzeichen steht - das alles bringt Robert Cringely dem Leser näher. Es ist ein Buch, das ein bißchen an Douglas Adams erinnert: "das Silicon Valley, das Universum und der ganze Rest". Viel Spaß beim Lesen!

Das Buch mit dem großartigen Titel "Wie die Jungs vom Silicon Valley die Milliarden scheffeln, die Konkurrenz besiegen und trotzdem keine Frau bekommen" ist bei MacBooks.de erhältlich. Der Online-Bookstore für den Mac erwirbt sich wieder Verdienste um ein verschwundenes Buch. Auch diese Publikation von Cringely ist vergriffen, wie die Biografie von John Sculley, und MacBooks konnte einen Restposten auftreiben.




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