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ARCHIV :: # 976

Eine Bibel für den Alltag - die Midas Macintosh Bibel

Autor: wp - Datum: 19.03.2001

Midas Macintosh Bibel Cover

Keine Frage: die Bibel ist ein Buch mit vielen spannenden Geschichten und guten Hinweisen für das eigene Leben. Um aber am eigenen Macintosh zu arbeiten, zu spielen und zu surfen, bringt sie zugegebenermaßen recht wenig.

Daher ist es gut, dass es die Midas Macintosh Bibel gibt. Denn die hat praktisch für jede Frage und jedes Problem im Mac-Alltag eine Antwort bzw. Lösung parat.

Warum eigentlich "Bibel"? Nun, Bibel kommt aus dem Griechischen (to biblion) und heißt einfach "Buch". Ein richtiges Buch eben. Und ein richtiges Buch ist die Macintosh Bibel - 1030 Seiten hat sie einschließlich ausführlichem Register zu bieten. Bleibt noch zu klären: "Midas". Midas war in der griechischen Sage ein Königssohn, der die Macht hatte, dass alles, was er berührte, sich in Gold verwandelte. Auch Speise und Trank - was ihm dann doch zu viel wurde und er daher auf seine Fähigkeiten freiwillig verzichtete. In diesem Fall ist "Midas" einfach der Name eines Schweizer Verlags - dessen Tipps und Hinweise in diesem Buch allerdings Gold wert sind.

Wie soll man sich einem so umfangreichen Buch nun nähern? Selbstverständlich wird es hier nicht möglich sein, alles im Detail vorzustellen und zu besprechen. Ich werde daher zunächst einen Überblick über seinen Inhalt geben und dann an Hand einiger spezieller Fragen zur Einrichtung des und zum Umgang mit dem Mac zeigen, inwiefern die Midas Macintosh Bibel ihrem Anspruch als umfassendes und verständliches Handbuch gerecht wird.

Insgesamt ist sie aufgeteilt in sechs große Kapitel über "Die ersten Schritte", "Hardware und Arbeitsumfeld", "Systeme", "Techie-Talk - in die Tiefe", "Anwendungen" und schließlich "Internet", ergänzt durch einen dreifachen Anhang, auf den ich später noch zurückkomme. Die Hauptkapitel sind in zahlreiche Unterkapitel gegliedert.

Diese Aufteilung erscheint sinnvoll, weil sie vom Einfachen zum Komplizierten, vom Elementaren (Mac-Grundlagen wie Modelle, Finder, grundlegende Begriffe) zum Komplexeren (Programme, Utilities, Formate - Internet und Webdesign) fortschreitet.

Als jemand, der in Sachen Apple und Macintosh eine ziemlich nostalgische Ader hat, gefiel mir der Abschnitt "Teil III: Systeme" über die Betriebssystem-Versionen sehr gut, auch die entsprechenden Überschriften: "Die Steinzeit: System 1.0 - 4.2" und "Das Viktorianische Zeitalter: System 6" usw., bis MacOS 9. Ferner ist ein ausführliches Kapitel über "The Next Generation: MacOS X" dabei, das die jüngsten Entwicklungen natürlich noch nicht berücksichtigen kann (mir liegt die erste Auflage von 2000 vor, im Original 1999). Zu den älteren Systemen hätte ich mir ein paar mehr Screenshots gewünscht, weil dies doch immer wieder sehr anschaulich ist, auch wie wenig sich im Prinzip manches Grundlegende des internen Aufbaus (Apple-Menü zum Beispiel) verändert hat seit 1984! Wer sich für entsprechende Screenshots interessiert, sei z.B. auf folgende Web-Site verwiesen: Graphical User Interface Gallery.

Das Kapitel schließt ab mit einem größeren Abschnitt über "Kontrollfelder und Erweiterungen", darunter der "ultimative Systemerweiterungen-Führer".

Kritisch ist trotz aller Assistenten und Hilfestellungen des Betriebssystems selbst immer noch die Konfiguration des Internet-Zugangs, speziell für Anfänger. Dieser Konfiguration der verschiedenen Einstellungen wie z.B. Remote Access, TCP/IP, des Browsers oder E-Mail-Programms widmet das Buch knapp 90 Seiten, die sehr anschaulich und verständlich sind und auch spezielle Einstellungen für T-Online oder AOL berücksichtigen. Ein letztes Kapitel über "Eine eigene Website erstellen" führt in die elementaren Grundlagen des HTML-Design und -Layout ein.

Was tun, wenn sich nichts mehr (richtig) tut? Aus meiner Erfahrung mit Windows-Systemen weiß ich, dass das MacOS tatsächlich wesentlich stabiler läuft und tausendfach transparenter ist als das Microsoft-Produkt mit seiner "Registry" (Registrierungsdatenbank, in der alle Systemeinstellungen und -Veränderungen gespeichert und festgelegt sind - und wo man so viel versauen kann, manchmal nur durch die Installation oder Deinstallation eines einzigen Programms, dass man aus diesem Labyrinth nie wieder heraus findet und alles neu installieren muss!). Doch selbst ein MacOS kann versagen - und dann ist auch hier guter Rat teuer.

