ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 982

Apple vs Sharewareentwickler?

Und eine provokante Gegenmeinung

Autor: thyl - Datum: 05.09.2002

In diesem Kommentar der Macwelt setzt sich Stephan Wiesend mit der Lage der Software-Entwickler im Angesicht des derzeitigen Produktfeuerwerks von Apple aueinander. Er vertritt die Meinung, dass durch die vielen neuen Apple-Produkte Sharewareentwickler, die zuvor vergleichbare Produkte angeboten haben, in Bedrängnis kommen und nennt eine Reihe von Beispielen für Programme, die wohl durch entsprechende Apple-Entwicklungen aus dem Markt gekippt werden.

Ich verstehe die Besorgnis des Autors, zumal sich hier im Kleinen ein Verhalten wiederholt, dass Microsoft im Grossen bereits seit Jahren vormacht: Kaum hat man ein gutes Produkt, wird es von Apple geklaut und kostenlos im Betriebssystem bereitgestellt.

Es gibt allerdings auch noch eine andere (advocatus diaboli?) Sicht auf diese Dinge. MacOSX gibt es jetzt seit zwei Jahren und es war reichlich Gelegenheit, sich mit der neuen Programmierschnittstelle Cocoa vertraut zu machen, die eine IMMENSE Produktivitätssteigerung gestattet. Ich habe jedoch den Eindruck, dass viele Mac-Entwickler lieber ihren alten Stiefel weitergefahren sind, und allerhöchstens eine Carbon-Anpassung ihrer Software gemacht haben. Dadurch hat Apple jetzt einfach einen ziemlichen Kompetenzvorsprung. Die dortigen Cocoa Entwickler können mit geringem Aufwand und in kurzer Zeit Programme schreiben, welche die mühsam mit dem alten System programmierten Programme, wenn nicht in den Schatten stellen, so doch zumindest einholen können. Und jetzt sitzen die Shareware-Programmierer da auf ihren nutzlosen Programmen und wissen nicht, was sie machen sollen. Dabei gibt es ja wohl genügend Gebiete, in denen Apple nicht aktiv ist und wo man wunderbar Shareware-Programme schreiben könnte, und mit Cocoa könnte man auch schnell auf Marktänderungen reagieren.

Unter OPENSTEP, dem programmiertechnischen Vorläufer von MacOSX, gab es praktisch keine Shareware-Szene, aber jede Menge freie Programme. Warum wohl? Weil solche Programme halt nicht in mühsamer wochenlanger Arbeit geschrieben wurden, sondern mal eben an einem Wochenende: Da lohnt es sich auch nicht, ein grosses Shareware-Modell aufzuziehen.

Zugegeben, ein Gegenbeispiel zu meiner Theorie scheint Watson zu sein, das von Apple in Sherlock 3 "integriert" wurde. Watson ist wohl in Cocoa geschrieben. Doch warten wir ab, was den Entwicklern von Watson dazu einfällt und wie sie auf die Herausforderung durch Apple reagieren können; dies ist auch ein Test für die Praxistauglichkeit von Cocoa.

Kommentare

Logischer Schritt

Von: pal05 | Datum: 23.09.2002 | #1
Hi,

in den Artikel ist Dave als Beispiel aufgeführt - was ich so nicht stehen lassen will.
Ich sehe nicht ein warum ich für Dave etwas zahlen soll aber genau weiß das ich einfach nur Samba unter OSX 10.1 konfigurieren muß und los gehts. Ich finde es gut das Apple mehr auf die UNIX Features eingeht und diese für "normal Anwender" zugänglich macht!
Zugegeben Watson ist ein negativ Beispiel jedoch finde ich das Apple seinen Kurs beibehalten soll!

lg

Aufgegriffen: Logischer Schritt

Von: ernie | Datum: 23.09.2002 | #2
das beispiel mit dave moechte ich auffassen und moechte sogar noch einen schritt weitergehen.

als ich auf den mac umgestiegen bin fand ich geradezu empoerend, dass apple nicht ab werk ein gemischtes netzwerk unterstuetzt hat, denn schliesslich gibt es mindestens seit system sieben eine tcp/ip-unterstuetzung.
die smb-unterstuetzung aufzusetzen haette also eigendlich kein problem darstellen duerfen. der bedarf war jedenfalls mit sicherheit da.
vielmehr sollten sich die programmierer von dave freuen, dass sie jahrelang mit der nachlaessigkeit von apple geschaefte machen konnten !
ich moechte aber dennoch betonen, dass ich diese these nicht in allen bereichen unterstuetze. ich blicke da z.b. auf die musik-produktion oder ical.

ical ist wirklich ein nettes programm, ich persoenlich werde aber weiterhin meinen "mittelalterlichen" wandkalender verwenden, weil es mir etwas albern vorkommen wuerde den kalender meiner freundin abonieren zu muessen, grins.
ich beklage mich nicht ueber die kostenlose beigabe, aber ich denke, dass waere ein programm fuer dritthersteller, da es nicht jeder braucht :-)
ein kleines dockling, wie z.b. "Calindock" (simpler jahreskalender im dock) reicht fuer die breite masse aus
und die finanziellen resourcen haetten fuer andere apple-"massen"-programme genutzt werden koennen.
MEINE TOP-Liste beinhaltet z.b.
- eine ICQ-Implementierung in iChat,
- mehr drucker-treiber,
- eine vernuenftige scan-software

besonders die letzten beiden punkte wuerde vermutlich nicht nur die nutzer freuen, sondern auch die peripherie-hersteller :-)

ERNIE

Wie wahr, wie wahr....

Von: Kampf Katze | Datum: 20.10.2002 | #3
Da schreibt mir doch einer aus der Seele.
Immer wieder fällt mir seit Mac OS X auf, das Apple alles dazu tut, wirklich sinnvolle Shareware in den Boden zu hauhen und eine kostenlose Application raus zu bringen. So war z.B. das Adressbuch für den iPod keine Idee von Apple, sondern einer Softwareschmiede die nichts mit Apple am Hut hatte, außer Programm zu schreiben und naja, sagen wir mal, teuer weiter zu verkaufen.
iTunes hat mein Lieblingsprogramm für Audiowiedergabe in den Boden getrampelt...so war es SoundJam, für das ich das erste und letzte mal Geld ausgab. Nachdem nämlich knapp 2 Monate nach dem Kauf der Software bekannt wurde, SoundJam adee, war ich mitunter auch sehr verärgert und nun lege ich wert auf Netzkultur, freeware & Peer to Peer.
Für mich ist auch heute noch SoundJam das Audioapp für Mac OS. Schade, das es nur eine beta zu OS 10 geschafft hat, sie lief perfekt darunter.
iCal ist auch eine wirklich gelungene Kopie von Office for mac und dessen Entourage. Nur ist halt iCal kostenlos und wa iChat betrifft... so tuts mir leid, aber ich bin kein wirklicher AOL Freund und desweiteren finde ich das Programm Proteus wesentlich besser. Alles zusammen brauche ich mir kein 139 Euro teures update zu kaufen, nur um schöner Chaten zu können, meine Termine verwalten zu können und ein Netzwerk, sowie schon wieder nen neuen Drucker dafür zu kaufen habe ich auch nicht vor, so das Rondevouz auch keinen Sinn für mich ergibt. Und iSync, klar, ich kaufe mir gleich nen T65i, kostet ja net die Welt, dazu noch nen Palm und den 20 GB iPod...

So ein Digital Lyfestile ist mir doch zu teuer, ich warte auf 10.3 und fertig. Apples Philosophie geht mir seit 10.2 ziemlich auf die Nerven