Was empfiehlt die Midas Macintosh Bibel? Zunächst einmal Ruhe und Gelassenheit in jeder Situation, denn: "Irgendwann ist es so weit, und Ihr Mac fängt an, Probleme zu machen. Es ist so gut wie sicher, dass es passieren wird, die Frage ist nur, wann. Akzeptieren sie diese Tatsache einfach, und bereiten Sie sich darauf vor. Dazu gehört es mindestens, immer aktuelle Sicherheitskopien Ihrer Daten anzulegen" (Seite 650).

Weiter wird ein "Dreistufenplan" vorgestellt, "der garantiert jedes Softwareproblem löst" (Seite 651). Da ist man gespannt, wie der Plan aussieht! "Stufe 1: Starten Sie mit der Shift-Taste" (ebd.), um die Systemerweiterungen zu deaktivieren und dann auszuprobieren, an welcher nachträglich installierten Erweiterung (oder an welchem Kontrollfeld) es liegen könnte. Dieser Rat ist natürlich äußerst elementar, aber dies ist schließlich ein Grundlagen-Buch, und auf Fehlersuche zu gehen mit dem Kontrollfeld "Erweiterungen Ein / Aus" war noch immer richtig. Der Hinweis übrigens auf defekte Zeichensätze, die sehr viel Ärger verursachen können (Seite 654) ist keinesfalls zu unterschätzen.

Mit "Stufe 2: Ein neues System installieren" geht es schon ans Eingemachte. Dies ist insbesondere dann nötig, wenn die Systemdatei beschädigt ist oder der Fehler trotz aller Bemühungen nicht zu finden ist. Hier sollte man am besten die Systemsoftware "sauber", das heißt mit frischem Systemordner, aufspielen und nicht einfach über das vorhandene (fehlerhafte) System drüber installieren. Das Buch zeigt ab Seite 655 die besten Verfahren, um dies ab System 7.5 zu bewerkstelligen, sehr lobenswert ist auch ein Hinweis auf die Besonderheiten der Performa-System-CDs. Um nachher nicht per Hand alle Einstellungen neu eingeben zu müssen, ist es ratsam, vorher wichtige Voreinstellungsdateien (Präferenzen) z.B. für den Internet-Zugang extern zu kopieren und zu sichern (Diskette oder Ähnliches), allerdings: nur wenn diese mit Sicherheit nicht für die Probleme zuständig sind!

Die dritte Stufe (ab Seite 659) ist nur für Macuser mit angeschlossenen SCSI-Geräten wichtig, hier kann man auf Fehlersuche gehen, indem man die SCSI-Kette entfernt.

Die Autoren "glauben aufrichtig daran, dass unser Drei-Stufen-Plan nahezu narrensicher ist. Immerhin sollte Ihr Mac, nachdem Sie die Systemerweiterungen ausgeschaltet, das System neu installiert und die SCSI-Geräte abgetrennt haben, ziemlich genau so sein, wie er war, als Sie ihn kauften!" (Seite 660). Da Glauben und Vertrauen in einer Bibel sicherlich gut sind, Kontrolle aber im Falle eines fehlerhaft laufenden Macs immer noch besser ist, empfehlen sie trotzdem noch weitere Maßnahmen, falls es auch jetzt noch nicht klappt. Das kann man auf Seite 661 ff. weiter lesen. Selbstverständlich kommen auch hier die elementaren und wichtigen Hinweise, zunächst einmal den Parameter-RAM (PRAM) zu löschen und die Schreibtischdatei neu aufzubauen, beides am besten mit der Freeware TechTool. Ebenso hilfreich kann es sein, defekte Voreinstellungsdateien versuchsweise zu löschen, wenn man ein bestimmtes Programm in Verdacht hat (man kann die entsprechende Datei auch erst einmal auf den Finder ziehen und nach einem Neustart probieren, ob jetzt alles in Ordnung ist, ansonsten verschiebt man die zu Unrecht verdächtigte Datei wieder in den Präferenzen-Ordner zurück!).

Schließlich folgt noch ein Überblick über die verschiedenen Fehlernummern, wobei die Bedeutungen dieser Nummern so weit wie möglich erläutert werden (ab Seite 672).

Wie gesagt, viele dieser Hinweise und Ratschläge gehören zu den absoluten Basics - aber sie in dieser gesammelten und ausführlichen Form vor sich zu haben, nutzt nicht nur dem Anfänger.

Der Midas Macintosh Bibel liegt eine gut sortierte CD-ROM bei, deren Programme jetzt natürlich nicht mehr alle auf dem aktuellsten Stand sind - aber die Updates lassen sich leicht aus dem Internet besorgen oder von der CD-ROM einer Mac-Zeitschrift. Viele wichtige Shareware-Programme sind in Anhang 2 des Buches kurz erläutert: "Nützliche Software", ab Seite 989.

Wie eine richtige Bibel finden sich auch in der Midas Macintosh Bibel 10 Gebote! Diese im alltäglichen Umgang mit dem Mac zu berücksichtigen, kann gewiss nicht schaden: von "Sichern Sie ihre Daten" (erstes Gebot) über "Halten Sie das Betriebssystem schlank" (5. Gebot) bis zu "Sichern Sie wichtige Einstellungen", "Vorsicht mit Updates und neuer Software" und "Probieren Sie Neues aus - zum richtigen Zeitpunkt" (8. bis 10. Gebot) sind dort Ratschläge gesammelt, die man sich getrost auf eine Tafel schreiben oder angemessener: ausdrucken lassen kann, um sie sich an die Wand zu hängen zu steter Erinnerung!

Alles in allem ein sehr empfehlenswertes und fast unentbehrliches Buch für den Macuser.

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